Bildung und Friedensförderung
Bildung spielt eine Schlüsselrolle für die Prävention und Transformation von Gewaltkonflikten. Als „social policy“ und Sozialisierungsort haben Bildungspolitik und -einrichtungen großen Einfluss auf die Entwicklung und Prägung von Identitäten und Verhalten. Je nach Ausgestaltung der Quantität und Qualität von Bildungsangeboten kann die gewaltsame Austragung von Konflikten befördert oder deren gewaltfreie Transformation und Bearbeitung unterstützt werden.
Die konstruktive Rolle von Bildung in der Prävention und Transformation von Gewaltkonflikten gehört zu den Hauptanliegen entwicklungspolitischer Friedensförderung. Die Schlüsselrolle von Bildung kann jedoch nur dann zum Tragen kommen, wenn ihre friedensfördernden Beiträge in einer konfliktsensiblen, systemischen Umsetzung von Entwicklungszusammenarbeit verankert werden.
In den letzten zehn Jahren ist das Wissen um mögliche negative Wirkungen von Bildung auf Gewalt(-konflikte) und Konfliktdynamiken gewachsen. Internationale wie nationale Debatten haben den wechselseitigen Zusammenhang von Gewalt, Bildung und Friedensförderung/Gewaltprävention vermehrt aufgegriffen. Ein Beispiel ist der Weltbildungsbericht 2011 der UNESCO mit dem Titel „Die unbeachtete Krise: Bewaffneter Konflikt und Bildung“. Dennoch spielt Bildung als zentraler Sektor in den Debatten um „Peacebuilding“ und „Statebuilding“ bislang nur eine Nebenrolle. Gleichzeitig wird der Bedeutung von Gewaltprävention und Friedensförderung im entwicklungspolitischen Bildungsdiskurs weiterhin zu wenig Beachtung geschenkt. Die Anwendung von Prinzipien wie Do No Harm und Konfliktsensibilität sind in der Praxis nicht hinreichend verankert.
Zu den zentralen Herausforderungen für die nachhaltige Unterstützung gesamtgesellschaftlicher Transformationsprozesse zählen daher folgende Aspekte:
- Die Stärkung des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren der Friedens- sowie Bildungsarbeit (formal und non-formal).
- Die Umsetzung von Leitlinien und Standards an der Schnittstelle von Bildung und Friedensförderung.
- Die Weiterentwicklung realistischer und kontextspezifischer Wirkannahmen und Theorien des Wandels sowie innovativer Methoden zur Wirkungsmessung.
- Die Weiterentwicklung systemischer Bildungsansätze (Verknüpfung von formaler und non-formaler Bildungsarbeit auf unterschiedlichen Ebenen und stärkere Verbindung unterschiedlicher Bildungsbereiche) vor dem Hintergrund eines ganzheitliches Bildungsverständnisses.
- Die konzeptionelle Schärfung der Friedenspädagogik und Integration von Beiträgen friedenspädagogischer Ansätze zur Identitätsbildung und Wertevermittlung in der Bildungsarbeit.
- Die Integration südlicher Ansätze und Perspektiven.
FriEnt-Aktivitäten
Vor diesem Hintergrund möchte FriEnt den Austausch über die Erfahrungen, Herausforderungen und Potentiale der Zusammenarbeit staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure in der Bildungsarbeit und Friedensförderung in Konfliktkontexten fördern und unterstützen. Daher wird FriEnt die genannten Herausforderungen aufgreifen und mit unterschiedlichen Akteuren aus der praktischen Bildungs- und Friedensarbeit diskutieren.
