28-08-2017

GIZ | Privatwirtschaftsfördernde Maßnahmen sollten auch in anhaltenden Konfliktsituationen fortgeführt werden

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Anzahl an Konflikten konstant gestiegen. Derzeit leben rund 1,4 Milliarden Menschen und damit etwa 20 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, die von Krisen, Gewalt und staatlicher Fragilität (KGF) geprägt sind. Insbesondere ökonomische Aspekte von KGF gewannen in der Vergangenheit an Bedeutung, da wirtschaftliche Missstände in vielen Fällen als Auslöser oder Verstärker von Krisen gelten. Diverse Studien haben sich bereits mit der Privatwirtschaftsförderung (PWF) als entwicklungspolitische Maßnahme in KGF-Kontexten befasst.

Das Augenmerk lag hierbei bisweilen überwiegend auf Staaten, in welchen zwar keine akute Kriegssituation vorliegt, aber wirtschaftliche, politische und soziale Fragilität besteht (latenter Konflikt). Der gegenwärtige Forschungsstand zeigt Lücken, was die stabilisierende Wirkung von PWF in aktiven und andauernden Konfliktsituationen anbelangt. Das Diskussionspapier widmet sich diesem Thema: Es untersucht anhand von Fallbeispiele aus dem Jemen und den palästinensischen Gebieten konkrete PWF-Maßnahmen der GIZ in aktiven Konfliktregionen.

Das Papier argumentiert, dass PWF-Maßnahmen auch in anhaltenden Konfliktsituationen fortgeführt werden sollten, da durch das Ankurbeln der Wirtschaft neue Arbeitsplätze und Einkommensmöglichkeiten geschaffen werden, durch welche Ungleichheiten reduziert und Zukunftsperspektiven ermöglicht werden. Folglich können PWF-Maßnahmen einen aktiven Beitrag zur Friedensförderung leisten. Anhänger unterschiedlicher Konfliktparteien erlangen durch die Wiederaufnahme wirtschaftlicher Beziehungen gegenseitiges Vertrauen und entwickeln ein verstärktes Interesse an einer friedlichen Entwicklung.

Die Studie hebt jedoch auch hervor, dass eine erfolgreiche Umsetzung von PWF-Maßnahmen stark von sechs Bedingungen abhängt: Sie benötigt (1) ein intaktes und fortführendes Projektmanagement der ausführenden Institutionen (NROs, internationale Organisationen etc.), welches über ausreichende technische, finanzielle Kapazitäten und die nötigen Erfahrungen verfügt, die es erlauben, sich flexibel auf die Krisensituation einzustellen. (2) Eine realistische, fundierte Bewertung der Krise und deren mögliche Auswirkungen auf (a) die Umsetzung der PWF-Maßnahme und (b) die lokale Wirtschaft allgemein, durch welche sichergestellt werden kann, dass krisensensible Faktoren wie etwa besonders konfliktreiche Wirtschaftssektoren bei der Gestaltung der Maßnahme berücksichtigt werden. Da in den meisten Krisenländern keine legitimierte Regierung vorhanden ist, sollte von Aktivitäten auf der Makroebene abgesehen werden und vor allem (3) Mikro- und Mesoebene bedacht werden. Krisen bergen (4) Potenzial für die Aktivierung neuer Wirtschaftszweige, die zum Beispiel durch den Wegfall von Importen entstehen und sollten gezielt gefördert werden. Indem sie zum Wiederaufbau des Landes beitragen, können die hier tätigen (5) Unternehmen als friedensfördernde Akteure auftreten. Wirtschaftliche Entwicklungen können die Beilegung einer Krise vorantreiben, sie allein werden jedoch nicht ausreichen, um Frieden herbeizuführen, daher sollten stets weitere (6) nicht-wirtschaftliche friedensfördernden Maßnahmen mitbedacht werden.

Weitere Informationen:

Sebastian Gilcher, GIZ
sebastian.gilcher(at)giz.de

Links und Literatur:

Is there a Case for Private Sector Development Interventions in Contexts of Open and Sustained Violence?

Urs Schrade et al. | GIZ | 2017

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