"FriEnt ist mehr als die Summe seiner Teile"

Evaluierung der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung liegt vor

Welchen Nutzen ziehen die Mitglieder von FriEnt aus der Arbeitsgemeinschaft? Welche Themen und Regionen sind für sie relevant? Und wie stellen sie sich die zukünftige Zusammenarbeit vor? Diesen Fragen ging eine vom FriEnt-Lenkungsausschuss im Mai 2014 in Auftrag gegebene Evaluierung der Arbeitsgemeinschaft nach. Ziel war es, eine unabhängige Analyse der Ergebnisse und Wirkungen von FriEnt zu erhalten.  Nach einer umfangreichen Datenerhebungs- und Interviewphase haben die beiden Gutachterinnen Dr. Martina Fischer und Barbara Unger von der Berghof Foundation nun den Abschlussbericht vorgelegt.

Eines macht der Bericht deutlich: Mit FriEnt wurde ein auch im internationalen Vergleich einzigartiges Modell der Zusammenarbeit staatlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen geschaffen. Durch die kontinuierliche und institutionalisierte Form des Austausches und der Zusammenarbeit sind Vertrauen gewachsen, informelle Lernräume jenseits institutioneller Positionen entstanden und neue Zugänge zu unterschiedlichen Akteuren geschaffen worden. Das aus allen Mitgliedsorganisationen zusammengesetzte FriEnt-Team fungiert dabei als „Brückenbauer“ und Kompetenzpool. Informationen zu bündeln, regionale und thematische Expertise praxisnah zusammenzuführen und ein „out-of-the-box“-Denken zu ermöglichen wird von den Mitgliedern als besondere Stärke angesehen. 

Darüber hinaus, so die Gutachterinnen, hat FriEnt durch eine Vielzahl von Aktivitäten – darunter das neu etablierte FriEnt-Peacebuilding Forum – maßgeblich zur Sichtbarkeit des Themen- und Politikfeldes sowie zur Vernetzung mit internationalen Akteuren beigetragen.

So kommt der Bericht zu dem Schluss, dass Ziele, inhaltliche Schwerpunkte und die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft relevant sind und auch in Zukunft Bedeutung haben werden. Arbeits-, Interaktions- und Kommunikationsprozesse zwischen den beteiligten Akteuren der Arbeitsgemeinschaft sind gut etabliert und effizient, stellen aber aufgrund der spezifischen Struktur von FriEnt kontinuierliche Anforderungen an Lenkungsausschuss und Team. Angesichts einer Vielzahl von Themen und unterschiedlichen Bedarfen sowie nicht zuletzt wieder zunehmender Gewaltkonflikte werden das Management von Vielfalt sowie Flexibilität in der Kontinuität inhaltlicher Schwerpunkte als Herausforderungen identifiziert. Daher empfehlen die Gutachterinnen, die inhaltlich-strategische Ausrichtung, die Kommunikation zwischen den Mitgliedern und die Beteiligungsformen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft weiterzuentwickeln und dabei die Diversität der Mitgliedsorganisationen zu berücksichtigen.

Sie empfehlen außerdem, die größten Stärken von FriEnt auszubauen und neue Allianzen zu bilden, um ziviler Krisenprävention und Friedensförderung mehr Gewicht zu verleihen. FriEnt sei, so wie es anlässlich des 10jährigen Bestehens der Arbeitsgemeinschaft 2011 for-muliert wurde, „mehr als die Summe seiner Teile“, könne dies jedoch nur bleiben, wenn kontinuierlich weiter in die Stärkung dieser Kompetenz investiert wird.

Der FriEnt-Lenkungsausschuss wird sich gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen und dem FriEnt-Team in den kommenden Monaten über die Umsetzung der Empfehlungen beraten und Schritte zur strategischen Weiterentwicklung der Arbeitsgemeinschaft einleiten.

Download: Zusammenfassung der Ergebnisse und Empfehlungen der Evaluierung

Die vollständige Berichtsfassung kann im Sekretariat der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (brigitte.kirschner(at)frient.de) angefordert werden.

Zitate aus den Interviews 

„Es ist beachtlich, wie es FriEnt geschafft hat, die Fachgespräche zu Landrechten in Kambodscha zu moderieren; das war wirklich ein Mehrwert, den diese Gespräche geboten haben.“

„Bei FriEnt geht es erstmal um den Austausch von Ideen zu wichtigen und konfliktträchtigen Themen […] ohne dass man auf die Profilierung und Positionierung der eigenen Organisation achten muss.“

„Da kommen wirklich Personen mit Fachexpertise zusammen.“

„FriEnt agiert zudem erfolgreich als ‚neutraler broker‘ und Moderator – und bietet damit etwas an, was einzelne Mitgliedsorganisationen nicht anbieten könnten.“

„Lerngemeinschaft sollte noch vielmehr als Wechselbeziehung verstanden werden; es geht um eine stärkere Einbeziehung der Sichtweisen aus dem Süden.“

„FriEnt bietet wegen der guten Vernetzung der Mitgliedsorganisationen mit Partnern im Süden gute Voraussetzungen, veraltete Denkansätze zu hinterfragen und neue Lerngemeinschaften zu etablieren.“

„Im FriEnt-Team wird ‚out-of-the-box‘-Denken praktiziert; dieser Freiraum und die Art und Weise, wie er thematisch gefüllt wird und was er hervorbringt, bilden einen unverzichtbaren Mehrwert.“