Konfliktsensible Aspekte von Migration und Ressourcenmanagement
Bericht vom FriEnt-Workshop am 27. September 2010
Auf einem FriEnt-Workshop am 27. September kamen Wissenschaft und Praxis zusammen, um neue Migrationsformen vor dem Hintergrund von Landrechten, Klimawandel, natürlichen Ressourcen und Genderaspekten zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie mit unterschiedlichen Formen zunehmen-der Binnenmigration in Afrika konfliktsensibel umgegangen werden kann, und wie die damit verbundenen Konfliktpotentiale bearbeitet werden können.
In einem dreijährigen Forschungsprogramm widmen sich verschiedene afrikanische und europäische Forschungseinrichtungen unter Koordination der Universität Köln diesen Fragen. Insgesamt werden 15 Studien zu Kamerun, Tansania, Zimbabwe, Südafrika und Namibia erarbeitet und auch vor Ort diskutiert. Erste Datenerhebungen zeigen eine Zunahme ausschließlich ländlicher („rural-rural“) Migrationsbewegungen sowie in bestimmten Regionen Sub-Sahara-Afrikas aus den Städten zurück in ländliche Gebiete. Auch sei eine höhere Mobilität von Frauen zu beobachten. Eine Ursache der zunehmenden Migrationsbewegungen sehen die Forscher in knapper werdenden Ressourcen als erkennbare Folge des Klimawandels.
Erfahrungen aus der Praxis mit Entwicklungen in Nordkamerun bestätigen, dass Migrationsbewegungen ausgelöst durch Ressourcenknappheit die Konfliktträchtigkeit am Ankunftsort verstärken. Darüber hinaus könnten zunehmende internationale Direktinvestitionen in Land das Potential für neue Umsiedlungen und Vertreibungen erhöhen. Tiefgreifende Veränderungen für weite Teile der ländlichen Bevölkerung in Sub-Sahara-Afrika seien absehbar und benötigten langfristige Unterstützung.
Deutlich wurde auf dem Workshop formuliert, dass nachhaltiges Ressourcenmanagement nur erreicht werden kann, wenn Konfliktdimensionen erkannt und bearbeitet werden. Dafür spielen Governance-Strukturen auf lokaler Ebene eine zentrale Rolle. Die lokalen Institutionen bräuchten aber Unterstützung beim konfliktsensiblen Umgang mit Migranten und der lokalen Bevölkerung.
Die zunehmende Einwanderung in fruchtbare Gebiete erhöhe dort wiederum den Druck auf natürliche Ressourcen wie Land und Wasser. Auf die damit verbundenen Konfliktdynamiken seien die lokalen Institutionen zumeist unvorbereitet. Gleichzeitig ist Korruptionsanfälligkeit ein zentrales Problem. Nationale Agrarpolitiken sollten den Schutz der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zur Ernährungs- und Friedensicherung im Blick haben, andererseits aber auch Mobilität zulassen und Rahmenbedingungen für ein konstruktives Miteinander schaffen. Bei Agrar- und Landreformen sollten Prävention, Mediation und Konfliktbearbeitungsmechanismen eine größere Rolle einnehmen. Drei Bereiche waren dafür in der Diskussion von besonderer Relevanz:
1. Grenzüberschreitende Verbindungen zwischen Bevölkerungsgruppen und Ethnien sind wichtige Faktoren in der Überwindung von gegenseitigen Vorurteilen und identitätsbasierten Konflikten. Sie sollten wahrgenommen und verstärkt werden, vor allem wenn es bei grenzüberschreitender Mobilität um Integrationsfragen oder auch um die gemeinsame Nutzung natürlicher Ressourcen geht.
2. Genderspezifische Ansätze und Strategien müssten in alle Politikbereiche einfließen. Dabei gehe es auch darum, Sensibilitäten in Bezug auf unterschiedliche Rollenverständnisse und gesellschaftliche Zwänge zu stärken und damit Chancen für Krisenprävention und konstruktive Konfliktbearbeitung zu nutzen.
3. Beim Ressourcenmanagement von Land und auch landwirtschaftlichen Produk-tionsmitteln wie Vieh müssten auch die sozialen Dimensionen berücksichtigt werden und der Wert vor dem Hintergrund unterschiedlicher Hierarchien (Generationen, Nutzungssysteme, lokale Bevölkerung versus Zugezogene, Stammeshierarchien und ethnische Gruppen, Gender) analysiert werden. Traditionelle sowie lokale und neue Landnutzungssysteme müssten aufeinander bezogen werden.
