08-01-2019

China als Akteur der Friedensförderung

Bisher galt China nicht als expliziter Friedensakteur, so Pascal Abb vom Austrian Study Centre for Peace and Conflict Resolution (ASPR), der in einem Policy Brief argumentiert, dass China in Zukunft zu einem der größten „peacebuilding“ Akteure aufsteigen könnte.  

Pascal Abb fasst die chinesischen „peacebuilding“ Aktivitäten wie folgt zusammen: Die Beteiligung an Peacekeeping Missionen in Afrika, Konfliktmediation in Ländern der „Belt and Road Initiative“ (BRI) sowie wirtschaftliche Investitionen in fragilen und post-Konfliktkontexten. Insbesondere die Art und Weise sowie der Umfang der wirtschaftlichen Investitionen in Ländern wie Pakistan, Süd Sudan, DRC oder Sri Lanka beeinflusse, so Abb, das normative Modell der chinesischen Friedensförderung.

Auch wenn das „developmental peace“ Modell noch nicht offiziell angenommen wurde, so werde es in chinesischen Akademiker*innenkreisen doch als neues normatives Modell für die Beziehungen zwischen Frieden und Entwicklung diskutiert.

Der Ansatz des „developmental peace“, der sich vom westlichen „liberal peace“ Ansatz abgrenzt, nimmt die Entwicklung Chinas als positives Beispiel für post-Konflikt Stabilisierung und geht davon aus, dass post-Konflikt Gesellschaften durch ein stabiles wirtschaftliches Wachstum langfristig auch soziale Stabilität erfahren. Abb beschreibt die wichtigsten Faktoren des Modells wie folgt:

  1. Der staatlich geförderten wirtschaftlichen Entwicklung wird höhere Priorität eingeräumt als der Förderung von politischen Reformen; 2. Die Stabilität und Macht der politischen Institutionen wird nicht am Grad ihrer Inklusivität sondern am ökonomischen Erfolg des Landes gemessen; 3. Investitionen und technische Hilfe in Drittländer sind nicht an politische Bedingungen geknüpft.

Pascal Abb betont, dass der Rolle Chinas als „peacebuilding“ Akteur größere Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. (Internationale) Friedensakteure sollten sich dabei auf folgende Ebenen fokussieren:

  • Die normative Debatte in China um den „developmental peace“ zwischen der Wissenschaft und Politik beobachten, um rechtzeitig eine kohärente chinesische Strategie der Friedensförderung erkennen zu können;

  • Jene Länder in den Blick nehmen, die große chinesische Investitionen erhalten, wie der Süd Sudan, Afghanistan, Sri Lanka und Pakistan, um zu verstehen unter welchem normativen Rahmen die Zuwendungen dort „vermarktet“ werden;

  • Sich mit chinesischen Akteuren, staatlichen wie zivilgesellschaftlichen, die in post-Konflikt Gesellschaften arbeiten, vernetzen und Erfahrungen austauschen, um einer Konkurrenz um nationale Perspektiven auf Friedensförderung zuvor zu kommen;

  • Und dabei stets darauf hinweisen, dass Projekte in fragilen Kontexten eine soziale Verantwortung tragen und somit inklusiv und nachhaltig gestaltet werden sollten.  

Auch FriEnt hat sich bereits in zwei Fachgesprächen mit den Folgen chinesischer Investitionen in Myanmar und der Mekong-Region befasst, greift das Thema im neuen FriEnt-Briefing zu Wirtschaft und Frieden erneut auf und wird sich auch in Zukunft mit der Rolle Chinas als Friedensakteur auseinandersetzen.

Links und Literatur:

China’s emergence as a peacebuilding actor: From ‘peaceful development’ to ‘developmental peace’?
Pascal Abb | Asia Dialogue | Dezember 2018

China’s emergence as a peacebuilding actor
Pascal Abb | Policy Brief ASPR | April 2018

Wirtschaft und Frieden: Auswirkungen chinesischen Wirtschaftsengagements in Myanmar
FriEnt-Fachgespräch | Juni 2018

Do no harm? Chinesische Investoren in der Mekong-Region
FriEnt-Fachgespräch | Juni 2015

Wirtschaft und Frieden – eine Bilanz: Mit dem Bulldozer Wirtschaften für den Frieden?
Caroline Kruckow und Sylvia Servaes | FriEnt-Briefing Nr. 14 | Januar 2019

Kategorie
,