29-11-2019

BMZ | Katastrophenrisikomanagement in fragilen Staaten: Neue Erkenntnisse für eine bessere Vernetzung von Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe

Wenn staatliche Strukturen zu schwach sind, um der Bevölkerung Schutz und Hilfe zu bieten, hat das schwere Folgen: Knapp 60 Prozent aller Todesfälle infolge von Naturkatastrophen in der Zeit von 2004 bis 2014 ereigneten sich in fragilen Staaten. In der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist etwa die Hälfte der BMZ-Partnerländer, die von Gewaltkonflikten betroffen sind, auch mit einem hohen Risiko von Naturkatastrophen konfrontiert. Umso wichtiger ist eine wirksame Unterstützung durch externe Akteure nicht nur in der Krise, sondern auch durch Ansätzen zur integrierten Resilienzstärkung – im besten Fall, bevor solche Katastrophen tatsächlich eintreten. Im Mittelpunkt steht dabei eine möglichst kohärente Verknüpfung von Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und humanitärer Hilfe in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung. 

Mit den besonderen Herausforderungen und den Möglichkeiten für eine sektorübergreifende Zusammenarbeit beschäftigt sich eine Studie des Overseas Development Institute (ODI) im Auftrag des BMZ. In enger Zusammenarbeit mit dem BMZ-Referat 223 Frieden und Sicherheit, Katastrophenrisikomanagement sowie dem gleichnamigen Sektorprogramm der GIZ hat das ODI dazu unter anderem Länderstudien in Afghanistan, Tschad, Kolumbien und im Libanon durchgeführt. Die Ergebnisse aus diesen Analysen haben bereits Eingang in die internationale Diskussion gefunden und wurden bei einer hochrangigen Ministerkonferenz der Global Platform for Disaster Risk Reduction in Genf vorgestellt. Dort setzte der Parlamentarische Staatssekretär des BMZ, Norbert Barthle, den Akzent auf die Notwendigkeit von innovativen Partnerschaften, von konfliktsensiblem Handel und die Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft auf der lokalen Ebene. Dieser Austausch war ein wichtiger Schritt für eine engere Verknüpfung mit der Krisenprävention und Konfliktbearbeitung in fragilen Kontexten. 

Die Ergebnisse und Empfehlungen aus dem Abschlussbericht „Disaster Risk Reduction in Conflict context – An agenda for action“ wurden jetzt auch für das deutsche Fachpublikum vorgestellt. Am 11. November 2019 hatte das BMZ in Berlin zu einer Podiumsdiskussion mit anschließender Fachdiskussion eingeladen. Gastredner war der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Halbmond-Gesellschaften (IFRC) Elhadj As Sy. Sein Beitrag war ein eindringliches Plädoyer für mehr Prävention, für die Stärkung lokaler Kapazitäten und für den Aufbau von Vertrauen als entscheidendes Fundament für die Zusammenarbeit von Staat und Zivilgesellschaft. 

Diese Schwerpunkte bestimmten auch die Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis. Neben IFRC Generalsekretär As Sy waren ODI Geschäftsführerin Dr. Sara Pantuliano, GIZ Abteilungsleiterin Governance und Konflikt Dr. Kathrin Lorenz und BMZ Referatsleiter Frieden und Sicherheit, Katastrophenrisikomanagement Dr. Thomas Helfen auf dem Panel vertreten. Ein wichtiges Element für eine abgestimmte Zusammenarbeit in fragilen Kontexten sind gemeinsame Bedarfsanalysen unter Einbindung der lokalen Akteure, sog. multi-hazards risks assessments sowie eine aktive Einbindung friedensfördernder Prozesse im Katastrophenrisikomanagement. Aus den Länderstudien der ODI-Analyse haben sich einige best-practice Beispiele für die Verknüpfung von Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe in fragilen Kontexten ergeben. Jetzt gelte es, diese Erkenntnisse in der Praxis aufzugreifen. In der deutschen EZ gibt es dazu schon relevante Erfahrungen, u.a. durch das Instrument der Übergangshilfe. 

Wie sich das Zusammenspiel unterschiedlicher Ansätze und Zielsetzungen in der praktischen Umsetzung vor Ort ausgestalten lässt und welche Erfahrungen sich für das gemeinsame Lernen und den Umgang mit komplexen Risiken nutzen lassen, war abschließend Thema einer Fachdiskussion in kleinen Arbeitsgruppen. Für den Austausch zwischen ausgewählten Vertreter*innen der Ressorts, aus der Wissenschaft, NROs der Humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit standen pragmatische Lösungen für praktische Probleme in der Zusammenarbeit vor Ort im Mittelpunkt. 

Diese Instrumente und Erfahrungen sollen künftig konzeptionell weiterentwickelt und für die Arbeit am Humanitarian-Development-Peace Nexus operationalisiert werden.

Links und Literatur:       

Die Ergebnisse der ODI-Studie sind online abrufbar. 

Weiterführende Informationen: 

Orsola Lussignoli, BMZ
Orsola.Lussignoli@bmz.bund.de

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