30-09-2019

GIZ | Friedensfonds in Kolumbien endet. Zwei Jahre, 25 Projekte, 10.400 Menschen

Wie viel Wirkung ist mit Kurzzeit-Unterstützung zivilgesellschaftlicher Projekte zu erreichen? Und wie nachhaltig können solche Prozesse sein? Der Friedensfonds Vivir la Paz in Kolumbien resümiert und stellt fest: Viele Wirkungen sind möglich, und sie sind spürbar. Der Fonds hat zivilgesellschaftliche Organisationen in Kolumbien dabei begleitet, das Friedensabkommen, das die Regierung und die Ex-Guerilla FARC vor drei Jahren geschlossen hatten, für betroffene Menschen spürbar zu machen. 25 Projekte haben in einem Zeitraum von zwei Jahren mit unterschiedlichen Ansätzen ausgewählte Themen des Friedensabkommens vorangetrieben. Sie haben unter anderem zur systematischen Suche nach Verschwundenen beigetragen, psychologische Hilfe bei der Verarbeitung von Gewalterfahrungen geleistet und ehemalige Feinde miteinander ins Gespräch gebracht. Bei rund 3700 Männern, Frauen und Kindern haben sie positive Veränderungen angestoßen, so die Auswertung der in den Projekten erfassten Daten. Indirekt profitierten demnach sogar 10.400 Menschen von den Projekten – als Angehörige von Gewaltopfern, Verschwundenen oder einstigen Kämpfer*innen.

Ist das viel? Ist das wenig? Auf jeden Fall sind es konkrete Ergebnisse, die in einer politischen Zeit in Kolumbien erreicht wurden, in der der hoffnungsvolle Friedenswind nachlässt und Kritik, Enttäuschung, Misstrauen und Gewalt sich Raum zurückerobern.

Fünf der vom Friedensfonds unterstützten Projekte begleiteten psychologisch mehrere hundert Familienangehörige bei der Rekonstruktion des manchmal Jahrzehnte zurückliegenden Verschwindens ihrer Verwandten und schulten sie zudem in juristischen und methodischen Schritten. Dadurch wurde die Dokumentation von rund 500 neu erfassten, vermissten Menschen zur Übergabe an die zuständige Stelle der Suche nach Verschwundenen fertig gestellt.  

Sechs Projekte erreichten, dass etwa 550 ehemals verfeindete Frauen und Männer - unter ihnen Ex-Guerilleras*os, Soldaten und zivile Opfer – miteinander die Konfliktaufarbeitung angingen, sich zuhörten, redeten und versuchten zu verstehen. Diese Menschen gaben anderen damit Impulse für ein neues und friedvolles Zusammenleben.

Wiederum andere Projekte arbeiteten mit Frauen und Indigenen an der Stärkung ihrer Position in der Friedensentwicklung. Sie ermutigten und unterstützten die Frauen darin, ihre Gewalterfahrungen während des Konflikts aufzuarbeiten und mit kommunikativen und kreativen Strategien in die Umsetzung des Friedensabkommens einzubringen. So erzählten insgesamt 425 Frauen als YouTuberinnen, Fotografinnen, Schreibende oder Kampagnen-Aktivistinnen ihre ganz persönliche Geschichte. Unter Berücksichtigung ihrer indigenen Kosmovision verbreiteten 80 Personen aus dem Volk der Misak-Indigene die eigene Strategie zum Friedensprozess innerhalb ihres Volkes.

Zuletzt reagierte der Friedensfonds auf die gesellschaftspolitische Entwicklung und rief zu Projektvorschlägen zum Schutz und Selbstschutz von Friedensaktivist*innen auf, deren Leben im derzeitigen Kolumbien zunehmend gefährdet ist. Seit dem Inkrafttreten des Friedensabkommens Ende 2016 hat die Zahl der ermordeten Aktivist*innen stetig zugenommen. Allein in diesem Jahr sind bis Mai 80 Frauen und Männer, die sich für den Frieden einsetzten, ermordet worden.  

Um dieser neuen Gewaltwelle mit Solidarität und Schutzstrategien entgegenzutreten, schulten mehrere Projekte Friedens- und Menschenrechtsaktivist*innen. Knapp 400 von ihnen können sich nun besser schützen und im Notfall Netzwerke schnell und auch per digitaler App aktivieren. Die Hoffnung dabei ist: dem Schlimmsten zu entgehen. So, wie es Orlando versucht, ein afrokolumbianischer Friedensaktivist. Im letzten der vier vom Friedensfonds beauftragten Videos erzählt er, wie seine Gemeinde, nach jahrelang erlittenen Gräueltraten durch verschiedenste Täter*innengruppen, ihren Schutz selbst in die Hand nahm. Mit internationaler Hilfe erarbeiteten sie sich ihren „humanitären Raum“ (espacio humanitario) in der Pazifikhafenstadt Buenaventura. Dort leben die Menschen heute zwar immer noch in Armut, doch das fast tägliche Morden gehört inzwischen der Vergangenheit an. Damit das auch trotz der vielerorts in Kolumbien wiederausbrechenden Gewalt durch Guerilla, Dissidenten, Paramilitärs, kriminelle Banden oder das organisierte Verbrechen so bleibt, setzen die Menschen im Espacio humanitario weiterhin auf Sichtbarkeit ihres Ansatzes - vor allem durch eine breite internationale Unterstützung.

Weiterführende Informationen:

Britta Scholtys, GIZ
britta.scholtys@giz.de 

Links und Literatur:

Taking Action to live (Spanisch mit englischem Untertitel): https://youtu.be/P7sgN7iueWs

Telling the Peace (Spanisch mit englischem Untertitel): https://youtu.be/bIqQM6C_opo

Recomposing (Spanisch mit englischem Untertitel): https://youtu.be/RDmAiLYPBFw

The Quest (Spanisch mit englischem Untertitel): https://youtu.be/698QHXXoMMo 

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