28-03-2017

BMZ | Psychosoziale Unterstützung für Geflohene im Nahen Osten verbessern

Seit sechs Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien, durch den 6,5 Millionen Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land wurden und knapp fünf Millionen vor allem in die Nachbarländer Türkei, Libanon und Jordanien flohen. Aus dem Irak zählt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zudem über 200.000 Flüchtlinge und weitere 3,1 Millionen Binnenvertriebene.  

Diese Menschen verloren nicht nur ihren Besitz und ihre Heimat – viele wurden Zeugen oder selbst Opfer massiver Menschenrechtsverletzungen, wie Vergewaltigung und Folter. Viele betrauern Angehörige oder sind über deren Verbleib im Ungewissen. Ihre unklare Rechtslage und schwierige sozioökonomische Lebensbedingung in den Aufnahmeländern sind zusätzliche Stressoren, die den Geflohenen nach ihrer Flucht weiter zusetzen. Gefühle wie Perspektivlosigkeit, Angst, Ohnmacht, Wut und Trauer sind unter ihnen weit verbreitet und wirken sich negativ auf ihr psychisches Wohlergehen aus.

Um die Betroffenen in ihrer Not zu unterstützen, sind zahlreiche Akteure im Nahen Osten aktiv. Ihre Hilfsangebote reichen von psychologischer Erster Hilfe über die Arbeit in Gemeinden bis hin zu medikamentöser Behandlung bei besonders schweren Fällen psychischer Erkrankung. So vielfältig die Angebote im Bereich psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung (Mental Health and Psychosocial Support, MHPSS) für Flüchtlinge jedoch sind, entsprechen sie oft nicht internationalen Standards, wie sie vom Inter-Agency Standing Committee (IASC) der Vereinten Nationen entwickelt wurden. Wissensaustausch zwischen den Hilfsorganisationen findet oft nicht oder nur unzureichend statt, wodurch sich Parallelstrukturen entwickeln und Synergieeffekte nicht genutzt werden. Zudem werden häufig westliche Modelle schablonenartig auf den regionalen Kontext übertragen und von nicht ausreichend ausgebildeten Helfer/innen durchgeführt.

Um diesen Mängeln zu begegnen, arbeitet seit Frühjahr 2016 ein von der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziertes Regionalvorhaben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) an einer besseren Vernetzung von MHPSS-Akteuren in der Region sowie an der Etablierung von Standards für gute psychosoziale Arbeit mit Flüchtlingen und Binnenvertriebenen. Gemeinsam mit einer Vielzahl von deutschen MHPSS-Akteuren, die im Nahen Osten tätig sind, verfasste das Vorhaben einen Orientierungsrahmen, der unter anderem solche Qualitätskriterien benennt. Das Papier wurde im Einklang mit den IASC-Standards erstellt und ist eine Hilfe für all jene Akteure, die in der Region mit Geflohenen gendersensibel und kontextangepasst arbeiten, für Geberorganisationen sowie politische Entscheidungsträger. Es soll in regelmäßigen Abständen überarbeitet und erweitert werden, weshalb alle genannten Akteure aufgerufen sind, es zu kommentieren und ihre Erfahrung mit einfließen zu lassen.

Weitere Arbeitsschwerpunkte des Regionalvorhabens sind die Organisation von Fachaustauschen, die Entwicklung von Staff-Care Maßnahmen für lokales MHPSS-Personal sowie der Aufbau eines webbasierten Wissensmanagementsystems für MHPSS-Akteure.

Weitere Informationen:

Ulrike Hopp-Nishanka, BMZ
ulrike.hopp-nishanka@bmz.bund.de

Judith Bäßler, GIZ
judith.baessler@giz.de

Katharina Montens, GIZ
katharina.montens@giz.de

Links und Literatur:

Der Orientierungsrahmen kann bei Dr. Judith Bäβler, Leiterin des Regionalvorhabens „Psychosoziale Unterstützung für syrische/irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene“, angefordert werden.

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