Fragile Staaten als Game Changers?

27.08.2015

Marius Müller-Henning

In einem Interview,  welches im Global Observatory von IPI veröffentlicht wurde, erläutert Dr. Sarah Cliffe (Direktorin für den Weltentwicklungsbericht 2011 – WDR 2011), dass sie hofft, dass Fragen von Entwicklung und Konflikt im Zentrum der Diskussion kommenden Monat in Busan stehen werden. Die Tatsache, dass kein fragiler oder konflikt-betroffener Staat auch nur ein einziges der Millenium-Entwicklungsziele (MDGs) erfüllt habe, solle im Rahmen der Diskussionen hervorgehoben werden. Umgekehrt stelle die Herausforderung, einen nachhaltigen Ausweg aus Konflikt und Gewalt zu finden, die zentrale Herausforderung zur Erreichung der MDGs dar. Dabei solle es aber zunehmend auch um die Diskussion stärker praxisorientierter und überprüfbarer Maßnahmen gehen.

g7+ als Game Changer

Cliffe betont die Rolle der sogenannten g7+, einer Gruppe von derzeit 17 Staaten, die sich mit Fragilität konfrontiert sehen. Diese Gruppierung sei in mancherlei Hinsicht ein regelrechter „game changer“, der die Art und Weise, in der wir uns international mit der Herausforderung von Fragilität auseinandersetzen, grundlegend verändern könnte. Gerade die Tatsache, dass hier betroffene Staaten ihre eigenen Erfahrungen mit Fragilität reflektieren und sich darüber austauschen, sei bemerkenswert – ebenso wie der Ansatz, aus dieser Gruppe heraus Anforderungen an das Engagement der Internationalen Gemeinschaft in fragilen Kontexten zu formulieren.

Kernbotschaften des Weltentwicklungsberichts

Im Hinblick auf die konzeptionell-strategische Schwerpunktsetzung des internationalen Engagements sei im WDR 2011 vor allem die Fokussierung des Engagements in konflikt-geprägten und fragilen Staaten auf drei prioritäre Bereiche des Institutionenaufbaus (v.a. Sicherheit, Gerechtigkeit, Arbeit) ein zentraler Aspekt. Dies mache einen zentralen Unterschied zur breiteren entwicklungspolitischen Agenda aus, die den Institutionenaufbau in weitaus mehr Sektoren umfassen würde.

Konsequenzen für die eigene Arbeit der Weltbank

Für die Arbeit der Weltbank in fragilen und von Konflikten betroffenen Statten selbst wären ebenfalls bereits Konsequenzen aus dem Weltentwicklungsbericht gezogen worden. So würden zunehmend in Staaten mit Fragilitätsrisiko Anstrengungen unternommen, das eigene Engagement stärker mit nationalen und anderen internationalen Bemühungen zu verknüpfen. Ganz praktisch sollen so mehr Programme gemeinsam mit anderen Partnern entwickelt und implementiert werden. Zudem soll in Nairobi ein neuer “hub” für die Arbeit zum Themenbereich Konflikt, Sicherheit und Entwicklung eingerichtet werden, der Länderprogramme in solchen Staaten unterstützen soll, die von Fragilität und Konflikt betroffen bzw. gefährdet sind.