30-10-2019

BMZ | Diskussionsveranstaltung zur Friedensförderung in fragilen Staaten

Podiumsdiskussion mit Dr. Jörn Grävingholt (DIE), Dr. Charlotte Fiedler (DIE), Dr. Karina Mross (DIE), und Max Middeke (GIZ, Moderation).

Fragile Staatlichkeit ist eine der größten Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklungs- und Friedenspolitik – fast die Hälfte aller Menschen, die von extremer Armut betroffen sind, leben in Ländern, die von Gewalt und Konfliktaustrag geprägt sind. Das betrifft auch die Lebenssituation der Menschen in den Partnerländern des BMZ: Über zwei Drittel der BMZ-Partnerländer sind fragil. Wie kann die deutsche Politik die Friedensförderung in diesen Ländern nachhaltig unterstützen und welche Informationen haben wir über die aktuellen Entwicklungen in fragilen Staaten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung auf Einladung des BMZ am 23. Oktober in Berlin. Vorgestellt wurden die Ergebnisse aus dem DIE-Forschungsprojekt „Frieden nachhaltig fördern“ und die neu entwickelte Informationsplattform der OECD „States of Fragility“. Die zentrale Erkenntnis aus den Forschungsbeiträgen: Erst die Kombination unterschiedlicher Ansätze, Instrumente und Politikfelder ebnet den Weg für eine dauerhafte Friedensordnung.

Wie können internationale Akteure Friedensprozesse in fragilen Staaten unterstützen?

Um den Herausforderungen für die Entwicklungs- und Friedenspolitik in fragilen Länden und Krisenkontexten angemessen zu begegnen, arbeitet das BMZ eng mit dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) zusammen. Das Forschungsprojekt „Frieden nachhaltig fördern“ hat über mehrere Jahre untersucht, wie internationale Akteure die Friedenskonsolidierung in diesen Staaten wirksam unterstützen können und welche Ansätze dabei besonders erfolgreich sind. Projektleiter Dr. Jörn Grävingholt und seine Kolleginnen Dr. Karina Mross und Dr. Charlotte Fiedler stellten dazu zentrale Ergebnisse aus ihrer Forschungsarbeit vor. Das größte Risiko für Staaten, in denen Gewaltkonflikte ausgetragen wurden, sind neue gewaltsame Auseinandersetzungen. Das Projekt hat deshalb solche Fälle untersucht, in denen das internationale Engagement das Wiederaufflammen der Gewalt verhindern konnte und welche Ansätze dabei erfolgreich waren. Zwei Ergebnisse aus dieser Analyse sind besonders wichtig für die internationale Zusammenarbeit mit fragilen und Post-Konflikt Staaten:

  • Friedensförderung macht einen Unterschied – die Studie zeigt, dass in Ländern, die nach einem Gewaltkonflikt keine internationale Unterstützung erhalten, ausnahmslos wieder bewaffnete Konflikte ausgetragen werden. Bei den Ländern, die in der Post-Konflikt Phase internationale Hilfe erhalten, fällt die Bilanz deutlich besser aus. Internationales Engagement ist zwar keine Garantie für eine stabile Friedensordnung, steigert aber die Chancen für eine Überwindung der Gewalt.
  • Frieden ist vielschichtig – Nur eine Kombination unterschiedlicher Ansätze kann neue Gewaltkonflikte in fragilen Staaten nachhaltig verhindern. Das Forschungsprojekt hat dabei fünf zentrale Bereiche identifiziert: die Förderung sozio-ökonomischer Entwicklungsgrundlagen, Politik- und Governance-Prozesse, gesellschaftliche Konflikttransformation, nicht-militärische Sicherheitsunterstützung und Peacekeeping-Maßnahmen.

Für die deutsche Friedens- und Entwicklungspolitik ergibt sich daraus die Anforderung nach einer eng abgestimmten Zusammenarbeit in den unterschiedlichen Politikbereichen. Ein zentrales Gestaltungsprinzip, das auch in den Leitlinien „Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“ der Bundesregierung aufgegriffen wird.

Was wissen wir über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in fragilen Staaten?

Eine große Herausforderung für die Zusammenarbeit mit fragilen Staaten und für die Unterstützung von Friedensprozessen in diesen Ländern liegt darin, dass es zu vielen Entwicklungsprozessen und -bedarfen keine ausreichenden oder nur unvollständige Daten gibt. Gerade in fragilen Staaten sind verlässliche Informationen über die Situation in diesen Ländern und die Lebensverhältnisse der Bevölkerung aber besonders wichtig, um die nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 zu erreichen. Eine wichtige Informationsquelle für nationale und internationale Politikakteure ist der „States of Fragilty Report“ der OECD mit aktuellen Länderanalysen zu den verschiedenen Dimensionen fragiler Staatlichkeit. Seit 2018 hat Deutschland gemeinsam mit Großbritannien den Vorsitz des „International Network on Conflict and Fragility“ (INCAF) der OECD übernommen – einer gemeinsamen Plattform der Geberländer und multilateraler Organisationen, um den Wissens- und Erfahrungsaustausch für eine ergebnisorientierte Entwicklungszusammenarbeit mit fragilen Staaten zu unterstützen. In Zeiten der Digitalisierung, die auch in den Entwicklungsländern neue Möglichkeiten und Instrumente für eine flexible und bedarfsorientierte Zusammenarbeit bietet, sind aktuelle Daten und Informationen umso bedeutsamer.

Was das für die deutsche Entwicklungspolitik bedeutet, untersucht ein aktuelles Positionspapier des BMZ zum Thema „Digitalisierung für Entwicklung“. Gut eingesetzt, können digitale Technologien Entwicklungsprozesse partizipativer und transparenter gestalten. Die neue interaktive Online-Plattform „States of Fragility“ soll dazu einen Beitrag leisten. Nutzerinnen und Nutzer aus aller Welt können jederzeit auf die Informationen zugreifen und sie für ihre Arbeit verwenden. Die Veranstaltung in Berlin war der offizielle Auftakt für den Start der Online-Plattform.

Weiterführende Informationen: 

Tanja Kasten, FriEnt/BMZ
tanja.kasten@frient.de

Links und Literatur:

DIE Forschungsprojekt „Frieden nachhaltig fördern“

OECD Plattform „States of Fragility“

BMZ Themenseite zur Entwicklungszusammenarbeit mit fragilen Staaten

BMZ Sonderseiten zum Thema Digitalisierung und Entwicklung

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