Multi-Akteurs-Partnerschaften für Krisenprävention und Friedensförderung: Potentiale und Risiken

 

Um nachhaltige Lösungen für komplexe globale Herausforderungen zu finden und gesellschaftlich zu verankern, werden neue Wege der Zusammenarbeit benötigt. Einzelne Akteure oder Gruppen stoßen bei den verschiedensten Problemstellungen nachhaltiger Entwicklung an ihre Grenzen. Diese Einsicht ist eine Kernbotschaft der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Multi-Akteurs-Partnerschaften (MAP) gewinnen vor diesem Hintergrund an Bedeutung. Dabei handelt es sich um eine Kooperationsform, bei der Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Wissenschaft gemeinsam nach Lösungen für komplexe Entwicklungsprobleme suchen und diese anbieten.

In vielerlei Hinsicht scheinen MAP daher prädestiniert für die Prävention und Bearbeitung von Konflikten. Zum einen werden Gewalt und Fragilität immer mehr zum zentralen Problem für nachhaltige Entwicklung. Zum anderen sind die Ursachen gewaltsamer Konflikte vielschichtig. Mit der Integration einer umfassenden Friedensdimension in die Agenda 2030 gibt es außerdem ein Momentum für neue MAP zur Förderung von friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften.

Andererseits handelt es sich bei gewaltsamen Konflikten um hochsensible politische Kontexte. Friedensförderung hat die Transformation von Beziehungen, Vertrauensaufbau und die Infragestellung von Machtasymmetrien zum Ziel. Eine zu technisch auf Problemlösung und gemeinsame Umsetzung orientierte MAP kann in diesen Kontexten auch zu kurz greifen, wenn ihr keine umfassende Konflikt- und Akteursanalyse zu Grunde liegt und Konfliktursachen nicht explizit adressiert werden.

Dieses Spannungsfeld stand im Mittelpunkt einer von FriEnt organisierten Arbeitsgruppe auf dem „MAP-Camp“ am 24. November, zu dem das GIZ-Vorhaben „Partnerschaften 2030“ eingeladen hatte. Auf Grundlage zweier Inputs zu Multi-Stakeholder-Initiativen (zur lokalen Umsetzung der Freiwilligen Leitlinien zur verantwortungsvollen Verwaltung der Nutzung von Land, Fischgründen und Wäldern  und dem International Dialogue on Peacebuilding and Statebuilding) wurden Bedarfe und Potentiale, aber auch Voraussetzungen für und Besonderheiten von MAP im Bereich Friedensförderung und Krisenprävention identifiziert:

  • Um Friedenspolitik effektiv und nachhaltig zu gestalten, wird mehr Kommunikation und Koordination erforderlich. Dazu gehört auch die Bildung neuer Allianzen zwischen Akteuren unterschiedlicher Sektoren, um Perspektiven und Wissen zusammenzubringen und strategischer planen und handeln zu können.
  • Auf globaler Ebene bieten MAP die Möglichkeit, globale Faktoren mit Auswirkungen auf lokale Konfliktdynamiken anzugehen. Wichtig ist, globale MAP eng mit lokaler Umsetzung zu verknüpfen und lokale Akteure einzubeziehen.
  • Im Bereich der Friedensförderung ist der Weg zu einer MAP insbesondere auf lokaler Ebene oft schon ein Ziel an sich : Wenn in von Misstrauen geprägten (Post-)Konfliktregionen unterschiedliche Akteursgruppen zusammenkommen, um über gemeinsame Ziele und deren Umsetzung zu reden, kann dies bereits konflikttransformativ wirken, Vertrauen aufbauen und Beziehungen stärken. Diese Prozesse brauchen in diesen Kontexten mehr Zeit und sollten nicht vorschnell formalisiert werden. Gleichzeitig sollten „windows of opportunity“ für die Initiierung von MAP-Prozessen in volatilen Kontext im Blick behalten werden.
  • Hier gilt es auch, Akteure der Friedensförderung und Konfliktbearbeitung frühzeitig in den Aufbau von MAP in anderen Sektoren (wie Rohstoffe, Gesundheit, ländliche Entwicklung) einzubeziehen, um Friedenspotentiale in allen Phasen einer MAP zu identifizieren und zu nutzen.
  • Fragen zu Konfliktsensibilität und Inklusivität sind im Kontext von Friedensförderung besonders zu beachten (unter anderem der Einbezug von Konfliktakteuren, marginalisierten Gruppen, politisch aktiver Zivilgesellschaft).
  • Staatliche Akteure sollten nicht nur Mittel bereitstellen und den Rahmen bieten, sondern sich aktiv in MAP für Friedensförderung und Krisenprävention einbringen und dabei Lern- und Reformbereitschaft mitbringen. Nur so könne die politische Dimension nachhaltiger Entwicklung einbezogen werden.
  • Es sollte geprüft werden, in wie weit vorhandene länderspezifische Formate (Länderdialoge, runde Tische in Konfliktregionen) als Prototyp für MAP genutzt und weiterentwickelt werden können.
  • Als Idee für eine neue MAP wurde eine globale Lernpartnerschaft zu Umsetzungserfahrungen zum Thema Gewaltprävention diskutiert. Diese könnte jedem Land die Möglichkeit geben, Erfahrungen zum eigenen Umgang mit Gewalt zu teilen und von anderen zu lernen – zum Beispiel zum Umgang mit Gewalt im Umfeld von Flüchtlingseinrichtungen oder zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung.

Insgesamt wurde deutlich, dass die konzeptionelle Diskussion zum Thema MAP für Krisenprävention und Friedensförderung weitergeführt werden sollte. FriEnt wird diese Diskussion um spezifische Anforderungen und Ansätze weiter verfolgen.