01-09-2015

GIZ: Steuerung und Management von Friedensvorhaben in fragilen Kontexten

Im März 2015 ging nach rund acht Jahren das Vorhaben der GIZ zur Friedensentwicklung in Kolumbien, „Cercapaz“, zu Ende. Die Entwicklung des Vorhabens war von sehr unterschiedlichen politischen Phasen geprägt, beginnend unter der Präsidentschaft von Álvaro Uribe, der den jahrzehntelangen Bürgerkrieg im Land als solchen nicht einmal anerkannte bis zu Juán Manuel Santos, der sich Frieden als zentrales Thema auf die Fahnen geschrieben hat. Die Arbeit der GIZ in Kolumbien war geprägt von einer schwierigen Sicherheitslage, Misstrauen und tiefgreifenden Konfliktlinien innerhalb der Bevölkerung. Das Programmteam bestand überwiegend aus lokalen Experten und Expertinnen, die in diesem Kontext sozialisiert und von unterschiedlichen Interessen, Loyalitäten und Kontakten geprägt waren. Diese Vielfalt im Team kann Stärke und Herausforderung zugleich sein.

In zwei Publikationen hat die GIZ mit Unterstützung von Como Consult und der Berghof Foundation die Lernerfahrungen aus der Arbeit in einem fragilen Kontext aufgearbeitet. Das Dokument „Erfahrungen zu Steuerung und Führung in einem Friedensentwicklungsvorhaben“ behandelt Lehren und Empfehlungen für andere Vorhaben entlang der fünf Dimensionen Strategie, Kooperation, Steuerungsstruktur, Prozesse sowie Lernen und Innovation. Was bedeutet es für die Strategie eines Vorhabens, das in einem fragilen, schwer vorhersehbaren Kontext agiert? Welche Rolle spielen dabei Flexibilität, Kontextkenntnis und Risikomanagement? Mit wem kann und sollte das Programm Kooperationen eingehen und was bedeutet dies für die Aufstellung und Fähigkeiten des Beraterteams? Welche Anforderung stellt ein konfliktives Umfeld an die Steuerung und interne Organisation eines Vorhabens? Welche Prozesse kann ein Vorhaben in fragilen Kontexten fördern und was ist dabei zu beachten? Wie können Beraterteam und Partner immer wieder voneinander lernen und wie kann eine Kultur der gemeinsamen Reflexion etabliert werden? Diese und andere Fragen werden im Rahmen der Publikation diskutiert. Die Erfahrungen von Cercapaz unterstreichen, wie wichtig es ist, dass vor allem ein Beraterteam zu den Themen Friedensentwicklung, Kooperationsaufbau und Konfliktsensibilität in der Lage ist, diese Kompetenzen auch intern zu leben, um extern glaubwürdig beraten zu können.

Die zweite Publikation mit dem Titel „Erkenntnisse für die Entwicklung und Gestaltung der Management- und Steuerungsstruktur eines Programms der Technischen Zusammenarbeit“ beschreibt zunächst die verschiedenen Entwicklungsphasen der Programmsteuerung und die jeweiligen Stärken und Schwächen, die jede Managementform mit sich brachte. Im Vordergrund stand dabei stets der Versuch, regionale und fachliche Verantwortlichkeiten so zu strukturieren, dass die Partner bestmöglich beraten werden können, aber auch die interne Koordination und Kooperation möglichst effizient sichergestellt werden kann. Auf Basis dieser konkreten Erfahrungen systematisiert die Publikation wesentliche Aspekte und Herausforderungen der verschiedenen Steuerungsstrukturen und berücksichtigt dabei vor allem folgende Fragen: Was wird auf welcher Ebene wie von wem gesteuert? In welcher Entwicklungsphase befindet sich ein Programm und welche Arbeitsschritte müssen aufeinander folgen? Was braucht es, damit eine Matrixstruktur funktioniert?

Dabei wird deutlich: „Es gibt nicht das ideale Modell, aber es gibt mentale Landkarten zur Orientierung.“ Ein gemeinsames, geteiltes Grundverständnis erleichtert dabei das Management in komplexen Kontexten erheblich.

Weitere Infos

Christian Müller, GIZ christian.mueller@giz.de

Links & Literatur

Erfahrungen zu Steuerung und Führung in einem Friedensentwicklungsvorhaben
GIZ, Como Consult, Berghof Foundation | Februar 2015

Erkenntnisse für die Entwicklung und Gestaltung der Management- und Steuerungsstruktur eines Programms der Technischen Zusammenarbeit
GIZ, Como Consult, Berghof Foundation | Februar 2015

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