© GIZ / Dirk Ostermeier

Nepal

Seit dem Friedensschluss im November 2006 steht Nepal vor der Herausforderung umfassender politischer und gesellschaftlicher Transformation. Der zehn Jahre währende Bürgerkrieg um politische und wirtschaftliche Macht sowie gesellschaftliche Teilhabe zwischen König und Armee einerseits und den Maoisten andererseits hatte mehr als 12.000 Tote und zehntausend Flüchtlinge und im Land Vertriebene zur Folge. Das zwischen den Maoisten und der Sieben-Parteien-Allianz vereinbarte umfassende Friedensabkommen markierte das Ende des Bürgerkrieges und gab Hoffnung, dass nun die Ursachen der gewaltsamen Auseinandersetzungen auf friedlichem Wege bearbeitet und die begangenen Menschenrechtsverletzungen geahndet werden würden.

Der politische Prozess, der die Verabschiedung einer Verfassung durch eine vom Volk gewählte verfassungsgebende Versammlung vorsah, geriet jedoch immer wieder ins Stocken. So scheiterte die erste gewählte Versammlung im Mai 2012 und auch die zweite erzielte in den konfliktiven Punkten keine Lösung. Erst die beiden Erdbeben, die im April und Mai 2015 über acht Tausend Menschen das Leben kosteten und mehr als 500.000 Häuser zerstörte, erhöhte den Druck auf die Regierung und die Opposition, die Verfassungsfrage zu lösen. Sie einigten sich auf eine neue, in Teilen höchst umstrittene Verfassung. Mit den im Dezember 2017 abgeschlossenen Regional- und Provinzwahlen kann der Weg zu einem föderalen Staat gegangen werden.

Die strukturellen Konfliktursachen des Bürgerkriegs sind zehn Jahre nach Beendigung der gewaltsamen Auseinandersetzungen weiterhin aktuell. Auch heute gehört Nepal zu den ärmsten Ländern der Welt. Ein Großteil der armen Bevölkerung lebt in ländlichen, häufig schwer zugänglichen Regionen. Jedes Jahr verlassen über eine halbe Million junger Menschen Nepal auf der Suche nach Arbeit. Sowohl die Wiederaufbauarbeiten nach den verheerenden Erdbeben als auch der Prozess zur Aufarbeitung der Vergangenheit sind schleppend. Ob diese Nepal langfristig eine friedliche Zukunft bereiten werden, bleibt offen.

Diese Situation stellt entwicklungs- und friedenspolitische Organisationen vor zahlreiche Herausforderungen: Welches sind relevante Prozesse im Hinblick auf politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe, die von außen unterstützt werden können? Welche Akteure und Institutionen bieten sich dafür an? Welche internen Veränderungen können bei nepalesischen Organisationen und Institutionen begleitet werden?

Aktivitäten

FriEnt begleitet die von mehreren Organisationen der Entwicklungs- und Menschenrechtsarbeit initiierten Nepal-Arbeitstreffen und unterstützt die Mitglieder bei der Auswahl und Diskussion relevanter Themen.


Kontakt:

Sonja Vorwerk-Halve (sonja.vorwerk-halve(at)frient.de)

Erdbeben in Nepal – Konfliktsensible Herausforderungen

Tief erschüttert hat uns die Nachricht von dem Erdbeben in Nepal, welches insbesondere die Bevölkerung in den entlegenen Regionen des Landes getroffen hat. Katastrophen wie Erdbeben haben in der Vergangenheit in verschiedenen Ländern mit vergleichbaren Kontexten stattgefunden. In einem Webdossier weisen wir exemplarisch auf ausgewählte Literatur zum Kontext in Nepal und Lernerfahrungen für diese Herausforderungen hin.

Aktuelles

FriEnt-Rundtisch: Nepal auf dem Weg zum föderalen Staat – Reflektionen und Ausblicke für die Zusammenarbeit im Rahmen des FriEnt-Rundtisches

Am 7. Dezember war es soweit: Die Regional- und Provinzwahlen in Nepal waren abgeschlossen und der Weg zu einem föderalen Staat eingeschlagen. Mit dem...

FriEnt Nepal-Rundtisch in Kathmandu

Ein Workshop mit Wirkung?

Was hält bzw. bringt Nepal zusammen?

FriEnt-Rundtisch diskutiert Anknüpfungspunkte für die Unterstützung der nepalesischen Gesellschaft

Mitglieder Publikationen

German Contribution to the Peace Process in Nepal

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit | 2014

From Armed Conflict to Civilian Responsibility

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit | 2013

Conflict Transformation Through Theatre

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit | 2013