Aktuelle Herausforderungen für Friedensförderung gemeinsam angehen: Vernetzung mit International Alert gestärkt

Vor welchen aktuellen Herausforderungen stehen Akteure der Friedensförderung? Welche internationale Rolle sollte Deutschland für friedliche, inklusive und gerechte Gesellschaften spielen? Was würde der Brexit für das britische und europäische Engagement für Friedensförderung bedeuten? Große Fragen standen im Mittelpunkt eines Kamingesprächs mit Harriet Lamb, Direktorin der britischen NGO International Alert, am Vorabend der FriEnt-Strategieklausur am 25. Februar.

Im informellen Gespräch mit dem FriEnt Co-Vorsitzenden Michael Hippler, Misereor, forderte Harriet Lamb eine aktive Rolle Deutschlands für Friedensförderung und Krisenprävention. Gerade in der herausfordernden weltpolitischen Lage, mit einer Zunahme an gewaltsamen Konflikten und einem erodierenden Multilateralismus, sei Deutschland im Verbund mit Europa als Champion für Friedenspolitik und Prävention mehr denn je gefragt.

Akteure der Friedensförderung müssten ihrerseits aus ihrer Komfortzone heraustreten, ungewöhnliche Allianzen auf nationaler und internationaler Ebene eingehen und gemeinsame Botschaften offensiv und selbstbewusst in den politischen Dialog einbringen. Harriet Lamb wies in diesem Zusammenhang auf Studien hin, die größere Veränderungen für die politische und finanzielle Unterstützung von Friedensförderung in Europa und weltweit feststellen. Eine Antwort darauf könne lauten, den globalen Dialog zu Krisenprävention und Friedensförderung neu zu beleben und zu gestalten.

Einige Beispiele für die strategischen Antworten seitens International Alert auf die skizzierten Herausforderungen stellte Julian Egan, Head of Advocacy bei International Alert, bei einem FriEnt-Gespräch am 13. März vor. Im ersten Teil des Austauschs fasste Egan die Ergebnisse der Peace Perception Poll 2018 zusammen (siehe hierzu auch den Bericht der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung in dieser Ausgabe der FriEnt-Impulse). Die Umfrage sei ein wichtiger Baustein, um die Perspektiven der Menschen in den politischen Dialog einzubringen. Sie zeige beispielsweise, dass Menschen in „friedlichen Ländern“ – allen voran in Großbritannien – pessimistischer über die zukünftige Entwicklung von Frieden und Sicherheit sind, als jene in von Gewalt gebeutelten Ländern wie Syrien. Fehlende Jobs, geringe Einkommen und soziale Ungerechtigkeit sind für die Befragten wichtigste Quellen von Gewalt.

Ziel der Umfrage und weiterer Aktivitäten sei es, den Stellenwert von Krisenprävention und Friedensförderung in der internationalen Zusammenarbeit, aber auch in anderen Politikfeldern, zu erhöhen. Eine zentrale Herausforderung sei dabei, dass es auf internationaler Ebene an einer etablierten Community mangele. Hier setze eine neue globale Koalition von Friedensorganisationen an, die von International Alert mitbegründet wurde und die derzeit gemeinsame Advocacy-Maßnahmen plant. Außerdem sei es angesichts akuter Krisen schwierig, die notwendige Aufmerksamkeit für langfristige Ansätze der Friedensförderung zu erlangen. Hier könnten existierende politische Prozesse (z.b. die SDGs) stärker genutzt werden und friedenspolitische Expertise in andere Diskurse (Stadtentwicklung, Privatwirtschaftsförderung oder Digitalisierung) eingebracht werden.


Weitere Informationen:

Marc Baxmann, FriEnt
marc.baxmann(at)frient.de

Links und Literatur:

Peace Perception Poll 2018

+Peace Coalition