24-07-2019

BMZ | Strategische Vorausschau in der Praxis – Das Afrika der Zukunft

Wie können wir uns besser auf die Zukunft vorbereiten? Welche Zukunft ist möglich, welche ist wahrscheinlich, wünschenswert oder überraschend? Wie können wir die Zukunft aktiv gestalten? Mit diesen Fragen befasst sich Strategische Vorausschau. Sie bietet Instrumente, um mit politischen Herausforderungen von Ungewissheit, Komplexität und Dynamik umzuge­hen.

Seit 2014 richtet die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) einmal jährlich den Werkstatt-Tag „Strategische Vorausschau in der Praxis“ aus, einer Art „Flagship-Veranstaltung“ in der Debatte über alternative Zukünfte.

Diesjähriger Partner war das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das das Thema „Das Afrika der Zukunft“ auf die Agenda setzte. Rund 90 Vertreterinnen und Vertreter von acht Bundesressorts, von Think Tanks, NGOs, aus der Wissenschaft, Afrika- und Foresight-Expertinnen und Experten befassten sich am 20. Mai in Berlin mit vielschichtigen Zukunftsfragen: Von Wirtschaft und Beschäftigung über Demografie und Gesundheit bis zur Urbanisierung und Mobilität in Afrika. Diskutiert wurden Chancen, Risiken, Treiber und Ungewissheiten für die Zukunft des afrikanischen Kontinents.  Was bedeuten sie für Deutschland und Europa und die Zusammenarbeit mit Afrika?

Bineta Diop, Sondergesandte der Afrikanischen Union für Frauen, Frieden und Sicherheit mahnte zu Beginn der Veranstaltung, dass die Chancen des afrikanischen Kontinents – etwa der Rohstoffreichtum, das traditionelle Wissen, ein ausgeprägtes Gemeinwesen, das Potential von Frauen und einer jungen Bevölkerung – bisher zu wenig zur Verbesserung der Lebensverhältnisse genutzt wurden: „Africa is a rich continent, but the people are still poor.“  Eine ambitionierte Umsetzung der Agenda 2063 der Afrikanischen Union sei für sie zentral für die Zukunft Afrikas. 

Die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 auf rund 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Dieses Wachstum birgt viele Chancen, aber auch Herausforderungen. Jährlich müssten 20 Millionen neue Jobs für die wachsende junge Bevölkerung Afrikas entstehen. Afrika verzeichnete im Jahr 2018 ein Wirtschaftswachstum von 3,2 %, es müsste sich jedoch verdreifachen, um die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 zu erfüllen.

Zudem destabilisieren Fragilität und schlechte Regierungsführung Teile des Kontinents. Der Klimawandel könnte in Subsahara-Afrika bis 2050 zur dauerhaften Binnenvertreibung von bis zu 86 Millionen Menschen führen. Die zunehmende Knappheit von Ressourcen wie Wasser, Boden oder Nahrung steigert das Risiko für Konflikte und Kriege.

Vor diesem Hintergrund war „Frieden und Sicherheit“ eines von sechs Workshop-Themen des Tages.

Entlang von drei Thesen von Dr. Christian von Soest, Leiter des Forschungsschwerpunkts Frieden und Sicherheit am GIGA German Institute of Global and Area Studies in Hamburg, wurde hier diskutiert, wie afrikanische und internationale Akteure Sicherheitsrisiken begegnen könnten:

1. Stärkung von Prävention und Wiederaufbau: Sowohl die Afrikanische Union als auch Afrikas internationale Partner sollten in Zukunft Prävention und Wiederaufbau weiter stärken, um die Entstehung neuer Konflikte wirksamer zu verhindern.

2. Kare Aufgabenteilung: Die Überlappungen der Mitgliedschaft in Afrikas regionalen Wirtschaftsgemeinschaften erfordert eine bessere Koordinierung, auch mit der Afrikanischen Union (z.B. zwischen AU und ECOWAS). Zudem sollte die Eigenfinanzierung der afrikanischen Friedensaktivitäten steigen.

3. Stärkere Integration von Sicherheit und Entwicklung: Unsicherheit auf dem afrikanischen Kontinent ist heute und wird auch in Zukunft gekennzeichnet sein von dezentralen und unterschiedlichen Gewaltformen. Der Aufbau eines stabilen Friedens bedarf deswegen umfassender Initiativen, die Sicherheit, Regierungsführung und Entwicklung in den Blick nehmen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten Einflussfaktoren und Treiber des Themas Frieden und Sicherheit, wie z.B.  das Verhältnis von Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftswachstum, den Anstieg von Einkommensungleichheiten, sowie Ungewissheiten mit Blick auf zukünftige Regierungsführungen, Institutionen sowie internationaler Einflussnahme, allem voran von China. Ein Schwerpunkt in der Diskussion waren die großen Unterschiede innerhalb Afrikas und wie afrikanische und europäische Akteure veränderten Sicherheitsrisiken, zum Beispiel internationalisierten Gewaltkonflikten, Terrorismus und der Zunahme von „Konfliktfallen“ wirksam begegnen können.

Weitere Informationen:

Katja Weigelt, BMZ
katja.weigelt@bmz.bund.de

Konstanze Gehlen, BMZ
konstanze.gehlen@bmz.bund.de

Links und Literatur:

Zum Kurzfilm „The future of Africa“ 

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