Die EU, Frieden und Entwicklung
Relevante entwicklungs- und friedenspolitische Weichenstellungen erfolgen immer stärker auf internationaler Ebene. Ein zunehmend wichtiger Akteur ist hierbei die Europäische Union, die sich seit Mitte der 90er Jahre intensiv mit der Prävention und Bearbeitung von gewaltsamen Konflikten auseinandergesetzt und Krisenprävention mit dem Göteborger Programm von 2001 zum expliziten Ziel der EU-Außenbeziehungen erklärt hat. Eine bedeutende Rolle schreibt sie dabei der Entwicklungszusammenarbeit zu, die auf den Abbau struktureller Konfliktursachen und den Aufbau von Mechanismen des gewaltfreien Konfliktaustrags hinwirken soll. Wesentliche Grundlage hierfür ist das Cotonou-Abkommen zwischen der EU und der Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten (AKP-Staaten), das beide Seiten zur friedlichen Konfliktlösung verpflichtet.
Gleichzeitig verstärkt die EU mit dem weiteren Ausbau der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ihr Engagement im Bereich des operativen Krisenmanagements und baut ihre Kapazitäten im zivilen und militärischen Bereich aus. Im neuen Europäischen Auswärtigen Dienst werden die unterschiedlichen Politikbereiche und regionalen Kompetenzen gebündelt. Damit ergeben sich gleichzeitig Chancen und Herausforderung für die Verknüpfung von Europäischer Friedenspolitk und Entwicklungszusammenarbeit.
Entwicklungs- und friedenspolitische Organisationen stehen vor der Herausforderung, die komplexen Strukturen der EU und die häufig als intransparent wahrgenommenen Prozesse auf internationaler Ebene zu verfolgen und Handlungsoptionen für die eigene Arbeit zu identifizieren. Denn Reformen auf EU-Ebene und die Verlagerung von Entscheidungsprozessen werden auch die Rahmenbedingungen entwicklungspolitischer Friedensarbeit auf nationaler Ebene und vor Ort nachhaltig verändern. So sind unter anderem neue finanzielle EU-Instrumente in Kraft getreten, mit denen zivilgesellschaftliche Organisationen im Norden und im globalen Süden unterstützt werden können.
Aber auch die internationale Debatte um Geberharmonisierung und Effektivität der Entwicklungszusammenarbeit hat Auswirkungen auf die entwicklungspolitische Friedensarbeit von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. In der Pariser Erklärung zur Effektivität der Entwicklungszusammenarbeit kommen die unterzeichnenden Staaten überein, sich stärker in fragilen Situationen zu engagieren, ihre Anstrengungen stärker zu koordinieren und an die Systeme der Partnerländer anzupassen. Auch in diesem Diskurs spielt die EU eine wichtige Rolle. Sie hat sich eine ambitionierte Reformagenda gegeben und will als internationaler Vorreiter für die Wirksamkeit der Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit werben.
FriEnt-Aktivitäten
FriEnt unterstützt seine Mitglieder vor diesem Hintergrund, sich den Herausforderungen auf internationaler Ebene zu stellen und erarbeitet Handlungsoptionen für staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure. Im Mittelpunkt stehen dabei gemeinsame Lernprozesse und Wissensmanagement.
