Wie Pilze aus dem Boden: Neue globale Multi-Akteurs-Initiativen zur SDG 16 Umsetzung

Marc Baxmann


25.10.2016 - 11:17


Vor über einem Jahr hat die UN-Generalversammlung die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Frieden ist als einer von fünf Grundpfeilern in der Präambel sowie als eigenes Nachhaltigkeitsziel (SDG 16) in der Agenda 2030 prominent verankert. In dem Ziel geht es darum, friedliche und inklusive Gesellschaften zu fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz zu ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufzubauen. Friedensrelevante Ziele finden sich jedoch nicht nur in SDG 16, sondern in einer ganzen Reihe von SDGs.

Der Erfolg der Umsetzung dieser Friedensdimension der Agenda wird sich in erster Linie auf nationaler Ebene festmachen – insbesondere in fragilen und von Konflikten betroffenen Staaten bestehen dabei gewaltige Herausforderungen. Gleichzeitig braucht es aber auch Bewegung auf globaler Ebene, um einerseits den Erfahrungsaustausch zur Umsetzung von SDG 16 zu ermöglichen und um anderseits die Aufmerksamkeit auf globale Faktoren mit Auswirkungen auf lokale Konfliktdynamiken zu lenken.


Die Saferworld-Studie „More than the sum of our parts” zeigt auf, dass sich bereits eine ganze Reihe von globalen Plattformen und Initiativen im thematischen Bereich von SDG 16 oder auch einzelner Unterziele engagieren – zum Beispiel der International Dialogue on Peacebuilding and Statebuilding (IDPS) oder die Open Government Partnership (OGP). Allerdings würden diese Partnerschaften noch häufig recht isoliert voneinander arbeiten. Außerdem könne auf globaler Ebene noch mehr getan werden, um Staaten dabei zu unterstützen, ihre Verpflichtung zu friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften zu erreichen.

Diesen Bedarf greifen gleich vier neue Multi-Akteurs-Partnerschaften auf globale Ebene auf, die sich in den letzten Wochen gebildet und vorgestellt haben:

Global Alliance for Reporting Progress on Promoting Peaceful, Just, and Inclusive Societies

Die „Global Alliance for Reporting Progress on Promoting Peaceful, Just and Inclusive Societies“ wurde gegründet, um neue Formen von Partnerschaften zur Umsetzung der Friedensdimension zu etablieren. Sie zielt darauf ab, die effektive Berichterstattung zur Umsetzung von SDG 16 und dessen Berührungspunkten mit dem Rest der Agenda 2030 zu unterstützen. UNDP ist treibende Kraft hinter dieser Plattform von UN-Mitgliedsstaaten, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Wissenschaft und Privatsektor. Durch die Nutzung der unterschiedlichen Stärken, Ressourcen und Zugänge der Akteursgruppen soll das Monitoring der SDG 16 Umsetzung gestärkt werden. Im Rahmen der Partnerschaft soll ausgelotet werden, wie die unterschiedlichen Bedarfe einzelner Länder an Monitoringkapazitäten durch Ressourcen der Allianzpartner bedient werden können.

Pathfinders for Peaceful, Just and Inclusive Societies

Die “Pathfinders”-Initiative von Brasilien, der Schweiz und dem Center on International Cooperation (CIC) will Vorreiter unter den UN-Mitgliedsstaaten zur Umsetzung der Friedensdimension der Agenda 2030 identifizieren. Dazu sollen gelungene Beispiele nationaler Umsetzung hervorgehoben werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf innovativen Ansätzen, Strategien und Instrumenten. Zunächst will die Initiative Staaten und anderen Akteuren eine Plattform bieten, um Aktionspläne zur Umsetzung von SDG 16 und anderen friedensrelevanten Zielen zu erarbeiten.

The Goal 16+ Forum

Auf Initiative der World Federation of United Nations Associations (WFUNA) will das „Goal 16+ Forum“ eine Plattform für den Dialog zwischen UN-Mitgliedsstaaten, zivilgesellschaftliche Organisationen, UN-Sekretariaten und weiteren Akteuren bieten, um den Austausch zu globalen Anstrengungen zur Umsetzung der Friedensdimension der Agenda 2030 anzuregen. Mitglieder des Forums können ihre Prioritäten, Strategien und Initiativen zur Umsetzung und Überprüfung präsentieren und dadurch gegenseitiges Lernen und Erfahrungsaustausch ermöglichen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Schnittstellen und potentiellen Zielkonflikten zwischen SDG 16 und anderen SDGs.

SDG16 Data Initiative

Die SDG16 Data Initiative ist ein gemeinsames Projekt verschiedener Organisationen mit dem Ziel, die derzeitigen Bemühungen zur Entwicklung eines offiziellen Monitoringsystems der SDG 16 Umsetzung zu ergänzen. Die Initiative ist ein Versuch, Daten zu SDG16 in einem offenen Format auf einer Online-Plattform zusammenzutragen. Dabei werden sowohl offizielle Daten, z.B. seitens Weltbank und UN, als auch inoffizielle Datenquellen - inklusive zivilgesellschaftlicher Daten - herangezogen. Damit soll Ländern der Einstieg in das Follow-Up von SDG 16 erleichtert werden.

Fazit

Die Bandbreite an neuen Multi-Akteurs-Initiativen zeigt, dass die Umsetzung der Friedensdimension der Agenda 2030 auf globaler Ebene an Fahrt gewinnt. Jedoch muss sich erst noch zeigen, in wie weit es einerseits den neuen Plattformen und Initiativen gelingt, die bisher fragmentierten Ansätze zusammenzuführen und ob sie andererseits dazu beitragen werden, die Umsetzungslücke von globalen Vereinbarungen und nationaler Umsetzung zu schließen. Hierfür müsste es gelingen, dass globale Momentum in nationalen politischen Willen zu übertragen und Ressourcen für die nationale Umsetzung der Friedensdimension zu mobilisieren.

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