Wie können VN-Peacekeeping Missionen weiblicher werden?

Daniela Dietmayr


26.10.2016 - 17:19


In einer Ausstellung rückt das Auswärtige Amt von 26. Oktober bis 25. November 2016 „Frauen und die Vereinten Nationen“ in den Fokus. Während die Ausstellung das Thema Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte in den Vereinten Nationen (VN) im Wandel der Zeit betrachtet, weist Charles Kenny im Blog des Think Tanks „Center for Global Development“ auf den Mangel an weiblichem Personal in VN-Peacekeeping Missionen hin. Weibliche Militär- und Polizeiangehörige könnten einen wichtigen Beitrag zu Sicherheit leisten. Studien hätten gezeigt, dass ein höherer Anteil weiblicher Peacekeeper sexuellen Missbrauch und Ausbeutung reduziere. Darüber hinaus werde die Anwesenheit weiblicher Peacekeeper mit allgemein erfolgreicheren Operationen assoziiert. Dieser Erkenntnisse zum Trotz waren im August 2016 nach offiziellen Angaben der Vereinten Nationen durchschnittlich nur gut vier Prozent der VN-Peacekeeper Frauen.


In VN-Kreisen besteht durchaus Bewusstsein für die Problematik: der scheidende VN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte 2009 eine Kampagne für die Erhöhung des Anteils weiblicher Peacekeeper auf 10 Prozent in Militär- und 20 Prozent in Polizeieinheiten bis zum Jahr 2014 ins Leben gerufen. Der VN-Sicherheitsrat hat jüngst zu einer Verdoppelung des Anteils aufgerufen. Von der Erreichung dieser Ziele ist man jedoch weit entfernt.

Darauf weist auch Fiona Hodgson, Vorsitzende des britischen Netzwerks „Gender Action for Peace and Security“ (GAPS), hin. Neben der Forderung, an konkreten Zielen für die Erhöhung des Anteils von Frauen in VN-Missionen festzuhalten, fordert sie offizielle Mechanismen für die Vernetzung von Peacekeepern mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich in Konfliktkontexten für Frauen einsetzen. So könne systematisch dafür Sorge getragen werden, dass die Interessen und Bedürfnisse von Frauen gehört und geschützt werden. Darüber hinaus sei es notwendig mehr Ressourcen in Genderanalysen von Peacekeeping Operationen zu investieren, um zu verstehen, welche Erfahrungen Frauen in Situationen von Gewalt und Konflikt machen und vor welchen Herausforderungen sie auch dann stehen, wenn Peacekeeping Missionen zwar offen gewaltsame Auseinandersetzungen verhindern, der Weg zu einer friedlichen Gesellschaft und der Überwindung zugrundeliegender Gewaltursachen aber noch immer weit ist. Angesichts aktueller Vorwürfe sexuellen Missbrauchs durch VN-Personal ruft Hodgson außerdem dazu auf, Peacekeeper für begangene Straftaten konsequent zur Verantwortung zu ziehen.

Obwohl insgesamt weniger weibliches als männliches nationales Polizei- und Militärpersonal für VN-Missionen zur Verfügung steht, ist dies allein als Erklärung für den geringen Anteil weiblicher Peacekeeper nicht ausreichend, wie Charles Kenny erläutert. Vielmehr gebe es Zurückhaltung bei der Entsendung weiblichen Personals. Diese Zurückhaltung gelte es zu überwinden. Hier hätten Staaten wie die USA, Japan, Frankreich, Deutschland und Großbritannien, auf die rund 60 Prozent des VN-Peacekeeping Budgets entfalle, die Verantwortung, Anreizmechanismen zu schaffen, um den Anteil weiblicher Peacekeeper zu erhöhen. Kennys Vorschlag, hierfür einen „trust fund“ einzurichten, ist allemal eine Überlegung wert, wenn verschiedene Zielmarken, die in den vergangenen Jahren in den Raum gestellt wurden, erreicht werden sollen.

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