18-12-2019

GIZ | Gewaltfreie Bearbeitung von Ressourcenkonflikten im Sahel

Klimawandel, geopolitische Unsicherheit und eine zunehmende Verbreitung von Waffen verschlechtern die Sicherheitslage in der Sahelregion zunehmend. Zum Schwerpunktthema Ressourcenkonflikte richtete die hohe Behörde für Friedenskonsolidierung (HACP: Haute Autorité à la Consolidation de la Paix) mit gemeinsamer Unterstützung des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) und des Frexus (Nexus in fragilen Staaten) Programms (beides Vorhaben der GIZ) Mitte November eine internationale Konferenz aus. Mehr als 150 Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft aus 13 Ländern kamen in der Hauptstadt Niamey zusammen, um das hochaktuelle Thema aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren.

Die Botschafterin der Europäischen Union im Niger, Denisa-Elena Ionete, der deutsche Botschafter Hermann Nicolai, und der Präsident der HACP, General Mahamadou Abou Tarka, betonten in ihren Eröffnungsreden, dass die lokalen Konflikte um natürliche Ressourcen in den Grenzgebieten Nigers nun eine weitere Dimension erhielten: den Kampf gegen internationalen Terrorismus. 

Der Wissenschaftler Boubacar Ba führte in das Thema Radikalisierung und gewaltsamer Extremismus ein. In der von ihm untersuchten Macina Region im Niger-Binnendelta von Mali gäbe es keine staatliche Präsenz und bewaffnete Gruppen konkurrierten ungehindert miteinander. Externe, extremistische Akteure, die mit Waffen aus Libyen ausgestattete sind, nutzen die starken Polarisierungen verschiedener (ethnischer) Gemeinschaften und verschieben so die Machtverhältnisse in lokalen Konflikten. Ein Dialog der Konfliktparteien könne nur dann zielführend sein, wenn man sich mit dem sozio-historischen Hintergrund vor Ort auseinandersetze. In der anschließenden Diskussion einigten sich die Expert*innen darauf, Strukturen zu fördern, die den Staat in der friedlichen Beilegung der lokalen Ressourcenkonflikte stärken. Nur so könne man externen Gewaltakteuren den Nährboden für neue Rekrutierung entziehen.

Landmanagement und die Verwaltung der natürlichen Ressourcen stehen unter steigendem Druck, da der Bedarf an Acker- und Weideflächen steigt, die Erträge der Ernte jedoch gleichzeitig sinken. Dies führt bereits heute zu einem erhöhten Konfliktpotential zwischen Produzent*innen verschiedener Wirtschaftszweige. Eine Vorgehensweise des ZFD ist es deshalb, die zuständigen Institutionen und bestehenden Mechanismen zur Krisenprävention zu stärken. Das Programm unterstützt zum Beispiel die dezentralen Strukturen der staatlichen Behörde für Bodenrecht (Code Rural) in Niger und die Transhumanz (Wanderweidewirtschaft)-Komitees in Benin. Die Teilnehmer*innen der Konferenz sprachen sich dafür aus, die Zusammenarbeit der verschiedenen Wirtschaftszweige zu fördern und die Kooperation auf allen staatlichen Ebenen voranzutreiben. 

Im Umgang mit Schutzgebieten standen zwei Herausforderungen im Vordergrund: Einerseits regt die geschützte Biosphäre Begehrlichkeiten, da umliegende Landwirte ihre Böden nicht mehr ausreichend bestellen können und durchreisende Hirten immer größere Probleme haben im Umland der Schutzgebiete Futter und Wasser für ihre Herden zu finden. Andererseits bieten die Gebiete aufgrund der niedrigen Bevölkerungsdichte und dem schwer zugänglichen Terrain einen idealen Schutz für bewaffnete Gruppen, die durch Wilderei und Entführungen von Touristen hohe Einnahmen erwirtschaften. Um dem entgegenzuwirken, so hielten die Teilnehmer*innen der Konferenz fest, bedarf es Lösungen, die den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung entsprechen. In Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung können auch Informationen über illegale Aktivitäten in den Parks besser verbreitet und ausgetauscht werden.

Andreas König, Landesdirektor der GIZ Niger, dankte allen Teilnehmenden für ihre fantastischen Beiträge und die eindrucksvolle Mitwirkung und Diskussionsfreude. König betonte, dass die gewaltfreie Bearbeitung von Konflikten ein Schlüsselelement der Strategie der GIZ im Sahel und in ganz Westafrika sei.

Weitere Informationen:

Marius Bayer, GIZ
marius.bayer@giz.de

 

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