Post-2015: Positiver oder negativer Frieden?

20.08.2015

Marc Baxmann

Wie können Konflikt und Gewalt angemessen in der Post-2015-Entwicklungsagenda berücksichtigt werden? Die Debatte über diese Frage ist in vollem Gange und hat nach dem Vorschlag des High Level Panel (HLP), ein eigenständiges Friedensziel zu integrieren, nochmal an Fahrt gewonnen. Eine interessante Kontroverse zeichnet sich nun in der britischen Fachöffentlichkeit zur Frage ab, ob Konflikt und Gewalt nur im Sinne der Abwesenheit von Gewalt in den Zielkatalog mit aufgenommen werden könnten und sollten („negativer Friede“) oder ob Elemente „positiven Friedens“ als Basis für die Entwicklung von Zielen und Indikatoren herangezogen werden können.

Eine aktuelle Studie des britischen Forschungsinstituts ODI verneint letzteres. Es sei zwar eine gesicherte Erkenntnis, dass es einen Zusammenhang zwischen Unsicherheit und Unterentwicklung gibt, jedoch sei der Zusammenhang von Frieden und Entwicklung nicht so eindeutig. Die Post-2015-Entwicklungsagenda müsse dies berücksichtigen und vor allem die Abwesenheit von Gewalt als zentrales und spezifisches Ziel definieren. Positiver Friede, unter anderem auch „Good Governance“, könne zwar als erstrebenswerte Norm genannt werden, sei aber für Entwicklungserfolge nicht zwingend ausschlaggebend. Ebenfalls verweist die Autorin Lisa Denney auf mögliche Zielkonflikte.

Harsche Kritik an der ODI-Studie kommt von Chris Underwood, Analyst bei der britischen NRO International Alert. Die Autorin habe ein veraltetes Verständnis von Entwicklung und blicke nur auf Armutsbekämpfung durch wirtschaftliche Entwicklung. Aber selbst bei einer so eingeschränkten Sichtweise stimme die Analyse nicht, denn ohne die Beteiligung der Bevölkerung an Entscheidungsprozessen und transparente und rechenschaftspflichtige Institutionen könnten ungerechtes Wachstum oder Marginalisierung nicht angeprangert und verändert werden. Und damit bleibe eine Ursache für Gewalt und Konflikt bestehen, womit wiederum Entwicklungserfolge gefährdet sind. Richtigerweise würden daher der Weltentwicklungsbericht von 2011 sowie der New Deal auch die politischen Dimensionen von Entwicklung betonen. Gerechtigkeitsfragen, Menschenrechte oder politische Partizipation müssten daher in die neue Agenda aufgenommen werden.

Es gäbe außerdem die historische Chance, im Rahmen der Post-2015-Agenda die Potentiale anderer Sektoren für Friedensförderung und zumindest deren Konfliktsensibilität zu stärken. Frieden sei eben nicht nur Grundlage für Entwicklung, sondern gleichzeitig eigenständiges Ziel von Entwicklungsanstrengungen.