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Literaturhinweise
Power, Peace and Place: Why firms account for their action

Phil Champain I International Alert I 2020

Business and peace - it takes two to tango

Markus Mayer, Ben Miller, Kathryn Nwajiaku-Dahou, with contribution from Johannes Schreuder | CDA Collaborative Learning, FriEnt, International Alert | November 2020

Theorizing MSMEs in contexts of urban violence

Brian Ganson and Kristian Hoelscher I PRIO I 2021

Business as Usual ist keine Option

Publikation „Business and Peace – It takes two to tango“
25. Februar 2021
Buffik I Pixabay

Wie können lokale kleinste und mittelständische Unternehmen in fragilen und konfliktbeladenen Kontexten zu gesellschaftlichem Frieden beitragen? Und unter welchen Bedingungen wirken Wirtschaftsförderungsprogramme friedensfördernd? Dieser Frage widmete sich ein Workshop von FriEnt, CDA und International Alert.

FriEnt, Collaborative Learning (CDA), und International Alert (IA) hatten 31 Expert*innen aus staatlichen und nichtstaatlichen deutschen und internationalen Institutionen, Wissenschaft und Think Tanks zu einem Workshop eingeladen. Die Teilnehmenden tauschten sich darüber aus, wie lokale kleinste und mittelständische Unternehmen (KMU) in fragilen und konfliktbeladenen Kontexten zu gesellschaftlichem Frieden beitragen können. Daneben diskutierten sie, was Geber und finanzierende Institutionen tun könnten oder besser machen sollten, um in ihren Wirtschaftsförderungsprogrammen positive Wirkungen für den Frieden zu erzielen. Klare Botschaft: „Business as usual“ ist keine Option. Es muss sich in der Haltung der Akteure und in den Förderpolitiken Grundlegendes ändern, wenn lokale Kleinproduzent*innen zu mehr Frieden beitragen sowie Gewalt und Menschenrechts-Verletzungen abgebaut werden sollen. Die Corona-Pandemie hat die Probleme verschärft. Die Gewalt nimmt zu und lokale Unternehmen sind in Bedrängnis. Die Notwendigkeit dazu, Gewalt zu verhindern und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen, ist gerade jetzt besonders groß.

Die positiven Wirkungen entstehen nicht automatisch

Beispiele aus vielen Ländern machten deutlich, wie Vernetzung und Multistakeholderansätze, Dialog mit Unternehmen und Beratung funktionieren und bei der Überwindung bestimmter Konflikte helfen können. Darunter waren Good Practices aus den Philippinen, Nepal, Sri Lanka und Georgien, aber auch aus Uganda, dem südlichen Afrika sowie Kolumbien, Honduras, El Salvador. Sie illustrierten die Vielschichtigkeit der Methoden und Potentiale, die lokale Kleinunternehmen haben, um zu sozialer Kohäsion, Zusammenarbeit verschiedener Gruppen, Stabilisierung und Abbau struktureller Gewalt beizutragen. Aber diese Wirkungen entstehen nicht automatisch, sondern müssen dezidiert adressiert und gemeinsam erarbeitet werden. Viele Kleinunternehmen interessieren sich für Beratung und Training zu Konfliktsensibilität, weil es ihnen selbst nutzt. Ein sehr differenzierter Blick ist nötig, um die lokalen Bedingungen und jeweilige Motivation der Akteure zu erkennen. Nur so können Außenstehende verstehen, wie sie die Entwicklung in eine bestimmte Richtung angemessen unterstützen können. In fragilen und Konfliktkontexten müssen auch der informelle Sektor und der Bereich der Schattenwirtschaft sehr genau analysiert und differenziert betrachtet werden. Diese müssen Ansätze externer Förderung in adäquater Weise adressieren, denn der Bereich hat einen starken Einfluss auf die gesellschaftlichen Realitäten und Friedenspotentiale vor Ort. Nicht immer und überall ist ‚Stabilisierung‘ das Rezept für Frieden: Staatliche Ordnung und Regelungen werden nicht überall positiv und friedensfördernd wahrgenommen, sondern in vielen Kontexten mit struktureller Gewalt gleichgesetzt. Dagegen messen die Menschen vor Ort dem informellen Sektor und Grauzonen wirtschaftlicher Aktivitäten mehr Legitimität zu. Hier wirkt soziale Kontrolle aus lokaler Perspektive heraus. Der informelle Sektor hat damit eine wichtige Funktion für die soziale Kohäsion und das friedliche Zusammenleben von Personen und Gemeinschaften vor Ort.

Friedens- und Wirtschaftsexpert*innen müssen Hand in Hand arbeiten

Die Diskutant*innen benannten klar, dass Kontextanalysen und Do no Harm-Grundsätze oder Konfliktsensibilität für Wirtschaftsförderungsprogramme und Beschäftigungsförderung eine wichtige und unverzichtbare Grundlage sind. Diese reichen aber allein nicht aus, um wirklich durch lokale Wirtschaftsförderung zu Frieden und friedlichen Gesellschaften im Sinn von SDG16+ beizutragen. Vor Planungs- und Projektbeginn sind gemeinsam Konflikt- und Kontextanalysen sowie ökonomische Marktanalysen zu erstellen. Expert*innen für Frieden und Konflikt und Wirtschaftsspezialist*innen sollten auch während der Projektdurchführung gemeinsam die Programme begleiten und beraten.

Auch für die Wertschöpfungsketten und Anschlussmöglichkeiten lokaler Unternehmen an globale Märkte ist Stabilität erforderlich, reicht aber nicht aus, um automatisch zu positivem Frieden vor Ort zu führen. Dies und auch die Frage nach Standards, Leitlinien und Zertifizierung für transnationale Konzerne und Industrien sind Themen für den zweiten online-Austausch am 25.03.2021.

Die Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (FriEnt) ist ein Zusammenschluss von staatlichen Organisationen, kirchlichen Hilfswerken, zivilgesellschaftlichen Netzwerken und politischen Stiftungen.

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