Die Rolle der Wirtschaft im nepalischen Friedensprozess

Bericht vom Nepal-Arbeitstreffen am 10. März 2011


Die Potentiale von Wirtschaftsakteuren für den Friedensprozess in Nepal waren das Thema eines weiteren Nepal-Arbeitstreffens Mitte März in Bonn.

 

Uttam Jha, Leiter des lokalen Sequa Teams im Rahmen des GIZ Programms “Inclusive Development of the Economy Programme” (INCLUDE), präsentierte die Rolle der lokalen Industrie- und Handelskammern. Ausgehend von der Analyse, dass begrenzte Wirtschaftsmöglichkeiten eine der Hauptursachen für den gewaltsamen Konflikt in Nepal sind, unterstützen die Kammern vor allem demobilisierte Jugendliche bei der Gründung kleiner Geschäfte und Unternehmen.

 

Die Initiative habe sich jedoch auch mit einer Reihe von Herausforderungen auseinanderzusetzen: So bilden die bisher benachteiligten Gruppen der Dalit und Madhesi auch eine Minderheit unter den geförderten Initiativen – während die Mehrheit der Zielgruppen bereits traditionell Zugang zu wirtschaftlichen Möglichkeiten habe. Zudem würden auch die Kammern mit Parteipolitik in Verbindung gebracht, was ihre Akzeptanz einschränke. Gleichzeitig drohe die Wirtschaftspolitik der Regierung die Erfolge auszuhebeln, da sie Kleinunternehmen kaum Entwicklungschancen gewähre. Uttam Jha sprach sich zuletzt für mehr Koordination mit anderen Initiativen – unter anderem der Zivilgesellschaft – aus.

 

Canan Guenduez, Mitarbeiterin des International Alert Programms “Stengthening the Economic Dimensions of Peace Building” erweiterte den Blick auf das Gesamtbild wirtschaftlicher Akteure und ihre Rollen und Herausforderungen. Generell könnten Wirtschaftsakteure einen Beitrag zur Friedenentwicklung in vier Feldern leisten. Diese betreffen Konfliktursachen, Herausforderungen im Bereich Sicherheit, bei Fragen sozialer Disparitäten sowie bei den politischen Aspekten von Friedensprozessen. In Nepal gäbe es für alle Aktionsfelder ein mehr oder weniger starkes Engagement seitens der Wirtschaft. Allerdings verfolgen die Wirtschaftsakteure ihrerseits sehr unterschiedliche Ziele – bis zu dem Punkt, dass einige auch vom status quo profitieren. Häufig bestehe zudem ein geringes Bewusstsein für die Prioritäten des Friedensprozesses und die eigenen Rollen und Optionen darin.

 

In der anschließenden Diskussion wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, auch die Bildungschancen zu verbessern, um die Grundlage für Eigeninitiative und wirtschaftlichen Erfolg zu bilden. Gleichzeitig wurde auf die weiterhin bestehenden feudalen Strukturen aufmerksam gemacht, die die grundlegenden sozialen Konflikte aufrechterhielten. Die Wirtschaftsakteure seien Teil dieses Systems. Es sei daher schwierig für sie, eine wirklich einflussreiche Rolle bei der Bearbeitung sozialer Differenzen einzunehmen. Eine wichtige Rolle in der weiteren Entwicklung wurde der Festlegung eines föderalen Systems durch die Verfassung zugeschrieben. Dies müsse dazu beitragen, dass jede Region ihre eigene Wirtschaftsentwicklung fördern könne.

 

Die am Arbeitstreffen beteiligten Organisationen fühlten sich durch die Präsenta-tionen und den Austausch bestärkt, die Rolle von Wirtschaftsakteuren in den Dialog mit ihren Partnern einzubringen und Verbindungen aufzunehmen. Das nächste Arbeitstreffen wird Mitte September stattfinden und sich nach Abschluss des verfassungsgebenden Prozesses an den dann anstehenden Herausforderungen orientieren.