28-05-2015

FriEnt Nepal-Rundtisch in Kathmandu

Bevor die Erde in Nepal am 25. April 2015 bebte, organisierte FriEnt in Kathmandu vom 18. bis 19. März erstmalig vor Ort einen Rundtisch mit Vertreterinnen und Vertretern der FriEnt-Mitgliedsorganisationen und deren zivilgesellschaftlichen Partnern. Auch wenn die aktuelle Situation in Nepal weitaus herausfordernder ist als noch im März, möchten wir an dieser Stelle über den FriEnt-Rundtisch berichten, dessen Relevanz auch in der jetzigen Situation gegeben ist. Denn nach Katastrophen zeigen Lernerfahrungen, dass gerade in Kontexten mit gewalttätiger Vergangenheit und Fragilität Fragen nach Konfliktsensibilität und Stabilisierung des Friedens wichtig sind. Es hat sich vor allem gezeigt, dass Kontextverständnis, Transparenz und Koordination mit internationalen, vor allem aber mit lokalen Akteuren wichtige Voraussetzungen für einen nachhaltigen konfliktsensiblen Wiederaufbau und eine ebensolche Entwicklung sind.

Von diesen Überlegungen ausgehend hatte der Nepal-Rundtisch zum Ziel, die Teilnehmenden miteinander in Austausch zu bringen. Am ersten Tag wurden aktuelle politische Entwicklungen und Trends sowie Ansätze und Erfahrungen bei der Umsetzung von Konfliktsensibilität in den Blick genommen, die für Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung relevant sind. Am zweiten Tag befassten sich die Teilnehmenden mit Transitional Justice und der Rolle der Jugend in Nepal.

Die unterschiedlichen Hintergründe der Teilnehmenden ermöglichten eine perspektivenreiche, offene und zugleich kritische Diskussion anhand konkreter Beispiele. Wenngleich einige Punkte kontrovers diskutiert wurden, so herrschte doch Einigkeit darüber, dass es sinnvoll und notwendig ist, den Kontext im Land und auch die eigene Rolle im Konflikt gemeinsam zu analysieren und zu diskutieren, um Handlungsoptionen zu entwickeln.

In den Diskussionen zeigte sich Frustration und Resignation gegenüber der ökonomischen und politischen Elite in Nepal, die das Land in einem politischen Vakuum halte und die Bedürfnisse und Interessen der Bürger des Landes nicht wahrnehme. Dies führe zu einem wachsenden Vertrauensverlust in die Regierungsführung, so Devraj Dahal (FES). Alle Beteiligten sahen es als unbedingt notwendig an, dass marginalisierte Gruppen, Frauen und Jugendliche in Entscheidungsprozesse integriert werden. Dies gelte insbesondere für den Transitional Justice Prozess, da 95 Prozent der meist weiblichen Opfer marginalisierten Bevölkerungsgruppen angehörten, so Ram Kumar Bhandari (National Network of Families of Disappeared and Missing, NEFAD). Frieden in Nepal werde nachhaltig jedoch nur durch eine gerechte und faire Verteilung von Ressourcen geschaffen, so Basanta Adikari (Food-first Information and Action Network, FIAN Nepal). Ansatzpunkte bestehen, da die Gesetzeslage und Politiken für soziale Inklusion vorhanden sind. Es mangle jedoch besonders auf lokaler Ebene an Wissen, Kapazitäten und Umsetzungswillen sowohl auf Seiten der Verwaltungsstrukturen wie auch der Bevölkerung.

Alle Beteiligten sahen den Bedarf, diese Form des Rundtisch-Austausches in Nepal fortzuführen. Als erstrebenswert wurde es angesehen, zu einzelnen Themen auch Regierungsvertreter und weitere Schlüsselpersonen einzuladen. Sollte es zu einer Fortsetzung des Rundtisch-Prozesses vor Ort kommen, wird FriEnt diesen im Rahmen des Nepal-Rundtisches weiter begleiten.

Links und Literatur

Erdbeben in Nepal – Konfliktsensible Herausforderungen und Lernerfahrungen

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