Weltbank und IDRC laden zum ersten „GRIP-Summit”

25.08.2015

Marc Baxmann

Wie kann das Gewaltrisiko in fragilen und von Konflikten betroffenen Staaten reduziert werden? Wie kann die Inklusivität von politischen Vereinbarungen und Prozessen erhöht werden, um Staaten und Gesellschaften widerstandfähiger gegenüber Gewalt und Armut zu machen? Wie können dauerhafte Jobs in diesen Ländern geschaffen werden? Auf einer gemeinsamen Konferenz des Global Center on Conflict, Security, and Development der Weltbank und Kanadas International Development Research Centre (IDRC) suchten vom 14. bis 16. Mai 70 geladene Expertinnen und Experten nach neuen Antworten auf diese Fragen. Das Treffen fand als erster "Gipfel" der Global Resilience Innovation Platform (GRIP) in Nairobi statt und brachte Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Politik zusammen, um innovative Lösungen, Umsetzungsschritte, gemeinsame Ansätze und weiteren Forschungsbedarf zu diskutieren. 

An verschiedenen Stellen wurde deutlich, dass es nicht nur Forschungslücken sind, die effektives Engagement in fragilen und von Konflikten betroffenen Staaten verhindern, sondern es auch am Wissensmanagement und an der konkreten Zusammenarbeit von Wissenschaft, Praxis und Politik mangelt. Damit Forschungsergebnisse und Lessons Learnt in die Praxis umgesetzt werden, brauche es gemeinsame Orte, an denen unterschiedliche Akteure zusammenkommen und über Erkenntnisse und Bedarfe informieren. Praxisnahe Beratung müsse dabei umsetzbare Antworten liefern, zum Beispiel, wie ein Engagement mit nichtstaatlichen Gewaltakteuren aussehen kann.

Fast in sämtlichen Arbeitsgruppen und Panels kam die Notwendigkeit zur Sprache, die Wechselwirkungen zwischen Dynamiken und Akteuren auf verschiedenen Ebenen stärker zu berücksichtigen. Politische Vereinbarungen zwischen Eliten werden nicht von Dauer sein, wenn sie nicht auch gesellschaftliche Konfliktlinien aufgreifen und widerspiegeln. Statebuilding ist wichtig – staatliche Fragilität ist aber längst nicht immer die Ursache für Gewalt. Daher kommt es zum einen auf konstruktive Staats- Gesellschaftsbeziehungen an, aber genauso auch auf gemeinsame Ziele und Vorstellungen zwischen Gesellschaftsgruppen und über gesellschaftliche Konfliktlinien hinweg. Auch müssen globale und regionale Faktoren im Blick behalten werden, die Einfluss auf lokale Gewaltdynamiken haben. Gleichzeitig stand die Frage im Raum, welche Rolle externe Akteure spielen sollen und können, um diese Ebenen zu beeinflussen.

FriEnt-Referent Marc Baxmann stellte auf einem Panel im Rahmen der Arbeitsgruppe zu „inclusive political settlements“ dar, dass es nicht nur an Strukturen für den Austausch von Wissenschaft, Praxis und Politik bedarf, sondern es auch notwendig sei, Silos zu überwinden und angesichts komplexer Veränderungsprozesse neue Allianzen über Sektoren und Ebenen hinweg einzugehen. So könne in Post-Konfliktsituationen das Potential sozialer Dienstleistungen für Friedensförderung erhöht werden, sofern sie in gerechter und konfliktsensibler Weise erbracht werden. Auf demselben Panel betonte Francesca Bomboko, g7+ focal point in der DR Kongo und Co-Chair der Indikatoren-Arbeitsgruppe des International Dialogue on Peacebuilding and Statebuilding, dass der New Deal auf legitime und inklusive Regierungsführung abzielt und dafür inzwischen Indikatoren entwickelt wurden. Hilfreich wäre es nun, gemeinsam mit der Zivilgesellschaft entsprechende Theories of Change für die einzelnen Ziele zu entwickeln. Chermaine Rodrigues von UNDP betonte die Notwendigkeit, die von Land zu Land unterschiedlich gelagerten Schnittstellen von Staat und Zivilgesellschaft stärker in den Blick zu nehmen.

Am Ende blieben wie so häufig mehr offene Fragen als Antworten: Welche Konzepte und Paradigmen sollten Politik und Praxis hinterfragen, welche sollten die Arbeit anleiten? Ist „inclusive enough“ mehr als ein pragmatischer Ansatz für politische Prozesse? Wie kann gesellschaftliche „Widerstandsfähigkeit“ gefördert werden? Wie können Geber ermutigt werden, notwendige Risiken einzugehen? Unter anderem über die neue virtuelle Weltbank-Plattform „The Hive“ sollen die Diskussionen weitergeführt werden.