Agenda 2030: Roadmap für friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften vorgestellt

Marc Baxmann


27.09.2017 - 02:00


Seit zwei Jahren ist die Agenda 2030 in Kraft. Im Fokus steht nun die Operationalisierung, Umsetzung und Überprüfung der SDGs. Akteure der Friedens- und Entwicklungsarbeit stehen vor der Herausforderung, die Relevanz, die Chancen und Risiken des neuen Rahmenwerkes für die eigene Arbeit zu bestimmen und darauf aufbauend Prioritäten und Umsetzungsstrategien zu entwickeln. Aber wie können die ambitionierten – und gleichzeitig schwer greifbaren – Ziele der Agenda 2030 für friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften in konkrete Handlungen übertragen werden? Wo soll man anfangen, gerade in schwierigen Kontexten? Die sogenannte „Pathfinders“ Gruppe von UN-Mitgliedsstaaten, internationalen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen hat dafür jetzt eine „Roadmap for Peaceful, Just and Inclusive Societies”  in New York vorgestellt.


Die “Pathfinders”-Initiative wird getragen von Brasilien, Sierra Leone, der Schweiz und dem Center on International Cooperation (CIC) und will Vorreiter unter den UN-Mitgliedsstaaten zur Umsetzung der Friedensdimension der Agenda 2030 identifizieren. Dazu sollen gelungene Beispiele nationaler Umsetzung hervorgehoben werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf innovativen Ansätzen, Strategien und Instrumenten.

In der nun im Rahmen der UN-Generalversammlung in New York vorgestellten Roadmap geht die Initiative eine zentrale Herausforderung bei der Umsetzung von SDG 16 und weiteren friedensrelevanten Zielen der Agenda 2030 an. Denn SDG 16 enthält zwar eine ganze Reihe wichtiger Themen für friedliche und inklusive Gesellschaften, aber es gibt im Verhältnis zu anderen Zielen relativ wenig Klarheit darüber, wie das Ziel erreicht werden soll. Während für andere SDGs also bereits konkrete Umsetzungspläne in der Schublade lagen, musste dieser für SDG 16 erst noch entwickelt werden.

Die Roadmap geht dabei aber weit über SDG 16 hinaus und zieht im Sinne der integrierten und unteilbaren Natur der Agenda auch andere SDGs mit ein. Insgesamt werden 36 Unterziele in sieben anderen SDGs identifiziert, die unmittelbar zu Frieden, Inklusivität oder Zugang zu Justiz beitragen. Beispielsweise zielt SDG 1.4 auf den gleichberechtigten Zugang zu sozialen Dienstleistungen und Land. Ziel 4.7 fordert, Gewaltlosigkeit und eine Kultur des Friedens zu Bildungsinhalten zu erklären. In Ziel 5.2 wird die Beendigung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen genannt. Und Ziel 10.2 will zum Abbau von politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten zwischen Bevölkerungsgruppen beitragen. Um darauf hinzuweisen, dass SDG 16 nicht isoliert umgesetzt werden kann, spricht die Roadmap vom „SDG 16+“.

Die Roadmap bietet eine gemeinsame Vision unterschiedlicher Akteure zur Operationalisierung von SDG 16+. Sie baut dabei auf verschiedenen Länderbeispielen auf. Im Zentrum der Roadmap stehen drei “transformative Strategien”: ein erneuerter Fokus auf die Prävention aller Formen von Gewalt, die Transformation von Institutionen sowie die politische, soziale und wirtschaftliche Inklusion aller Menschen.

Die insgesamt neun Handlungsfelder (catalytic actions) greifen jeweils die strategischen Prioritäten „prevent – renew (institutions) – involve“ auf und sind mit Maßnahmen unterlegt, die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden sollten. Zu jeder Maßnahme werden Beispiele der nationalen Umsetzung genannt. Außerdem werden globale Partnerschaften und Initiativen genannt, die in den entsprechenden Handlungsfeldern bereits aktiv sind. Damit will die Roadmap auch dazu beitragen, die verschiedenen Initiativen besser zu vernetzen.

Die Roadmap benennt außerdem wichtige Elemente, die für die Umsetzung der SDG 16+ Ziele notwendig sind. Dazu gehören die Verfügbarkeit von vergleichbaren Daten, finanzielle Umsetzungsmittel sowie die Etablierung von Lernpartnerschaften. Gemeinsame Anstrengungen seien außerdem notwendig, um weitere Akteure aus unterschiedlichen Sektoren hinter der gemeinsamen Vision zu versammeln.

Ziel der Initiative ist es, konkrete Umsetzungsschritte und Fortschritte zur Erreichung von SDG 16+ beim High-level Political Forum in 2019 aufzeigen zu können, bei dem unter anderem die thematische Review von SDG 16 ansteht.

Allerdings bleibt die Roadmap für ihren strategischen Anspruch an vielen Stellen immer noch zu unpräzise, als dass sie für jeden Kontext handlungsleitend sein könnte. Sie benennt zwar die richtigen Bedingungen für friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften, kommt dabei aber häufig nicht über Allgemeinplätze hinaus. Vielleicht ist dies von einer globalen Umsetzungsstrategie auch zu viel verlangt. Die „letzte Meile“ in der lokalen Umsetzung von SDG 16+ muss in lokalen Aushandlungsprozessen zu nationalen und lokalen Zielen, Prioritäten und Handlungsfeldern liegen. Die Roadmap kann dafür wichtige Hinweise geben und eine Plattform für den Austausch von Umsetzungserfahrungen bilden.

Vielversprechend an der Initiative ist auch ihr Multi-Akteurs-Ansatz, der dem Prinzip der Agenda 2030 zur gemeinsamen Verantwortung entspricht und der die wichtigen Beiträge zivilgesellschaftlicher Akteure zur Umsetzung von SDG 16+ anerkennt.

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