Global Festival of Action in Bonn: FriEnt und CSPPS rücken inklusive Prozesse zur SDG-Umsetzung in den Mittelpunkt

Auf Einladung der UN SDG Action Campaign kamen vom 21.-23. März etwa 1.500 internationale SDG Expert/innen aus Staat, Zivilgesellschaft und Wissenschaft auf dem Global Festival of Action for Sustainable Development in Bonn zusammen. Das Festival bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Erfahrungen bei der Umsetzung der SDGs miteinander zu teilen, neue Instrumente und Projekte kennen zu lernen und Partnerschaften zu entwickeln.

Gemeinsam mit der Civil Society Platform for Peacebuilding and Statebuilding (CSPPS) hat sich FriEnt mit einer Podiumsdiskussion eingebracht. Unter dem Titel „From Words to Action: Why Inclusivity Matters for SDG Implementation in Fragile and Conflict-Affected Countries“ stand dabei die Frage im Mittelpunkt, wie die Beteiligung aller gesellschaftlichen Kräfte in der Umsetzung der SDGs sichergestellt werden kann – und warum dies auch und gerade in fragilen und von Konflikten betroffenen Staaten von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Agenda 2030 ist.

Die Panelist/innen spiegelten in ihrer Zusammensetzung den inklusiven und integrierten partnerschaftlichen Dialogansatz wieder, der auch ihre gemeinsame Arbeit im Rahmen des International Dialogue on Peacebuilding and Statebuilding (IDPS) prägt. Oliver Meinecke (BMZ), Gwendolyn Myers (Messengers of Peace), Habib Ur Rehman Mayar, (g7+), Eckhard Volkmann (Inclusive Peace and Transition Initiative) und Christine Chan (UNDP) gingen in der von Peter van Sluijs (CSPPS) moderierten Diskussion auf die Frage ein, warum Inklusivität eine Voraussetzung für die Umsetzung der SDGs in fragilen und von Konflikt betroffenen Kontexten ist.


Eckhard Volkmann betonte, dass nur inklusive Gesellschaften politische Reformen nachhaltig implementieren können. Partizipation bedeute, den Grad Entscheidungen beeinflussen zu können, zu erhöhen. Zentral sei besonders die Inklusion von jungen Menschen. Um eine „meaningful contribution“ der jungen Menschen zu erhalten, müssten junge Menschen wesentlich stärker gefördert werden, so Gwendolyn Myers. Habib Mayar betonte, dass viele von der EU oder UN durchgeführten Interventionen – oftmals nicht intendiert – noch zu einer stärkeren Fragmentierung der Gesellschaften führten. Die Abhängigkeit von Hilfsgeldern dürfe lokale gesellschaftliche Initiativen nicht unterminieren. Besonders „fragile to fragile“ Initiativen könnten hier „ownership“ auf gesellschaftlicher Ebene generieren.

Gesamtgesellschaftliche Ansätze und Prozesse

Christine Chan hob hervor, dass die Verantwortung für die Umsetzung der SDGs nicht auf eine bestimmte nationale Institution übertragen werden könne, sondern gesamtgesellschaftliche Ansätze und Prozesse notwendig seien. Denn in volatilen politischen Situationen mit häufig wechselnden Regierungen sei die Zivilgesellschaft eine der wenigen Konstanten und müsse allein deshalb frühzeitig und systematisch in die Umsetzung der langfristig ausgerichteten SDGs einbezogen werden.

Mit einer Vielzahl von Vorhaben trage die deutsche Entwicklungszusammenarbeit dazu bei, die Teilhabe von gesellschaftlichen Gruppen in politischen Prozessen und der SDG-Umsetzung zu stärken, so Oliver Meinecke. Unter anderem werden über den Zivilen Friedensdienst inklusive Dialogprozesse unterstützt und gesellschaftliche Kräfte befähigt, an politischen Prozessen teilzuhaben. Auch im Rahmen des derzeitigen Co-Vorsitzes des BMZ im ‚International Network on Conflict and Fragility‘ (INCAF) der OECD stehe das Thema „inklusive politische Prozesse“ auf der Agenda.

Sinkende Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft

Die Podiumsteilnehmer/innen waren sich einig, dass zivilgesellschaftliche Gruppen sowohl in der Umsetzung als auch in der Überprüfung der SDGs eine wesentliche Rolle spielen müssen. Wenn sich bestimmte Gruppen von SDG-Umsetzungsprozessen ausgeschlossen fühlen, kann dies hingegen zur weiteren Konfliktverschärfung führen. Jedoch: Gerade in vielen fragilen und von Konflikten betroffenen Staaten gibt es eine Reihe von Hürden und Herausforderungen. So stehe der globale Trend von sinkenden zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräumen dem inklusiven Ansatz der Agenda 2030 entgegen und müsse von der internationalen Gemeinschaft stärker angegangen werden. Auch die Inklusion von ehemaligen Konfliktparteien müsse konfliktsensibel gestaltet werden und Spoilern von Friedensprozessen gemeinsame Strategien entgegengehalten werden.