Seit Mitte der 90er Jahre arbeiten entwicklungs- und
friedenspolitische Organisationen zunehmend in Ländern, deren
Gesellschaften durch Krieg, Vertreibung, massive
Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen tief
fragmentiert und traumatisiert sind. Für einen Grossteil der
Menschen wirkt die erfahrene Gewalt direkt fort und ist Teil der
Gegenwart. Das Vertrauen in die Schutzfunktion des Staates ist
verloren, und meist sind die Kapazitäten staatlicher
Institutionen, Schutz und Rechtssicherheit für seine
Bevölkerung zu gewährleisten, minimal.
In diesem Kontext stehen staatliche wie nichtstaatliche Akteure
vor der Herausforderung,
- das Fortwirken der durch den Krieg geschaffenen Realität
sowohl auf individueller Ebene als auch auf gesellschaftlicher
und politischer Ebene zu durchbrechen,
- einen Beitrag zum Aufbau von Strukturen und Mechanismen
friedlicher Konfliktbearbeitung zu leisten und
- Vertrauensbildung, Koexistenz und einen langfristigen Prozess
der Versöhnung zu fördern
Es existiert eine große Vielfalt von Begriffen und damit
verbundenen Wertvorstellungen und Handlungsansätzen, z.B.
Vertrauensbildung, Koexistenz, Friedensförderung,
Vergangenheitsarbeit, Transitional Justice und Versöhnung. In
den vergangenen Jahren kristallisierten sich folgende Aspekte als
wichtige Bestandteile eines Vergangenheitsarbeit- und
Versöhnungsprozesses heraus:
- Die Wiederherstellung von Gerechtigkeit und Rechtssicherheit,
insbesondere für Opfer von Gewalt und
- Die Wahrheitsfindung bzw. die Aufarbeitung und öffentliche
Anerkennung des Geschehenen.
Der Begriff "Transitional Justice" orientiert sich an
diesen Elementen und setzt diese in konkrete Handlungsoptionen
um (z.B. Strafverfolgung, Reparation, Lustration,
Wahrheitskommissionen).
Gleichzeitig erwachsen aus den Forderungen nach
"Gerechtigkeit" und "Wahrheit" zahlreiche
Spannungsfelder, innerhalb deren entwicklungs- und
friedenspolitische Organisationen in der Realität agieren
müssen wie z.B.
- Formale Justiz / Strafgerichtsbarkeit vs. informelle
Konfliktbearbeitungsmechanismen,
- Wahrheitsfindung / Dokumentation vs. Erinnerungskultur und
Opferidentität in fragmentierten Gesellschaften,
- Täter-Opfer-Verhältnis und
- Demobilisierung und Amnestie vs. Strafverfolgung.
FriEnt-Aktivitäten
Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich die Aktivitäten
von FriEnt auf die Herausarbeitung existierender Spannungsfelder
sowie damit verbundener Herausforderungen und Handlungsoptionen
für staatliche und nichtstaatliche Akteure.
Bisherige Aktivitäten umfassen:
- Organisation von Workshops und Fachgesprächen
- Aufarbeitung von Erfahrungen
- Workshop-Dokumentationen und andere Publikationen
- Vernetzungsaktivitäten auf nationaler und internationaler
Ebene
- Qualifizierungsmaßnahmen und Einzelberatungen für
FriEnt-Mitgliedsorganisationen
Podiumsdiskussion zu Gerechtigkeit und Entwicklung nach Krieg
Bericht von der FriEnt Podiumsdiskussion am 28. Januar 2010
Internationale Konferenz zu Entwicklungszusammenarbeit und Transitional Justice
Bericht über die Konferenz vom 27. bis 28. Januar 2010
Einblicke in die psycho-soziale Arbeit mit Überlebenden des Khmer-Rouge Regimes
Bericht vom FriEnt-Arbeitsgespräch mit Theary Seng, (CSD) am 20. August 2009
Transitional Justice im zivilgesellschaftlichen Engagement für Menschenrechte
FriEnt-Beitrag zu der internationalen Konferenz Human Rights in Conflict – the Role of Civil Society
Die Arbeit von Vermisstenorganisationen als ein Element von Transitional Justice
Bericht vom FriEnt-Fachgespräch am 25. November 2008
Gedenken, Gedenkstätten und Museen - Erfahrungen und Perspektiven
Bericht vom FriEnt-Arbeitsgespräch mit Louis Bickford, ICTJ, am 23. Oktober 2008
Täter und Opfer im Fokus von Transitional Justice
Bericht vom FriEnt/KOFF- Workshops vom 12. bis 13. Februar 2008
Transitional Justice in DRC muss allumfassend gestaltet sein
Bericht der FriEnt/ÖNZ-Tagung vom 12. bis 14. März 2008
Internationale Konferenz in Nürnberg gibt Transitional Justice neue Dynamik
Bericht über die Konferenz vom 25.-27. Juni 2007
Aus erster Hand: Präsident des International Centers for Transitional Justice zu Gast bei FriEnt
Bericht vom FriEnt-Arbeitsgespräch am 8. März 2007
Transitional-Justice in Kambodscha
Bericht vom FriEnt-Rundtisch am 27. April 2006
Praxisorientierte Leitfäden und gemeinsame Erfahrungsauswertung
Bericht vom FriEnt-Arbeitsgespräch zu Transitional Justice am 26. Januar 2006
FriEnt-Publikationen
Keynote Speech: Linking Transitional Justice and Development
FriEnt Panel Discussion on Justice and Development after War Juan E. Méndez | 2010
Engaging with Victims and Perpetrators in Transitional Justice and Peace Building Processes
Dokumentation des Internationalen Workshops, 12. - 13. Februar 2008 FriEnt | 2008
Transitional Justice in the Democratic Republic of Congo
Dokumentation OENZ/FriEnt-Tagung, 12.-14. März 2008 OENZ/FriEnt | 2008
Development and Legitimacy in Transitional Justice
Report from Workshops at the Conference ´Building a Future on Peace and Justice` Susanne Reiff, Sylvia Servaes, Natascha Zupan | FriEnt | 2007
Transitional Justice & Dealing with the Past
FriEnt Guidance Paper Natascha Zupan and Sylvia Servaes | FriEnt | 2007
Transitional Justice
FriEnt-Leitfaden Natascha Zupan und Sylvia Servaes | FriEnt | 2007
For the Sake of Peace …Transitional Justice as a Field of Development-oriented Peace Work
Frient-Briefing 4/2005 - English version Sylvia Servaes and Natascha Zupan | FriEnt | 2006
Um des lieben Friedens willen...
FriEnt-Briefing 4/2005 zu Transitional Justice Sylvia Servaes und Natascha Zupan | FriEnt | 2005
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