26-06-2019

GIZ | Dialog für Soziale Kohäsion – Wie können wir zusammen(-)wachsen?

„Dieses Dialogprojekt hat gezeigt, dass es jetzt eine junge Generation von Syrer*innen und Türk*innen gibt, die sich für den Frieden zwischen unseren Gemeinschaften einsetzt – und dass es unsere Pflicht ist, sie dabei zu unterstützen", sagt Seba Hamsho, eine Lehrerin aus Syrien, die derzeit in der Südtürkei lebt. „Gerade weil die Spannungen zwischen den beiden Gruppen zunehmen, brauchen wir jetzt Initiativen wie diese, die das Gute an unserem Zusammenleben sehen und sich davon nicht abbringen lassen“.

 

Frau Hamsho ist eine von zwei Dutzend türkischen und syrischen community leaders, die sich im Rahmen eines mehrmonatigen „Dialogs für Soziale Kohäsion“ darüber austauschten, wie die Städte Gaziantep und Sanliurfa in der Osttürkei in den kommenden Jahren zu Orten werden können, in denen alle Bewohner*innen – ob türkisch oder syrisch – in Frieden zusammen leben und dabei zusammenwachsen können. Der Dialog für soziale Kohäsion ist der jüngste einer Reihe von generationenübergreifenden Dialogen zu sensiblen Themen, die vom GIZ-Sektorprogramm „Förderung von Gleichberechtigung der Geschlechter und Frauenrechten“ in zehn verschiedenen Ländern Afrikas, Asiens und Europas unterstützt wurden. Dieser Dialog wurde vom GIZ-Bildungsprogramm für syrische Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden (BILSY) durchgeführt. Von den 3,6 Millionen Menschen aus Syrien, die seit 2011 in der Türkei unter Schutz stehen, haben sich rund 425.000 in Gaziantep und 450.000 in Sanliurfa niedergelassen. Ihre Ankunft hat das Leben in beiden Städten verändert, was einerseits zu einem starken Wirtschaftswachstum führt, andererseits aber auch zu erheblichem Druck auf die Sozialdienste, den Wohnungsmarkt und die Schulen. Besorgniserregend ist, dass sich in den letzten zwei Jahren negative Stereotype herausgebildet haben und gegenseitige Distanz zwischen der Aufnahme- und der Flüchtlingsbevölkerung gewachsen ist. Die Situation in beiden Städten hat sich verschärft und Gewalttaten zwischen Türk*innen und Syrer*innen haben zugenommen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, initiierten 24 türkische und syrische Jugendleiter*innen, die zuvor als ehrenamtliche Multiplikator*innen für soziale Kohäsion ausgebildet wurden, in Gaziantep und Sanliurfa den „Dialog für Soziale Kohäsion“. Sie fanden sich dafür in türkisch-syrischen Paaren zusammen, um gemeinsam Gespräche mit community leaders beider Nationalitäten – darunter Professor*innen, Künstler*innen, Lehrer*innen, Ärzt*innen und NGO-Mitarbeiter*innen – über deren Vision eines neuen Gaziantep und neuen Sanliurfa zu führen. Im Fokus waren dabei die Potenziale, die das Zusammenleben der neuen und alten Bevölkerungsgruppen birgt und die Orte und Anlässe, an denen sie bereits Anzeichen für ein positives Miteinander und das Entstehen sozialen Zusammenhalts wahrgenommen hatten. Die Dialogmethode, auf die sich diese Maßnahme stützt, geht davon aus, dass wertschätzendes Zuhören und ein Fokus auf Potenziale und vielversprechende Momente dazu beitragen, dass diese mehr Gewicht in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Wahrnehmung Einzelner gewinnen, und so auch ihre gemeinschaftliche Gestaltung der Zukunft in konstruktiver Weise beeinflussen. Im Anschluss an ihre Gespräche trafen sich die Jugendlichen, um sich über die Ergebnisse auszutauschen und zu diskutieren, welche Werte und zukunftsweisenden Überzeugungen beide Gemeinschaften zu verbinden scheinen. Sie begannen, ihre eigene Vision für ihre Städte zu entwickeln und darüber nachzudenken, welche Art von Unterstützung sie benötigen, um sie zu verwirklichen. Am 24. Februar stellten sie diese Überlegungen bei einem Futures Forum den am Dialogprojekt beteiligten community leaders vor und diskutierten sie mit ihnen. Knapp 100 Personen nahmen an dem Forum teil, bei dem die Jugendlichen Diskussionsgruppen im World Café-Format moderierten. Parallel eröffneten sie eine Ausstellung „How can we grow together?“ und eine Webseite mit Auszügen aus den Gesprächen über das neue Gaziantep und Sanliurfa ging online. So konnten die Perspektiven, die sich ihnen in den Gesprächen eröffnet hatten, mit möglichst vielen Menschen geteilt werden. „Ich war in meinem Leben schon an vielen Projekten beteiligt, aber dieses war auch für mich außergewöhnlich. Die Interkulturalität ist heute ein so wichtiger Aspekt im Leben von uns allen, und es war einfach besonders fruchtbar, dass junge Menschen und Studierende direkt mit den Verantwortlichen der Gemeinschaften gesprochen haben. Denn sie sind einfach die Brücke zwischen den Gemeinschaften und zwischen den Generationen", sagt Ayşegül Çelebioğlu, eine Frauenrechtsaktivistin aus Gaziantep. "Ich denke, es ist wirklich wichtig, dass dieses Projekt in anderen Städten der Türkei wiederholt wird". Obwohl das Dialogprojekt mit dem Futures Forum formal endete, steht der Dialogprozess als solcher erst am Anfang. Über Ausstellung, Website und soziale Medien wird er sich in den kommenden Wochen und Monaten weiterverbreiten. Die Ausstellung wurde im Rahmen der BILSY-Abschlusskonferenz am 10. und 11. April in Ankara gezeigt, um in Anschluss an weitere Orte in der Türkei und Deutschland zu reisen.

 

Weiterführende Informationen:

 

Irem Yildiz, GIZ

 

irem.yildiz@giz.de Nora Valenzuela Llorente

 

nora.valenzuela@giz.de

 

Links und Literatur:

 

Intergenerational and Community Dialogues

 

Website People in Dialogue

 

Ausstellung „How can we grow together?“ mit Auszügen aus den Gesprächen

 

BILSY-Abschlusskonferenz in Ankara

Kategorie
, ,