17-06-2011

Gesundheitssysteme in (Post-)Konfliktsituationen

Mit einem Fachgespräch am 25. Mai startete FriEnt in eine Veranstaltungsreihe, die sich im Jubiläumsjahr mit aktuellen Herausforderungen an den Schnittstellen von Friedensarbeit und einzelnen Sektoren der Entwicklungszusammenarbeit auseinandersetzt. Das Fachgespräch zu Gesundheit und Friedensarbeit nahm gleichzeitig offen gebliebene Fragen der internationalen FriEnt-Konferenz zu Transitional Justice und Entwicklung im letzten Jahr auf.

Im Gesundheitssektor wurde eine Reihe von Ansätzen entwickelt, die Konfliktsensibilität und Friedensarbeit berücksichtigen. Zum einen stellen sich spezielle Anforderungen an Gesundheitssysteme in Postkonfliktsituationen. Traumaarbeit, der Umgang mit den Folgen sexueller Gewalt oder die Unterstützung von Kriegsversehrten sind hier wichtige Betätigungsfelder geworden. Zum anderen hat die WHO mit dem Konzept „Health as a Bridge for Peace“ einen Ansatz entwickelt, der medizinisches Personal in Postkonfliktsitua-tionen als „Brückenbauer“ zwischen Konfliktparteien schulen und einsetzen möchte. Transitional Justice ist ein dritter Bereich, in dem die Relevanz von konfliktsensibler Gesund-heitsarbeit deutlich, wenn auch nicht allzu häufig umgesetzt wird. Alle drei Ansätze wurden in dem Workshop vorgestellt und diskutiert. Erfahrungen aus Peru, Guatemala, Pakistan und Südafrika standen dabei im Mittelpunkt des Austausches.

Deutlich wurde, dass vor allem bei der Arbeit im Gesundheitssektor nach Konflikten die Verbindungen zur Entwicklungs- wie zur Friedensarbeit weiterentwickelt und gestärkt werden müssen. So haben Erfahrungen mit dem „Health as a Bridge for Peace“-Programm gezeigt, dass auch hier Instrumente der Friedensarbeit stärker genutzt werden könnten, um den Ansatz in Postkonfliktsituationen tragfähig zu machen: Werden beispielsweise bei der Rehabili-tierung von Infrastrukturen oder bei der Auswahl von medizinischem Personal die Konfliktlinien berücksichtigt? Ergeben sich dabei Möglichkeiten, „connectors“, also Konflikt überbrückende Kräfte, zu stärken?

Das Beispiel der peruanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission, die in ihrem Reparationenplan auch die Behandlung von kriegsbedingten gesundheitlichen Schäden vorschlägt, machte deutlich, dass Transitional Justice Mechanismen eine wichtige Grundlage für Wiedergutmachung auch im Gesundheitsbereich bieten können. Gleichzeitig können sie einen Anstoß für die Umsetzung von Rechten geben, die einem Großteil der Bevölkerung bereits vor dem Krieg verweigert wurden – was häufig eine zentrale Konfliktursache darstellte.

Weitere Elemente, die in den Beiträgen und der Diskussion hervorgehoben wurden, betreffen die Bedeutung, Opfergruppen in der Kenntnis ihrer Rechte und deren Umsetzung zu stärken; gleichzeitig staatliche Stellen in Stand zu setzen, ihre Pflichten einzulösen, zu denen auch der Schutz der Gesundheit ihrer Bevölkerung gehört. Eine einseitige Arbeit nur mit zivilgesellschaftlichen Gruppen oder nur mit staatlicher Seite würde in jedem Fall zu kurz greifen. Wichtig erschien den Teilnehmenden zudem ein Ansatz, der die Verbindung zu weiteren Sektoren im Blick behält, beispielsweise dem Bildungssektor. Damit gehöre zu einer effektiven Arbeit auch die Verbindung sowohl zwischen verschiedenen Abteilungen innerhalb der einzelnen Organisationen als auch zwischen unterschiedlichen Organisationen, deren Arbeit einander ergänze.

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