04-07-2017

GIZ | A Girl’s Game? Ganggewalt in Cape Town

„Die Debatte um Ganggewalt in Südafrika wird fast ausschließlich von Ansätzen der Strafjustiz dominiert, eine Diskussion über entwicklungspolitische Ansätze, die beispielsweise in Zentralamerika angewandt werden, findet nicht statt.“ So Mark Shaw, Direktor der Global Initiative against Transnational Organized Crime, bei einer GIZ internen Veranstaltung des Sektorprogramms „Frieden, Sicherheit, Katastrophenrisikomanagement“ zu der von der Global Initiative veröffentlichten Studie „Gangs, violence and the role of women and girls“.

Die vom BMZ in Auftrag gegeben Studie beleuchtet, welche Rollen und Funktionen Frauen und Mädchen in den kriminellen Banden Südafrikas innehaben, und inwiefern auf Ganggewalt mit einem geschlechtsspezifischen Ansatz reagiert werden könnte. Dafür wurden 30 weibliche Gangmitglieder in Kapstadt interviewt. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehört, dass die Zugehörigkeit zu einer Gang von den meisten Interviewpartnerinnen mit sozialer Aufwertung und Sicherheit assoziiert wurde. Es stellte sich außerdem heraus, dass Frauen - ähnlich wie Männer - an (Gewalt-) Verbrechen wie Mord, Erpressung und Drogenhandel beteiligt sind. Nichtsdestotrotz werden Frauen weitgehend von Führungspositionen in den Gangs ausgeschlossen. Neben den Gefahren, denen alle Gangmitglieder ausgesetzt sind, sind Frauen und Mädchen im besonderen Maße vulnerabel gegenüber geschlechtsspezifischen Gewaltphänomenen. So gehört sexuelle Ausbeutung oft seit ihrer Kindheit zu ihrem täglichen Leben. Alle 30 Interviewpartnerinnen haben von sexuellem Missbrauch – teilweise im familiären Umfeld – berichtet. Geschlechtsverkehr gilt in den Gangs als eine Art „Zahlungsmittel“. Doch nicht nur in den Gangs, sondern auch im Umgang mit dem Strafjustizsystem laufen weibliche Gangmitglieder Gefahr, Opfer von (sexuellem) Missbrauch zu werden. Problematisch erscheint in diesem Zusammenhang auch, dass Frauen verstärkt als Spitzel angeworben werden und dementsprechend unter extremer Überwachung der anderen/männlichen Gangmitglieder stehen. Aus diesen Ergebnissen haben Marc Shaw und Luke Lee Skywalker (Doktorand, University of Cape Town) einen Policy Orientierungsrahmen entwickelt, der kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen vereint, die dazu beitragen sollen, die Beteiligung von Frauen in der organisierten Kriminalität zu reduzieren.

Im Anschluss an die Vorstellung der Studie entspann sich eine lebhafte Diskussion zwischen den Teilnehmenden. Dabei wurde neben der Rolle der südafrikanischen Polizei auch über potentielle Maßnahmen und die Rolle der GIZ in diesem Bereich diskutiert, die bereits seit Jahren zu Primärpräventionsmaßnahmen tätig ist. Jedoch habe die GIZ noch wenig Erfahrung zu Tertiärprävention, also der Prävention einer weiteren Verfestigung der bereits bestehenden Gangstrukturen in Kapstadt sammeln können - und auch das Thema „Frauen in Gangs“ ist Neuland. Es stellte sich daher auch die Frage, inwiefern die EZ wirklich direkt bei den Frauen „on the ground“ ansetzen könne. Vielmehr hätte die GIZ doch beispielsweise im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit mit südafrikanischen Institutionen ein starkes Netzwerk gebildet, das vor allem auf Regierungsebene einen langfristigen Ansatz ermöglichen würde. Mark Shaw führte an, dass er die Rolle der EZ auf allen Ebenen seines Modells sehen würde. So könnten neben finanziellen Förderungen auch Räume für den sicheren Austausch der verschiedenen Akteure kreiert werden. Auch die Zivilgesellschaft und andere in diesem Bereich tätige Organisationen könnten von internationaler Hilfe profitieren.

Weitere Informationen:

Linda Helfrich, GIZ
linda.helfrich@giz.de

Links und Literatur:

Gangs, violence and the role of women and girls: Emerging themes and policy and programme options drawn from interviews with female gang members in Cape Town
Global Initiative against Transnational Organized Crime | April 2017

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