30-09-2019

GIZ | Stärkung der Versöhnungsprozesse in Sri Lanka: Soziale Medien als Mittel zum effektiven Erreichen von Zielgruppen in der Friedensförderung

Im Nachgang zu den Bombenanschlägen in Sri Lanka am Ostersonntag 2019, in denen Selbstmordattentäter einer lokalen, radikal islamistischen Gruppierung mindestens 253 Menschen töteten und 485 weitere verletzten, eskalierten gewalttätige Ausschreitungen gegen Muslime auf der ganzen Insel. Dabei wurden soziale Medien wie Facebook genutzt, um Hass zu schüren und die Angriffe auf muslimische Bürger*innen, Geschäfte und Moscheen zu koordinieren. Im Zuge dieser Unruhen kam ein Mensch ums Leben; im März 2018 wurden infolge einer weitläufigen Verbreitung von hate speech in sozialen Medien in ähnlichen gewaltsamen Ausschreitungen gegen Muslime bereits drei Menschen getötet. 

Die Angst vor der Verbreitung von hate speech und fake news sowie vor der zerstörerischen Rolle, die soziale Medien beim Anzetteln von Gewalt spielen können, sei der Grund für die Regierung Sri Lankas gewesen, mehrmals den Zugang zu verschiedenen sozialen Medien zu sperren. Diese können aber auch eine positive Rolle im Transformationsprozess Sri Lankas spielen. Unterschiedliche Plattformen wurden beispielsweise bereits genutzt, um öffentlich demokratische Prozesse zu unterstützen oder um gewaltfreien Widerstand gegen den Missbrauch exekutiver Macht durch Sri Lankische Politiker*innen zu organisieren. 

Soziale Medien stellen dementsprechend aus mehreren Gründen einen höchst relevanten Interventionsbereich für das GIZ-Projekt zur Stärkung der Versöhnungsprozesse in Sri Lanka (Strengthening Reconciliation Processes, SRP) dar. Seit Dezember 2018 hat SRP sowohl eine Faceboook-Seite als auch einen Instagram-Account. Diese Kanäle dienen zum einen dem Ziel, die Sichtbarkeit von Initiativen zu erhöhen, die durch SRP unterstützt werden. Zum anderen sollen sie den öffentlichen Diskurs zu Themen wie Versöhnung, Toleranz und kultureller Vielfalt fördern und damit einen friedensfördernden Beitrag leisten, der hate speech entgegenwirkt und die Versöhnungsprozesse in Sri Lanka nachhaltig stärkt.

Facebook Analysetools für maßgeschneiderte Kommunikation in sozialen Medien

Der Großteil der Nutzer*innen von sozialen Medien in Sri Lanka nutzt Facebook (ca. 6 Millionen Menschen), was es zu einer geeigneten Plattform macht, um die Sichtbarkeit von SRP und seinen Partnerinitiativen zu erhöhen sowie den öffentlichen Diskurs um Versöhnung zu fördern. Darüber hinaus ermöglicht Facebook es SRP, verschiedene Formate auszuprobieren: Stories, Facebook Lives, 4x3 Posts, 9:16 Posts, Videos oder einfache textbasierte Artikel. Seit kurzem ist es auch möglich, auf Facebook längere Videos zu teilen. Dementsprechend kann SRP umfangreichere Videos produzieren, die tiefere Einblicke in die Arbeit des Projekts gewähren oder relevante Themen ansprechen.

Die auf Facebook verfügbaren Analysetools sind dabei ein hilfreiches Mittel, um festzustellen, welche Inhalte gut und welche weniger gut bei den Nutzer*innen ankommen. Da sich das Projekt mit Versöhnung und damit einem sehr sensiblen Thema beschäftigt, kann es vorkommen, dass sich verschiedene Gruppen durch bestimmte Inhalte angegriffen oder ausgeschlossen fühlen, oder dass sie grundlegend anderer Meinung sind. Die Facebook Analysetools ermöglichen es SRP, die Höhen und Tiefen der Posts entsprechend zu analysieren. Wenn ein großer Abfall in der Aufmerksamkeit von Nutzer*innen, zum Beispiel während des Ansehens eines Videos, zu verzeichnen ist, kann angenommen werden, dass ein bestimmtes Bild, ein bestimmter Text oder bestimmte Musik bei der Mehrheit der Nutzer*innen nicht auf Interesse gestoßen ist. Basierend auf diesen Einblicken ist es SRP bei den nächsten Posts möglich, einen solchen Rückgang an Aufmerksamkeit zu vermeiden, indem die Inhalte vorheriger Posts analysiert und ihre „Mängel“ behoben werden.

Instagram für „snackable content“

Instagram hat in Sri Lanka ca. 1,1 Million Nutzer*innen und wird von SRP insbesondere zum Generieren von kurzem, sogenannten „snackable content“ für ein jüngeres Zielpublikum genutzt. Es ist allgemein bekannt, dass jüngere Generationen aufgrund der Massen an Inhalten, mit denen sie täglich konfrontiert sind, kürzere Aufmerksamkeitsspannen haben und es deswegen schwieriger ist, ihr Interesse zu wecken. Um dies dennoch zu erreichen, lässt sich das SRP-Team von Trends auf Instagram inspirieren und versucht, Inhalte zu generieren, die zwar kurz sind aber dennoch Interesse an größeren Zusammenhängen wecken. Während SRP auf Facebook beispielsweise ein Video posten würde, das eine komplette Partnerinitiative vorstellt, würde auf Instagram lediglich ein kurzes Foto-Interview mit einer Person gepostet werden, die in der entsprechenden Initiative aktiv ist. Der Instagram-Post würde dann dazu einladen, die Facebook-Seite mit der längeren Geschichte zu besuchen. Instagram ermöglicht es SRP somit, personalisiertere Inhalte zu zeigen – Elemente, die in längeren Berichten über Partnerinitiativen oft verloren gehen.

Hate speech und fake news stellen Gesellschaften im digitalen Zeitalter vor Herausforderungen, denen sich auch GIZ-Projekte wie SRP stellen müssen. Dabei ist es wichtig, nicht nur die Erarbeitung von policies und Gesetzen zum besseren Umgang mit diesen Phänomenen zu unterstützen – auch das friedensfördernde Potenzial von sozialen Medien muss erkannt und genutzt werden.

Weitere Informationen:

Jannike Riesch, GIZ
jannike.riesch@giz.de

Links und Literatur: 

SRP Facebook-Seite

SRP Instragram-Account

Beispiel für ein Video, das auf Facebook für kulturelle Vielfalt wirbt

Beispiel für ein Video, das an gewaltsame Ausschreitungen erinnert und die Wichtigkeit von Versöhnung unterstreicht

Beispiel für ein kurzes Instagram-Video über eine Partnerinitiative

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