30-10-2019

GIZ | Prävention von gewalttätigem Extremismus in der Entwicklungszusammenarbeit

Gewalttätiger Extremismus und Radikalisierung stellen die internationale Entwicklungszusammenarbeit vor große Herausforderungen: Extremistische Gruppierungen instrumentalisieren oftmals Entwicklungsprobleme wie Ungleichheit, Armut und schlechte Regierungsführung für ihre Anwendung von Gewalt. Extremistische Gewaltakte verschärfen dabei bestehende (innenpolitische) Konflikte, erhöhen die Fragilität betroffener Staaten und verstärken gesellschaftliche Polarisierungstendenzen. Viele betroffene Staaten stehen vor der realen Gefahr, dass gewalttätiger Extremismus einen großen Teil des in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Entwicklungsfortschritts zunichtemacht. Nach über einer Dekade des war on terror hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Sicherheitsmaßnahmen alleine nicht ausreichen, weder um Menschen davon abzuhalten, sich an gewalttätigen Extremismus zu beteiligen, noch um Menschen vor extremistischer Gewalt zu schützen.

Notwendig ist die Gestaltung von friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften, welche der Radikalisierung den Nährboden entziehen. Unter Preventing Violent Extremism (PVE) wird ein holistischer präventiver Ansatz verstanden, der maßgeblich auf das entwicklungspolitische Instrumentarium setzt und sich an den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDG) der Agenda 2030 ausrichtet. Insbesondere SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) bietet wichtige Anknüpfungspunkte für die Bearbeitung von gewalttätigem Extremismus in der internationalen Zusammenarbeit, indem Ursachen für Konflikt, Fragilität und Gewalt bearbeitet und Rahmenbedingungen für eine friedliche und inklusive Entwicklung geschaffen werden.

Die Besonderheit und der Anspruch an wirksame PVE-Maßnahmen ergeben sich u.a. dadurch, dass Radikalisierungsverläufe individuell unterschiedlich sind, auch wenn es oft Ähnlichkeiten und gemeinsame Elemente gibt. Im Allgemeinen wird zwischen zwei Treibern unterschieden, die extremistische Gewalt begünstigen: Strukturellen Bedingungen und sogenannte perzeptive Verstärkungsfaktoren. Zu den strukturellen Bedingungen gehören u.a. genderspezifische Konstruktionen, verbreitete Armut, ökonomische und soziale Disparitäten sowie eine schwache staatliche Leistungsfähigkeit, eingeschränkte bürgerliche Freiheiten und staatliche Repression. Verstärkungsfaktoren beschreiben die persönlichen, individuellen Motivationen und Prozesse, die relevant sind für Radikalisierungsverläufe. Persönlich empfundene Perspektivlosigkeit, Unzufriedenheit und Kränkung können individuelle Sinn- und Identitätskrisen sowie gruppenbezogenen Hass erzeugen und die Radikalisierung begünstigen. In der Regel handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel dieser Faktoren, welches das Entstehen von gewalttätigem Extremismus begünstigt.

Projekte im Umfeld der Extremismusprävention erfordern ein außerordentlich hohes Maß an politischem und interkulturellem Fingerspitzengefühl sowie exzellente Kenntnis der Akteurs- und Konfliktkonstellationen im jeweiligen Projektkontext. Hierbei ist die Frage der Auswahl der Partner und beteiligter Gruppen zentral. Die Maßnahmen zur Bearbeitung struktureller Ursachen und der verstärkenden Faktoren können über unterschiedlichen Handlungsfeldern adressiert werden. Wichtige grundlegende Prinzipien für die internationale Entwicklungszusammenarbeit in der Bearbeitung von gewalttätigem Extremismus werden in dem vorliegenden Positionspapier vorgestellt.

Weiterführende Informationen:

Andreas Auer, GIZ
andreas.auer@giz.de

Links und Literatur:

Prävention von gewalttätigem Extremismus
GIZ | Eschborn 2019

 

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