" />

Sri Lanka. Frieden und Menschenrechte in der Krise schützen

12.05.2020

Jannike Riesch

COVID-19 und Friedenskonsolidierung - Anpassung an die „neue Normalität“

Um die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie einzudämmen, haben zahlreiche Länder Maßnahmen ergriffen, die die Bewegungsfreiheit einschränken. Laut ACAPS (ACAPS ist ein gemeinnütziges Projekt, das vom Norwegian Refugee Council und Save the Children durchgeführt wird) umfassen diese Beschränkungen in mehr als 120 Ländern Ausgangssperren unterschiedlichen Grades. Eines dieser Länder ist Sri Lanka. Obwohl es zu Beginn der Pandemie relativ wenige Infektionen gab (weniger als 50 in einem Land mit mehr als 21 Millionen Einwohnern), verhängte die srilankische Regierung bereits am 20. März eine strenge inselweite Ausgangssperre. Alle Bürger*innen, die nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten, sollten zu Hause bleiben. Für viele dicht besiedelte Distrikte, wie das Colombo-Distrikt, besteht diese Ausgangssperre nunmehr seit über sieben Wochen. Darüber hinaus schloss die Regierung Sri Lankas wichtigsten internationalen Flughafen und setzte bereits ausgestellte Visa für Reisende aus.

Diese Maßnahmen wirken sich nicht nur wirtschaftlich aus und bedrohen die Lebensgrundlage von tausenden Bürger*innen, die vom Tourismus und von Tageslöhnen abhängt. Das strenge Vorgehen gefährdet auch den fragilen Frieden in Sri Lanka. Ungefähr zehn Jahre nach dem Ende des 26-jährigen Bürgerkriegs verschärfen sich die gesellschaftlichen Spannungen auf der Insel. Desinformation und Hassreden sind weiterhin ein Problem. Auch der Anstieg von grundlegenden Menschenrechtsverletzungen ruft zunehmend Besorgnis hervor.

Das vom Auswärtigen Amt und der Europäischen Union finanzierte GIZ-Programm zur Stärkung der Versöhnungsprozesse in Sri Lanka (Strengthening Reconciliation Processes in Sri Lanka, SRP) ist seit 2017 im Land aktiv. Es soll das Wiederauftreten von Gewalt nach dem Bürgerkrieg verhindern und die Versöhnung zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Gemeinschaften in Sri Lanka fördern. Obwohl sich die COVID-19-Pandemie auf die Arbeit von SRP auswirkt, hat das Projekt Wege gefunden, schnell in den neuen Umständen zu agieren.

Agiles Handeln im Zeichen der Pandemie

Da viele Programmaktivitäten persönliche Workshops oder Treffen größerer Gruppen auf Gemeindeebene beinhalten, musste SRP die Formate anpassen. Mitarbeiter*innen und Projektpartner persönliche Treffen auf Online-Workshops um. Indem sie E-Learning-Plattformen und virtuelle Besprechungstools nutzten, mussten sie Diskussionen, Planungstreffen und Dialoge nicht absagen und konnten ihre Arbeit auch im digitalen Raum aktiv gestalten. 

Das Team hat nicht nur mit der Digitalisierung der täglichen Arbeits- und Austauschtreffen, sondern auch mit neuen Ideen auf die Corona-Pandemie reagiert. Beispielsweise produziert es vor Ort derzeit eine Covid-19 bezogene Video-Reihe, die Themen wie häusliche Gewalt und psychische Gesundheit aufgreift. Die Videos sollen über verschiedene Social-Media-Kanäle verbreitet werden und die Bevölkerung in Krisenzeiten vermehrt sensibilisieren. Weiterhin wird auch die wirksamere Bekämpfung von Hassreden untersucht, ein Problem, das durch die Covid-19 Pandemie weiter Aufwind bekommen hat. Aufbauend auf bestehenden Partnerschaften arbeitet SRP außerdem zum Beispiel weiterhin mit Selbsthilfegruppen von Frauen und hilft fast 10.000 Frauen bei der Bewältigung von psychosozialen Problemen während der Pandemie. Darüber hinaus unterstützt das Programm Frauen- und Jugendnetzwerke, die das friedliche Zusammenleben im Land stärken und nun begonnen haben, Lebensmittel an bedürftige Familien zu verteilen.

SRP plant daneben eine Reihe virtueller Diskussionen über die Auswirkungen von COVID-19 auf den sozialen Zusammenhalt in Sri Lanka. Auslöser sind unter anderem Fälle, in denen muslimische Bürger*innen als "COVID-19-Verteiler" denunziert und ihnen das Beerdigungsrecht verweigert wurde (sie wurden eingeäschert, obwohl dies von allen islamischen Denkschulen vehement verboten wird). Auch gab es Fälle, in denen Personen lediglich deshalb verhaftet wurden, weil sie die COVID-19 Vorsichtsmaßnahmen kritisierten. Diese Verstöße gegen Grundrechte müssen untersucht werden, da sie der Versöhnung und dem friedlichen Zusammenleben im Land entgegenstehen können.

Entwicklungen beobachten, Handlungsfähigkeit sicherstellen
Um in der dynamischen Situation dieser Pandemie besser handeln zu können, richtet die GIZ Sri Lanka derzeit ein Monitoringsystem ein, welches Entwicklungen in Gesundheits- und Wirtschaftssektor sowie im politischen Umfeld beobachtet. Denn die Reaktion auf die Pandemie erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und Reaktionsfähigkeit. Dies trifft umso mehr in einer Post-Konflikt-Gesellschaft wie Sri Lanka zu, in der nachhaltiger Frieden und Menschenrechte lang erkämpfte Erfolge sind. Diese gilt es in Zeiten der Krise besonders zu schützen und zu stärken, um mögliche Rückschritte zu vermeiden.


Teile diesen Post

Autorin

Jannike Riesch arbeitet seit 2019 als Junior-Beraterin bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Projekt zur Stärkung der Versöhnungsprozesse in Sri Lanka.