FriEnt Side-Event zu Land und Gewaltprävention auf dem High Level Political Forum in New York

Vom 9. Bis 18. Juli fand das diesjährige Hochrangige Politische Forum der Vereinten Nationen (High Level Political Forum, HLPF) in New York statt. Ziel des Forums ist es, jährlich die Umsetzung der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung und ihrer 17 Ziele (SDGs) zu überprüfen. In diesem Jahr stand erstmalig die Überprüfung von SDG 16 (friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften) an. FriEnt hat die Gelegenheit genutzt und bei einem Side-Event in der deutschen Vertretung die enge Verknüpfung von SDG 16 mit Land und Geschlechtergerechtigkeit thematisiert.

Mit dem integrierten Ansatz der Agenda 2030, der die Querverbindungen zwischen einzelnen Zielen anerkennt, kommen noch häufig unterbelichtete Wechselwirkungen und Synergien von Frieden und nachhaltiger Entwicklung in den Fokus. Vielfach fehlen in den Diskussionen beim HLPF jedoch Beispiele von lokalen Akteuren, wie dieser ambitionierte Anspruch in der Praxis tatsächlich erfüllt werden kann. Das FriEnt Side-Event hat daher inspirierende Lösungsansätze zur integrierten und inklusiven Umsetzung von Zielen für Frieden, Land und Geschlechtergerechtigkeit ins Zentrum gerückt. Gleichzeitig ging es in der Diskussion darum, welche Schritte auf globaler und nationaler Ebene notwendig sind, um eine integrierte Umsetzung voranzutreiben. 

Der deutsche UN-Botschafter Dr. Christoph Heusgen hob in seiner Begrüßung den hohen Stellenwert der Prävention von weltweit zunehmenden Gewaltkonflikten und die Rolle von Frauen darin hervor. Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass die Verabschiedung der Agenda 2030 vor vier Jahren ein Hoffnungszeichen gesetzt habe, aber dass die Weltgemeinschaft drohe, die Ziele der Agenda bis 2030 nicht zu erreichen. Die Umsetzung der SDGs brauche somit deutlich mehr Engagement. Dies gelte insbesondere für SDG 16 sowie damit in Zusammenhang stehender andere SDGs – wie jene zu Land, Gender und Gewaltprävention. 

Gerade hier fehle es an sektorübergreifenden Ansätzen, die Land- und Ressourcenkonflikte als Kern gewalttätiger Auseinandersetzungen im globalen Süden anerkennen und mit gewaltpräventiven Maßnahmen verbinden. Gendergerechtigkeit und inklusive soziale wie ökonomische Entwicklung, die niemanden zurücklässt, sind für Maria Flachsbarth von zentraler Bedeutung für Frieden und nachhaltige Entwicklung und damit für die Umsetzung der Agenda 2030. Ein vertiefter globaler Dialog zum Thema Land und landbezogenen Konflikten in Verbindung mit Gender, Frieden und Gerechtigkeit sei nötig – nicht zuletzt um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. 

Um diesen Dialog zu fördern, hat FriEnt das Dossier „Land and Conflict Prevention – How integrated solutions can help achieve the Sustainable Development Goals“ erarbeitet. Es beinhaltet 16 Fallstudien zu 22 Ländern und fragt nach positiven Beispielen, in denen die Eskalation von Konflikten um Land und natürliche Ressourcen erfolgreich verhindert werden konnte. Drei der Autor*innen präsentierten auf dem Side-Event in New York ihre Arbeit und ihre Lösungsansätze.

Kristina von Stosch vom Zivilen Friedensdienst der GIZ in Bolivien stellte ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit indigenen Gruppen vor und wie Naturschutz und nachhaltige Nutzung der Ressourcen durch lokale Bevölkerungsgruppen in Einklang zu bringen sind. Sie erläuterte, wie diese Gruppen dabei unterstützt werden können, an langfristigen Land- und Ressourcennutzungsplänen beteiligt zu werden, ihre Interessen gegenüber Unternehmen zu vertreten und konstruktiv mit lokalen Behörden zusammenarbeiten zu können und wie Gewalt im Konflikt um Land und Ressourcen durch diese Mitbestimmung und Teilhabe verhindert werden kann. „Niemanden zurücklassen“ – ein Kernprinzip der Agenda 2030 – wird so im lokalen Kontext umgesetzt.

Rowshan Jahan Moni von der Association for Land Reform and Development (ALRD) aus Bangladesch stellte dar, wir der erfolgreiche Einsatz zivilgesellschaftlicher Netzwerke für die Umsetzung eines lange existierenden Landgesetzes und Rückgabe konfizierter Landflächen an benachteiligte Gruppen Gewalt verhindert und friedliches Zusammenleben ermöglicht hat. Santigie Sessay vom Sierra Leone Network on the Right to Food (SiLNoRF) führte aus, dass die Gewalt entlang großflächiger Landinvestitionen und industrieller Agrarproduktion erfolgreich durch Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sowie aktive Mediation in Konflikten eingedämmt und gemeinsame Lösungswege erarbeitet werden können. 

Die Einbeziehung von Frauen und Jugendlichen sowie die Einhaltung menschenrechtlicher Verpflichtungen spielten in allen Fällen eine zentrale Rolle. Dies verdeutlichte die Notwendigkeit der Verknüpfung von Frauen- und landbezogenen SDGs und Unterzielen mit SDG 16 in allen Dimensionen, um zur Erreichung der Agenda 2030 beizutragen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Barrie Freeman, Vize-Direktorin des UN Peacebuilding Support Office und Dr. Helder da Costa, Generalsekretär des g7+-Sekretariats, wurde betont, dass weiterer Austausch und Dialog zur Verbreitung erfolgreicher Beispiele von hoher Bedeutung sei. Auf UN-Ebene sei die Verbindung von Land und Gewaltprävention durch die UN-Guidance Note des UN-Generalsekretärs Antonio Guterrez aktuell sehr hoch auf der Agenda und eine Aufgabe für die Umsetzung in allen UN-Institutionen. Auch für die Gruppe der von Konflikten und Fragilität betroffenen Staaten (g7+) seien die über das FriEnt-Dossier gesammelten Erfahrungen und das integrierte Zusammenwirken verschiedener SDGs von hoher Relevanz und weiterer Erfahrungsaustausch und Dialog im Sinne der Agenda 2030 weiter zu verfolgen.

Das FriEnt-Dossier wurde einem breiten Publikum von über 70 Teilnehmenden vorgestellt und stieß auf große Resonanz. Im FriEnt Impuls-Artikel 07/2019 von Marc Baxmann und Caroline Kruckow findet sich dazu eine ausführliche Zusammenfassung. 

Bei weiteren Fragen können Sie sich gerne direkt an Marc Baxmann (Marc.Baxmann@frient.de) und Caroline Kruckow (Caroline.Kruckow@frient.de) wenden. 


Weiterführende Informationen:

Caroline Kruckow
caroline.kruckow@frient.de

Marc Baxmann
marc.baxmann@frient.de 

Links und Literatur:

Land and Conflict Prevention – How integrated solutions can help achieve the Sustainable Development Goals
FriEnt Dossier | Juli 2019

Accelerating joined-up implementation of SDG 16, gender and land related goals
Marc Baxmann und Caroline Kruckow | Impuls-Artikel | FriEnt Juli 2019