Das große Land-´Grabschen`
Elfriede Schachner | Wiener Institut für internationalen Dialog und Zusammenarbeit (vidc) | 2010
Thema: Landkonflikte |
„Land Grabbing“ – harmlos ausgedrückt „ausländische Direktinvestitionen in die Landwirtschaft“ – ist kein neues Phänomen, doch angeheizt durch die Nahrungsmittel- und Finanzkrise 2008 hat sich eine neue Dynamik entwickelt: die Landnahme geht schneller und in viel größerem Ausmaß vor sich. Regierungen und der Privatsektor – multinationale Agrobusiness-Konzerne, Finanzinvestoren wie Hedgefonds- und Pensionsfonds – sind auf Einkaufstour in Afrika unterwegs.
Südkorea, China, Japan investieren in afrikanischen Ländern mit dem Ziel, den steigenden Nahrungsmittelbedarf der wachsenden Bevölkerung im eigenen Land abdecken zu können. Bahrain, Libyen, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien versuchen durch Landkauf, ihren begrenzten Wasser- und Landressourcen zu entgehen. Auch Industrieländer kaufen auswärts Land, um Anbauflächen für Ölpflanzen, Mais und Zuckerrohr zu gewinnen, die sie für die Herstellung von Agrotreibstoffen benötigen. Jene Länder, in denen Land gekauft und gepachtet wird, liegen vor allem in Afrika und Asien: Äthiopien, Sudan, Mali, Mosambik, Kenia, Mali, Sambia, Tansania, Philippinen, Pakistan etc. „Land Grabbing“ gibt es auch in der Russischen Föderation und der Ukraine.
IFPRI (International Food Policy Research Institute) schätzt, dass in den letzten beiden Jahren 20 Millionen Hektar afrikanischer Boden in 30 Ländern für 30-100 Jahre verpachtet oder verkauft worden sind. Das bedeutet in Geld ausgedrückt: 30 Milliarden US Dollar. GRAIN (eine NGO, die Kleinbauern in ihrem Kampf um gemeinschaftlich verwaltete Produktion von Nahrungsmitteln unterstützt) geht sogar davon aus, dass bereits 100 Milliarden Dollar dafür mobilisiert worden sind. Doch es ist schwierig, Zahlen nachzuprüfen, da es keinerlei Transparenz in den Verhandlungen gibt. Die Absprachen finden hinter verschlossenen Türen statt.
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