31-10-2019

Global Sustainable Development Report (GSDR) 2019

Der im September 2019 veröffentliche Bericht „The future is now: Science for Achieving Sustainable Development“ ist der erste Global Sustainable Development Report (GSDR), der von 15 Wissenschaftler*innen verfasst wurde und Orientierungshilfen über mögliche transformative Pfade hin zu einer nachhaltigen globalen Entwicklung bietet. Der GSDR wurde von den VN-Mitgliedsstaaten im Anschluss an die Verabschiedung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung in Auftrag gegeben. Im Jahr 2016 beschlossen die Mitgliedstaaten, dass der Bericht alle vier Jahre erstellt werden sollte, um über Fortschritte der SDGs in der Generalversammlung zu informieren. Der Bericht sollte von einer vom Generalsekretär ernannten unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler*innen verfasst werden, die unterschiedliche Hintergründe, wissenschaftliche Disziplinen und Institutionen vertreten und die Beziehungen zwischen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Entwicklungszielen untersuchen sowie eine Schnittstelle zwischen Praxis und Wissenschaft ermöglichen.

Im über 250 Seiten langen Bericht wird deutlich, dass die Erreichung der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) sehr stark von der Kooperation zwischen Regierungen, Institutionen und anderen Akteuren abhängt, die regional und sektorübergreifend arbeiten müssen, wie das BMZ in seinem Factsheet zum GSDR zusammenfasst. Des Weiteren stellen die Wissenschaftler*innen fest, dass das derzeitige Entwicklungsmodell nicht nachhaltig ist: Nur wenige der 169 Unterziele der SDGs weisen einen positiven Trend auf, bei vielen reichen jedoch die getroffenen Maßnahmen nicht aus, um die Ziele zu erreichen (z.B. Hunger, reproduktive Gesundheit) und einige sind sogar rückläufig (z.B. Artenvielfalt, Ungleichheit). Der Bericht fokussiert sich auf vier Hebel (levers of tranformation), in denen Transformation von entscheidender Bedeutung sein wird (Governance; Wirtschaft und Finanzen; Individualverhalten und gemeinsames Handeln; Wissenschaft und Technologie) und benennt darauf aufbauend sechs „entry points“, in denen prioritär gehandelt werden muss. Diese umfassen menschliches Wohl, nachhaltige und gerechte Wirtschaft, Nahrungssysteme und Ernährung, städtische Entwicklung, Zugang zu Energie und Dekarbonisierung, und die Sicherung der globalen Güter.

Bei aller Ausführlichkeit widmet sich der Bericht allerdings wenig dem Thema politischer Konflikte und Gewalt und ignoriert damit ein zentrales Querschnittsthema zur Erreichung der SDGs, wie die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in ihrem Blog-Artikel „Blindspot Konflikt: Der erste Global Sustainable Development Report ignoriert ein zentrales Querschnittsthema“ kritisiert. Das Gleiche gilt für das Thema Frieden: Im GSDR wird Frieden nur unter "good governance" genannt und thematisiert. Erst am Ende des Berichts wird resümiert, dass die SDGs nicht ausreichend auf die vielen langwierigen Krisen weltweit und ihren negativen Einfluss auf die Erreichung der Ziele eingehen und Friedensförderung, Militärausgaben und Waffenverbreitung nicht ausreichend beachtet werden.

Ähnlich wie die HSFK in Bezug auf die Vernachlässigung von Konflikt und Gewalt im GSDR argumentiert, liegt wohl auch bei der verkürzten Perspektive auf SDG 16 ein Grund darin, dass niemand im Team der 15 hauptsächlich naturwissenschaftlicher Wissenschaftler*innen einen politikwissenschaftlichen Hintergrund und/oder eine Friedens- und Konfliktforschungsperspektive einbringt. Momentan holt das Sekretariat der VN Nominierungen der Mitgliedsstaaten ein, aus denen der UN-Generalsekretär dann eine neue Gruppe von Wissenschaftler*innen auswählen wird, die den nächsten Bericht in 2023 veröffentlichen werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Bundesrepublik dafür einsetzt, dass das nächste Team durch eine Person bereichert wird, die ein stärkeres Augenmerk auf die Bedeutung des Querschnittsthemas Frieden/Konflikt für die Erreichung der SDGs legt.

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