02-09-2015

Brot für die Welt: „Lernwerkstatt 2015“ – Internationale Partnertagung zu Friedensförderung und Umgang mit Gewalt

Von 21.-28. Juni 2015 trafen sich Brot für die Welt-Partnerorganisationen in Berlin zu einer Lernwerkstatt mit dem Titel „Learning from Experience – Dealing with Violent Conflict in Constructive Ways“. Eingeladen waren 25 Teilnehmende aus 20 verschiedenen Ländern, um gemeinsam mit 15 Mitarbeitenden von Brot für die Welt über Ansätze und Strategien in der Friedensarbeit sowie ihre Erfahrungen und Herausforderungen im Umgang mit Gewalt zu berichten und voneinander zu lernen. Die Lernwerkstatt bot Raum und Gelegenheit zum Zuhören, gemeinsamen Reflektieren und Herausarbeiten von Lernerfahrungen sowie Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit im Kontext von Krieg, massiver Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Für zivilgesellschaftliche Friedensaktivistinnen und -aktivisten, die in vielen Teilen der Welt durch die zunehmende direkte und strukturelle Gewalt vor großen Herausforderungen stehen und unter hohem persönlichen Risiko arbeiten, sind solche Reflektionsräume und Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch von besonderem Wert. Internationale Vernetzung, so betonten viele Teilnehmende abschließend, werde zunehmend wichtig, um mit der wachsenden Komplexität der Situationen umgehen zu können. Gegenseitige Solidarität könne für ein Durchhalten in schwierigen und gefährlichen Kontexten stärkend wirken und hilfreich sein.

Die Berichte und Beschreibungen aus den einzelnen Ländern (Südsudan, Nigeria, Tschad, Kamerun, Uganda, Südafrika, Liberia, Sierra Leone, Burkina Faso, Israel/Palästina, Nepal, Pa-kistan, Tadschikistan, Indien, Kambodscha, Myanmar, Bangladesch, Georgien, Armenien und Mexiko) prägten den Ablauf der Lernwerkstatt. Themen wie Identitäten, Genderungleichheit, natürliche Ressourcen, Staat und Rolle des Staates, Regierungsführung und Macht, Zivilgesellschaft und ihre Rolle in Konflikt/Friedensarbeit, externe Akteure/Geber und ihreVerantwortlichkeiten, aber auch Sicherheit, Vergangenheitsarbeit sowie Methoden der Analyse der Konfliktbearbeitung und der Wirkungsmessung von Friedensarbeit kamen dabei zur Sprache.

Durch die spezifischen Beiträge und gemeinsame Reflektion wurde deutlich, dass die institutionellen Herausforderungen und persönlichen Risiken für die zivilgesellschaftlichen Ak-teure größer geworden sind. Direkte wie auch strukturelle Gewalt haben in den verschiedenen Kontexten zugenom-men und sind nicht nur von lokalen Ursachen hervorgerufen. Darüber hinaus hat die Gewalt vielfach neue Dimensionen angenommen, wie etwa durch Boko Haram in Nigeria, aber auch durch Faktoren, die durch die globalen Krisen und neue Akteure in vielfacher Hinsicht auf die lokalen zivilgesellschaftlichen Akteure einwirken. Vielfach reichen die bisherigen Ansätze der Friedensarbeit nicht aus, um multidimensionale Konfliktursachen anzugehen, institutionelle und persönliche Sicherheit zu gewährleisten und mit korrupten Machteliten konstruktiv umzugehen. Gemeinsames zusätzliches Engagement ist hier nötig, welches auf langfristiger Zu-sammenarbeit und Flexibilität aufbaut. Dies muss weiterhin politische wie finanzielle Unterstützung in der Friedensarbeit, Vernetzung und gegenseitiges Lernen beinhalten, um sich den neuen Herausforderungen und weiterer Gewalt entgegenstellen zu können.

Die Lernwerkstatt ist Teil eines Prozesses, den Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst bereits 2005 mit seinen Partnern begonnen und in der Publikation „Mit Konflikten umgehen – die Perspektiven wechseln“ dokumentiert hat.

Weitere Infos

Andreas Dieterich, Brot für die Welt
andreas.dieterich@brot-fuer-die-welt.de

Caroline Kruckow, Brot für die Welt/FriEnt
caroline.kruckow@brot-fuer-die-welt.de

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