FriEnt Peacebuilding Forum 2018: Von global zu lokal – und wieder zurück! Friedensförderung gemeinsam stärken oder „Embrace the messiness“

Vom 13. bis 14. Juni fand in Berlin das vierte FriEnt Peacebuilding Forum statt. „Connect – Reflect – Create: Enhancing Peacebuilding together“: Der Titel des diesjährigen Forums wurde von den 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus über 30 Ländern und internationalen Organisationen mit Leben gefüllt. In Workshops, interaktiven Dialogen und Panels diskutierten, reflektierten und kreierten die Vertreterinnen und Vertreter aus Staat, Zivilgesellschaft und Wissenschaft gemeinsam, um Friedensförderung in einer unsicherer und unübersichtlicher werdenden Welt weiterzuentwickeln und zu stärken.

Einen Ausgangspunkt bildete die Frage, was die neuen Rahmenwerke für Friedensförderung – insbesondere die Agenda 2030 mit ihrem Ziel 16 zu friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften sowie die UN Sustaining Peace Resolutionen – konkret zur Stärkung und Verbesserung von Friedensarbeit im lokalen Kontext beitragen können. Schnell wurde in der Diskussion mit Lesley Connolly (International Peace Institute), Harriet Lamb (International Alert), Sara Sekkenes (UNDP) und Nina Tsikhistavi-Khutsishvili (International Center on Conflict and Negotiation) deutlich, dass die internationalen Rahmenwerke die richtige Richtung vorgeben. So müssten Anstrengungen zur Friedensförderung lokal gesteuert, regional verankert und international in koordinierter Weise unterstützt werden. 

Allerdings wurde auch schnell klar, dass wir uns derzeit an einem kritischen Moment befinden, um die Rhetorik in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Denn angesichts steigender Polarisierung, zunehmenden Angriffen auf das multilaterale System und veränderten Konflikt- und Gewaltdynamiken steht die lokale Umsetzung internationaler Agenden vor großen Herausforderungen. Trotz der Sorgen angesichts der derzeitigen Situation, entwickelten die Teilnehmenden kreative Antworten. Hierzu gehörte unter anderem die Gestaltung inklusiver Partnerschaften. Angesichts vielschichtiger und miteinander verbundener Probleme stoßen isolierte Maßnahmen einzelner Akteure schnell an ihre Grenzen. Inklusive Partnerschaften, die die eigenständige Rolle lokaler Akteure anerkennen, müssen gestärkt werden, um damit auch dem globalen Trend des sinkenden Handlungsspielraums der Zivilgesellschaft entgegenwirken zu können.

Reflect

Auch in der Plenardiskussion am zweiten Tag zum Thema: "Breaking Silos: A new movement for prevention?" sprach David Steven (Center for International Cooperation, New York University) über die Notwendigkeit, institutionen- und sektorenübergreifende Ansätze für erfolgreiche Präventionsarbeit zu finden. Emma Leslie (Centre für Peace and Conflict Studies, Kambodscha) skizzierte Dilemmata und Möglichkeiten, "Silodenken" zu überwinden, am Beispiel ihrer Arbeit in Asien und in der Pazifikregion. Graeme Simpson (Interpeace) stellte die Ergebnisse des Fortschrittsberichts der UN-Sicherheitsratsresolution 2250 "Youth, Peace and Security" vor, die zahlreiche Vorurteile und Annahmen über Jugendgewalt und Radikalisierung hinterfragt und den friedensfördernden Potenzialen junger Menschen nachspürt.

Create

17 Workshops wurden auf dem Forum von den FriEnt-Mitgliedern und internationalen Partnern angeboten. Was funktioniert in der Friedensförderung? Welche Antworten haben wir auf Gewalttrends? Welche neuen Ideen und Ansätze helfen uns dabei? Was sind die Herausforderungen in bestimmten Konfliktregionen? Wo sind politische Herausforderungen in Deutschland und Europa? So vielfältig die Fragen und Themen der Sessions auch waren, immer waren sie unter der Prämisse gestaltet, Silos zu überwinden und unterschiedliche Akteursgruppen miteinander ins Gespräch zu bringen. Denn dies, so David Steven, sei eine der Grundvoraussetzung für die Bewältigung komplexer Herausforderungen.

Embrace the messiness

Dies wurde auch in der Abschlussrunde mit allen Teilnehmenden hervorgehoben: „Embrace the messiness“ war die Botschaft der Expertinnen und Experten auf dem FriEnt Peacebuilding Forum. Die Komplexität nicht nur anzuerkennen, sondern darin gezielt nach Ansatzpunkten für Prävention und Friedensförderung zu suchen. Starke, inklusive Partnerschaften helfen dabei, lokale und internationale Expertise zusammenzubringen, Analysen zu verbessern und die richtigen Strategien und Ansätze zu identifizieren, um in unübersichtlichen und unvorhersehbaren Situationen zur Friedensförderung beitragen zu können.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Mitgliedern und internationalen Partnern für ihr Engagement zur Gestaltung des FriEnt Peacebuilding Forums! Ausführliche Einblicke in die Veranstaltung wird in Kürze eine englischsprachige Dokumentation der einzelnen Panels und Workshops auf unserer Homepage bieten.

Nach dem FriEnt PBF ist vor dem FriEnt PBF. Deswegen begleitet uns der FriEnt PBF Voices Blog auch weiterhin. Wir haben mit acht internationalen Expert/innen über ihre Perspektiven zu sustaining peace gesprochen und die Videos nun veröffentlicht. Darüber hinaus haben wir - frei nach dem Motto connect-reflect-create - einige Teilnehmende gebeten, über Kernpunkte des Forums zu reflektieren und auf die Zukunft der Friedensförderung zu schauen. Wie sollte Friedensförderung in 2030 aussehen? Gemeinsam wollen wir von unterschiedlichen Perspektiven lernen und uns fragen, wie wir Innovation im Themenfeld beschleunigen und unsere gemeinsame Wirkung im Politikfeld stärken können.