Wirkungsorientierung in der Friedensarbeit

Bericht vom FriEnt/KOFF-Workshop am 14. Mai 2012


Transparenz und Rechenschaftslegung haben sich in der Entwicklungszusammenarbeit in den letzten Jahren gewandelt. Standen früher eher die durchgeführten Aktivitäten im Zent-rum der Betrachtung, richtet sich das Augenmerk heute stärker auf Ergebnisorientierung. Die Frage nach den besonderen Herausforderungen und Ansätzen, die sich daraus für die Friedensarbeit, aber auch für die Arbeit in fragilen Situationen ergeben, waren der Ausgangspunkt für zwei Workshops in Bonn und in Bern, die FriEnt in Kooperation mit dem Schweizer Kompetenzzentrum Friedensförderung (KOFF) Mitte Mai durchgeführt hat.

In beiden Veranstaltungen kam ein breites Spektrum an Gebervertretern zu Wort, staatliche wie zivilgesellschaftliche, sowie Vertreter lokaler Organisationen. Sie konnten dafür jeweils auf eine große Bandbreite an Erfahrungen, teilweise bereits in umfangreichen Evaluierungen zusammengefasst, zurückgreifen. Eine Vertreterin von „Collaborative for Development Action“(CDA), stellte zudem die wichtigsten Ergebnisse aus ihrem Projekt „Reflecting on Peace Practice“ (RPP) vor, das auf der Basis zahlreicher Projekte acht „lessons learnt“ zur Wirksamkeit von Friedensprojekten erarbeitet hat.

Auch wenn die Akzente bei beiden Veranstaltungen unterschiedlich gelagert waren, kamen sehr ähnliche Punkte zur Sprache:

  • Institutionelles Lernen: Wenig von dem Vorgestellten ist tatsächlich neu – wie bringen die Organisationen ihre Erkenntnisse zur Anwendung? Wie können bereits bestehende Instrumente in den Organisationen konsequenter angewendet werden? Müssen andere Formen der Evaluierung erprobt werden, um Ergebnisorientierung sicher zu stellen?
  • Partnerbeziehungen: Ergebnisorientierung ist nicht nur eine Frage technischer Ansätze und Methoden, sondern auch von sozialen Beziehungen, einer „Lerngemeinschaft“ zwischen „Gebern“ und „Empfängern“. In der momentanen Debatte stehe aber vor allem der Aspekt der Kontrolle durch die Geldgeber im Vordergrund – kritisierten vor allem die Partnerorganisationen.
  • Methoden: Alle Evaluierungen betonten die Komplexität und nicht-lineare Entwicklung von Friedensprozessen bzw. Prozessen in fragilen Situationen. Dem werden gängige methodische Ansätze, wie Logframes, nur bedingt gerecht. Ansätze wie Szenarienentwicklung oder „Most Significant Change“ müssen viel bewusster in den Organisationen eingeübt und angewandt werden.

Insgesamt wurde deutlich, dass die spezifischen Herausforderungen für Ergebnisorientierung in fragilen Kontexten oder in der Friedens- und Konflikttransformationsarbeit nur unzureichend berücksichtigt werden: Was bedeutet es, in emotional und politisch aufgeladenen Bedingungen Situations- und Akteursanalysen zu erstellen? Wie können in diesen Kontexten Ziele klar und explizit formuliert werden und Aktivitäten und Akteure klar benannt werden?

Die Ergebnisse beider Veranstaltungen werden in einem gemeinsamen „issue paper“ zusammengebracht. Dies wird den Organisationen erlauben, die zentralen Fragen weiterzuverfolgen.

Links & Literatur:

Reflecting on Peace Practice
Collaborative for Development Action

Exploring the Science of Complexity
ODI Working Papers 285 | 2008

The Non-Linearity of Peace Processes – Theory and Practice of Systemic Conflict Transformation
Daniela Körppen, Norbert Ropers and Hans J. Giessmann (eds.) |2011