Herausforderungen bei der Umsetzung von Konfliktsensibilität

Schon vor geraumer Zeit hat FriEnt eine nichtrepräsentative Umfrage zu Ansätzen der Konfliktsensibilität und Herausforderungen bei der Umsetzung unter seinen Mitgliedsorganisationen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Umfrage bildeten nun die Basis für einen Austausch, zu dem sich Ende Mai fünfzehn Vertreter/innen aus den FriEnt-Mitgliedsorganisationen trafen. „Wo stehen wir mit Konfliktsensibilität?“ lautete dabei die zentrale Frage.

Die Ergebnisse der Umfrage deuten darauf hin, dass es für eine erfolgreiche Umsetzung in den Häusern und mit den jeweiligen Partnern noch weiterer Schritte bedarf, um Konfliktsensibilität zu stärken. Die von den Gebern vorgegebenen Rahmenbedingungen und Anforderungen gegenüber ihren Partnern und Auftragnehmern erschweren bzw. beschränken weiterhin flexible Anpassungsstrategien angesichts der sich schnell ändernden Konfliktkontexte. Fortbildungsbedarfe in Methodik und Erfahrungsaustausche, auch in den FriEnt-Mitgliedsorganisationen, stellen aufgrund von Zeitdruck und steigenden Anforderungen ebenfalls eine große Herausforderung dar. Im Bereich Menschrechtsarbeit und Advocacy wurde Konfliktsensibilität als besonders wichtig angesehen; dies gilt vor dem Hintergrund sinkender Handlungsspielräume für zivilgesellschaftliche Akteure auch für den persönlichen und institutionellen Schutz von lokalen Partnern.

Die Teilnehmenden diskutierten auf dieser Grundlage über Potentiale und Grenzen von Instrumenten wie Do no Harm und Peace and Conflict Impact Assessments. Sie tauschten sich zu erfolgreichen Beispielen aus und debattierten über Grundverständnisse hinsichtlich grundlegender Begrifflichkeiten sowie über die Einordnung von ‚Working IN‘ und ‚Working ON Conflict‘, also die Arbeit in und oder an Konflikten. Deutlich wurde, dass für das ‚Mainstreaming‘ von Konfliktsensibilität, bzw. eines Instrumentes wie Do no Harm, immer wieder auf eine verbesserte Praxis innerhalb von Organisationen als auch auf individuelle Sensibilisierung abgezielt werden muss. Dies sei, gerade auch vor dem Hintergrund der Leitlinien der Bundesregierung „Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“ eine Aufgabe für alle Ressorts und sollte in die zu entwickelnden Friedensverträglichkeitsprüfungen einfließen. Zudem sei national wie international Netzwerkarbeit auf allen Ebenen zu fördern, sowohl durch finanzielle Unterstützung als auch durch die Schaffung von Räumen für Austausch und Reflexion.

Abschließend waren sich die Teilnehmenden einig, dass eine Weiterarbeit zum Thema Konfliktsensibilität/Do no Harm anhand von konkreten Beispielen und Kontexten, die gemeinsam von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen begleitet werden, wichtig wäre, um gemeinsam zu lernen und mit Herausforderungen in der Umsetzung besser umgehen zu können. Darüber hinaus könnte ein erweiterter Erfahrungsaustausch auch für die Entwicklung des Praxisleitfadens im Rahmen der Leitlinien genutzt werden.