MIFFs - Ein neues Akkronym für „nicht ganz so arme“ aber dennoch scheiternde Staaten

27.08.2015

Marius Müller-Henning

In mehreren Blog-Beiträgen sowie in der letzten Ausgabe des Economist wird über eine vermeintlich neue Kategorie von Staaten diskutiert: sogenannte MIFFs – Middle Income Failing or Fragile States (Scheiternde oder Fragile Staaten mit mittlerem Einkommen). Hierunter würden demzufolge Staaten wie z.B. Pakistan, Yemen, Nigeria, Irak, Elfenbeinküste oder Sudan fallen; evtl. auch Libyen, Ägypten und Tunesien.

Das Phänomen wird zwar nicht als gänzlich neu geschildert, doch habe seine Bedeutung zugenommen und es wird hinterfragt was dies für den Umgang des Westens mit fragilen oder scheiternden Staaten für eine Bedeutung haben könne. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Risiken die von den MIFFs für den Westen ausgehen, diejenigen von scheiternden bzw. fragilen Staaten aus der Gruppe der Staaten mit geringem Einkommen übertreffen könnten. Während ganz arme fragile und scheiternde Staaten laut diesem Argument also hauptsächlich eine Gefährdung für die eigenen Bürger darstellen würden, sei mit scheiternden oder fragilen Staaten aus den höheren Einkommensgruppierungen ein vermeintlich höheres transnationales Gefährdungspotential verbunden. Werden sich also die Bemühungen des Westens demnächst stärker auf die MIFFs konzentrieren?

Stewart Patrick vom Council of Foreign Relations vertritt in seinen Beitrag in der letzten Ausgabe von Foreign Policy eine solche Einschätzung im Hinblick auf die von armen fragilen und scheiternden Staaten ausgehende Gefährdung für die Sicherheit der Staaten des globalen Nordens. Er kommt aber zu einem anderen Schluss im Hinblick auf das westliche Engagement in solchen Staaten: Die Internationale Staatengemeinschaft habe generell ein andauerndes Interesse an dem Schicksal scheiternder oder fragiler Staaten. Dieses sollte allerdings in den meisten Fällen nicht primär durch Sicherheitsüberlegungen motiviert sein, sondern humanitären und entwicklungspolitischen Interessen folgen. Eine übertriebene Fokussierung auf die Sicherheitsdimension – wie sie besonders in den USA in den letzten zehn Jahren des Engagements in scheiternden und fragilen Staaten praktiziert wurde – würde seines Erachtens das Risiko eingehen, knappe Ressourcen derart umzuleiten, dass sie nicht primär den Bedürfnissen der Bevölkerung in den betroffenen Staaten zugutekämen: „So, should we just ignore failing states, then? Hardly. The international community has a vested interest in the fate of the world's most dysfunctional countries. But these stakes are and will likely remain primarily humanitarian and developmental. Hyping the security threat risks diverting resources that could otherwise go to helping people.”

Diese Schlussfolgerung ist nicht zuletzt im Hinblick auf die gerade in Deutschland lange und intensiv geführte Debatte über eine vermeintliche „Versicherheitlichung“ der Entwicklungszusammenarbeit bemerkenswert. Vielleicht führt die Diskussion über die sog. MIFFs zu einem zunehmenden sicherheitspolitischen Interesse an der Zusammenarbeit mit diesen Staaten (wo dies nicht ohnehin bereits der Fall ist). Gleichzeitig bietet sie aber auch die Chance die oftmals sicherheitspolitisch verengte Fokussierung auf die armen und scheiternden bzw. fragilen Staaten zu überdenken. Dann fällt die Antwort auf die Frage „wessen Sicherheit bei unserem Engagement in diesen Staaten im Vordergrund steht“ nun vielleicht wieder klarer aus: Das Interesse der betroffenen Bevölkerung vor Ort.

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