26-10-2017

GIZ | „Daddeln“ für den Frieden – Der Einsatz von Serious Games im Projekt Peace Support Yemen

„‘Serious Games‘ sind Spiele-Apps mit einer Botschaft, also Spiele mit einem pädagogischen Ziel. Sie dienen nicht der reinen Unterhaltung“, so Philipp Busch von der GIZ. „Mit dieser Methode kann Wissen durch einen spielerischen Ansatz vermittelt werden und somit zu erhöhter Motivation, verbessertem Lern-Output sowie zu langfristigen Verhaltensänderung führen. Die Stärke eines ‘Serious Games‘ im Vergleich zu traditionellen Medien, liegt in seiner Interaktivität. Nutzende können direkt die gelernten Inhalte anwenden, anstatt sie lediglich zu konsumieren.“

‘Serious Games‘ werden bereits in unterschiedlichsten Szenarien mit großen Erfolgen eingesetzt. Beispielhaft stehen hier Marketingkampagnen zur Absatzsteigerung und Kundenbindung, Lernspiele zur Simulation und Kompetenzentwicklung sowie zahlreiche weitere Anwendungsgebiete in der Wissenschaft und Forschung.

In der Entwicklungszusammenarbeit können diese ‘Seriösen Spiele‘ genutzt werden, müssen jedoch den jeweiligen Kontexten angepasst werden. Dies ist im Rahmen des GIZ-Vorhabens „Peace Support Yemen“ geschehen. Um ein Spiel zu kreieren, welches auf die Zielgruppe und den jemenitischen Kontext angepasst ist, wurde ein dualer Kick-Off Workshop in Sanaa, Jemen und Amman, Jordanien, durchgeführt. Der Workshop wurde mit Hilfe der Design Thinking Methode konzeptioniert, welche einen strukturierten Innovationsprozess zur Problemlösungsfindung ermöglicht.

Die Spiele

Während des Workshops wurden die Grundlagen für die Spiele bezüglich Spielansatz und Story gelegt. Unterschiedliche Spielansätze sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Die beiden ersten Apps "The Secrets of Arabia Felix I" und "II" benutzen den Spielansatz des "Point-and-Click Adventures". In einem erdachten jemenitischen Dorf, welches sich aus unterschiedlichen realen architektonischen Stilen des Jemen zusammensetzt, steuert der/die Spieler/in einen männlichen oder weiblichen Spielcharakter, erforscht die Geheimnisse eines vergangenen Königreichs und muss die Dorfbewohner/innen vereinen, um seine/ihre Ziele zu erreichen. Die Apps übersetzen Botschaften der Friedensförderung, Entwaffnung und Wiedervereinigung in eine spielvolle Atmosphäre und richten sich an eine Zielgruppe zwischen 18 und 30 Jahren. Der Ansatz der dritten App wird als "Endless Runner Game" bezeichnet und hat den Titel "Eduo Run". Die Spielenden, zwischen 14 und 25 Jahren, können wieder zwischen einer männlichen oder weiblichen Spielfigur wählen und müssen in einem Geschicklichkeitsspiel Symbole und Artefakte der jemenitischen Kultur zurückerlangen, um die ursprüngliche Diversität des alten Jemen wiederherzustellen. Die vierte App "Eduo Quest" zielt auf ein jüngeres Publikum zwischen 8 und 14 Jahren und verdeutlicht die Wichtigkeit von Bildung. In einer Mischung aus Story und Minispielen zeigt das Spiel auf, dass der Bildungsweg Voraussetzung für das Erreichen der individuellen Ziele und Träume ist und gleichzeitig Spaß machen kann. Alle Spiele können auf englischer und arabischer Sprache gespielt werden.

Ausblick

Ein Prototyp des Spiels ist bereits im Google-Playstore verfügbar. Bis Ende des Jahres sollen drei weitere Apps zur Verfügung stehen. Unterstützt werden die Botschaften der interaktiven Spiele durch eine professionell begleitete Social Media Plattform, auf der sich die Zielgruppe über die gemachten Erfahrungen und Erlebnisse in den Spielen austauschen kann und sich Jemenit/innen aus unterschiedlichen Regionen digital verbinden können.

Der konfliktreiche Kontext im Jemen stellt die Bemühungen der internationalen Zusammenarbeit vor große Herausforderungen. Ein Vorteil des vorgestellten Projektansatzes ist die digitale Verbreitung der Friedensbotschaften. So lange Zugriff auf das Internet besteht, kann die Zielgruppe erreicht werden - mit dem Ziel eine Verhaltensänderung zu initiieren und einen Beitrag zur Friedensförderung im Jemen zu leisten.

Weitere Informationen:

Dr. Naseef Naeem, GIZ
naseef.naeem@giz.de

Dr. Günter Podlacha, GIZ
guenter.podlacha@giz.de

Philipp Busch, GIZ
philipp.busch@giz.de

Links und Literatur:

Video: GIZ: Serious Games for the Peace Support in Yemen. 2017

Link zur Facebook Community auf der die Apps veröffentlicht werden

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