27-03-2018

Brot für die Welt | Parlamentarisches Frühstück zu Zivilem Peacekeeping

Im Juni 2017 verabschiedete die Bundesregierung die Leitlinien „Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“. Darin bekennt sie sich zur „Weiterentwicklung ziviler Ansätze (…) insbesondere Ziviles Peacekeeping als erprobte Methodik, um Menschen vor Gewalt und schweren Menschenrechtsverletzungen zu schützen“. Diesen Ansatz gilt es nun in der aktuellen Legislaturperiode mit Leben zu füllen und bekannter zu machen. Ein erster Schritt dazu war die Vorstellung der langjährigen Arbeit der internationalen Nichtregierungsorganisation Nonviolent Peaceforce bei einem Parlamentarischen Frühstück am 21. Februar 2018 in Berlin. Tiffany Easthom, Direktorin von Nonviolent Peaceforce, und Christine Schweitzer, Geschäftsführerin vom Bund für Soziale Verteidigung e.V., waren zur Vorstellung ihrer Erfahrungen und Ideen für die deutsche Politik durch Brot für die Welt eingeladen worden.

Einigkeit herrscht in der deutschen Politik darüber, zivile Instrumente in der Prävention und Nachsorge von Krisen einzusetzen. Jedoch gibt es Zweifel bei der Mobilisierung ziviler Mittel in akuten Krisen. Organisation wie Nonviolent Peaceforce (NP) zeigen durch ihre langjährige Arbeit, dass Ziviles Peacekeeping auch in Krisensituationen möglich ist. Die Organisation engagiert sich für den Schutz von Zivilist/innen in Konfliktsituationen, fördert den Friedensaufbau durch die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden und bemüht sich, die Idee gewaltfreier Konfliktbearbeitung in das Bewusstsein und auf die Agenda der internationalen Politik und Gesellschaft zu bringen. Das Team von NP besteht aus rund 300 Friedensfachkräften. Die „zivilen Peacekeeper/innen“ von NP sind derzeit in sechs verschiedenen Ländern aktiv: Südsudan, Irak, Bangladesch, Myanmar, Philippinen und Libanon. Um in Krisenregionen arbeiten zu können, hat NP umfassende Methoden zur Sicherheits- und Risikoanalyse, zum Beziehungs- und Dialogaufbau, zur Schaffung sicherer Räume ohne Waffenpräsenz, Trainings und Advocacyarbeit entwickelt. Denn bei ihnen gilt der Grundsatz, nur wenn das Team selbst sicher ist, kann es auch Anderen Sicherheit gewähren.

Erfolgreich sind die Einsätze deshalb, weil das Gefühl von „Die Welt schaut zu“ Akteure hemmt, Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Die Peacekeeper/innen sind unparteiisch und schaffen Vertrauen und Respekt in den Gemeinschaften und bei den Konfliktparteien. Ziele ihrer Arbeit sind die Rettung von Leben, Deeskalation von Konflikten, Schaden abzuwenden und den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen. Dazu arbeitet NP mit Teams, die aus internationalen und lokalen Fachkräften bestehen.

Die Nachhaltigkeit ihrer Arbeit zeigt sich unter anderem im Südsudan. NP arbeitet dort mit Frauen in ländlichen Gemeinden zusammen und gründete Women Peacekeeping Teams. Seit 2011 wurden rund 15.000 Frauen in unbewaffnetem, zivilem Schutz und Peacekeeping ausgebildet. In einigen Gemeinden sind die Frauenteams über die Jahre zu einer informellen Konfliktlösungsinstanz aufgestiegen. Die aufgebauten Strukturen und lokalen Kontakte ermöglichen NP, auch in neuen Konflikten schnell und flexibel zu reagieren, besonders wenn ein Eingreifen externer Akteure zunächst nicht möglich erscheint. Dies ist jedoch auch davon abhängig, ob NP die entsprechende Finanzierung bekommt. Bei dem Parlamentarischen Frühstück wurde daher angeregt, die Instrumente des Zivilen Peacekeeping in Deutschland auszuweiten und beispielsweise eine Art schnell zu aktivierenden Notfallfonds für zivile Einsätze einzurichten. Ziel der deutschen Politik sollte es sein, in aktuellen Krisen auf Ziviles Peacekeeping zurückzugreifen und den Ansatz entsprechend zu fördern.

Weitere Informationen:

Melanie Bleil, Brot für die Welt
melanie.bleil@brot-fuer-die-welt.de

Links und Literatur:

Nonviolent Peaceforce

Ziviles Peacekeeping
Bund für Soziale Verteidigung e.V.| Informationsblätter | Oktober 2012

Kampagne für ein Ziviles Peacekeeping. Menschen schützen ohne Waffen

Einwände und Antworten zur Wirksamkeit Ziviler Konfliktbearbeitung
Bund für Soziale Verteidigung e.V.| Informationsblätter | November 2012

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