Soziale Inklusion in Nepal: Zwischen Bagatellisierung und Schlüssel zum Frieden

Gemeinsamer Workshop von FriEnt und dem Nepal Dialogforum

Soziale Inklusion benachteiligter Gruppen war bereits zu Beginn des Bürgerkriegs 1996 eine zentrale Forderung der Communist Party of Nepal (Maoist), CPN (M), und wurde 2006 als eine wesentliche Vereinbarung in das Comprehensive Peace Agreement (CPA) zwischen CPN (M) und der nepalischen Regierung aufgenommen. Auch die 2015 verabschiedete Verfassung Nepals misst sozialer Inklusion und Gerechtigkeit in der Präambel einen hohen Stellenwert bei. Dennoch sieht die Realität für viele benachteiligte Gruppen heute nicht wesentlich besser aus als vor 20 Jahren. Zuletzt forderten im Sommer 2015 zahlreiche Menschen in der Terai-Tiefebene mit Protesten und Streiks eine stärkere Beteiligung und Teilhabe.

Grund genug für das Nepal Dialogforum und FriEnt sich dem Thema zu widmen und zu einem Workshop am 29. Juli nach Berlin einzuladen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern ihrer Mitgliedsorganisationen und Gästen aus Nepal und der Schweiz diskutierten die Teilnehmenden Herausforderungen und Lernerfahrungen bei der Implementierung von sozialer Inklusion.

Einig waren sich die Teilnehmenden, dass soziale Inklusion in Nepal weiterhin ein Schlüsselelement für nachhaltigen Frieden ist und als zentrales Thema in allen Politik- und Handlungsfeldern umgesetzt und nachgehalten werden müsse. Aber wie kann soziale Inklusion gefördert werden und benachteiligte Gruppe wirksam Einfluss nehmen – ohne Konfliktlinien zu stärken?

Die vielfältigen, teils gehäuft auftretenden Formen sozialer und ökonomischer Exklusion, sei es aufgrund des Geschlechts, der Religion, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kaste, sozialen oder ethnischen Gruppe oder auch der geographischen Verortung bergen zahlreiche Herausforderungen. Darüber hinaus findet soziale Exklusion häufig auch passiv, in informellen oder nicht-anerkannten Sektoren und Bereichen statt und gilt nicht für alle Angehörigen einer sozialen Gruppe in gleicher Weise. Als hilfreich hat sich in diesem Kontext der Zuwachs an wissenschaftlichen Studien und Expertise herausgestellt, die bereits in vielen Bereichen Orientierung bieten. Dennoch waren sich die Expertinnen und Experten einig, dass die Strukturen der Exklusion in jedem Kontext spezifisch und unter Beteiligung der lokalen Bevölkerung betrachtet werden müssen, dass Wissen geteilt und stärker zusammengearbeitet werden sollte.

Gleichzeitig erschweren Kontextfaktoren wie Abhängigkeits- und Patronagestrukturen die Umsetzung sozialer Inklusion. Um dem zu begegnen, hat sich der Aufbau von Partnerschaften zwischen dominanten und benachteiligten Gruppen als sinnvoll erwiesen. Dies könne nur gelingen, wenn lokalen Eliten ihre Angst genommen würde, durch die Implementierung sozialer Inklusion Macht einzubüßen. Der Gewinn („buy-in“) lokaler Eliten und Medien, insbesondere auch durch informellen Dialog, könne Prozesse begünstigen und den gegenwärtigen von den nepalischen Gästen wahrgenommenen Trend zur Bagatellisierung von sozialer Inklusion entgegenwirken.

Die Gesprächsrunde war sich einig, dass soziale Inklusion ein langes und ernstgemeintes Engagement auch von externen Akteuren verlangt und Zusammenarbeit zum Thema stärker gefördert werden müsse. Dies solle die Verpflichtung beinhalten, sowohl auf politischer als auch auf Umsetzungsebene, und gemeinsam mit Partnern realistische, aber ambitionierte und strategische Ziele zu setzen, diese mit Nachdruck zu verfolgen und nachzuhalten. Dies gelte auch bei der Partnerwahl sowie für die (Partner-)Organisationen selbst und müsse sich in einem entsprechenden inklusiven Personalkonzept widerspiegeln. Ein ambitionierter, aber unausweichlicher Anspruch, wenn soziale Inklusion zum nachhaltigen Frieden in Nepal beitragen soll. Weitere Diskussionspunkte sind in der Dokumentation des Workshops zusammengefasst.

Weitere Informationen:

Birgit Felleisen, Nepal Dialogforum
koordination@nepal-dialogforum.de

Sonja Vorwerk-Halve, FriEnt
sonja.vorwerk-halve@frient.de

Links & Literatur:

Workshop-Dokumentation

Can Inclusive Peace Processes Work? New Evidences From a Multi-year Research Project
The Graduate Institute Geneva | Paffenholz |2015

Inclusive Peace and Transition Initiative, The Graduate Institute Geneva