28-03-2017

hbs | Aufarbeitung von Holocaust und Roter Khmer Diktatur: Eine Konferenzreihe in Phnom Penh

Welche Parallelen und welche Unterschiede gibt es zwischen dem Holocaust und dem Völkermord der Roten Khmer? Gibt es Indikatoren für das Auftreten von Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Welche Rolle spielen Hassreden und Propaganda bei Genoziden? Und welche Bedeutung hat die Bearbeitung von Trauma für die Gesellschaft?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine einwöchige Konferenz, die im Januar 2017 gemeinsam von der One Earth Future Foundation, dem Zivilen Friedensdienst der GIZ und der Heinrich-Böll-Stiftung Kambodscha unter dem Titel „Dealing with the Past – Engaging in the Present” durchgeführt wurde. Anlass waren der kambodschanische Jahrestag der Beendigung des Völkermords (7. Januar) und der UN Holocaust Gedenktag (27. Januar).

Internationale VertreterInnen unter anderem von swisspeace, der polnischen Never Again Association und dem Khmer Rouge Tribunal diskutierten gemeinsam mit kambodschanischen ExpertInnen unter anderem von Kdei Karuna, Women Peace Makers und dem Tuol Sleng Genocide Museum unterschiedliche Aspekte von Prävention, Aufarbeitung, Trauma und die Frage, warum sich Menschen an einem Völkermord beteiligen. Dabei wurde klar, dass die Aufarbeitung solcher Verbrechen von verschiedenen Seiten betrieben werden muss und dass eine Politik des Schlussstrichs negative Folgen für die betroffene Gesellschaft haben wird.

Zunächst einmal bedarf es des politischen Willens für eine solche Aufarbeitung, die dann verschiedene Formen annehmen kann: Juristische Aufarbeitung durch Klagen gegen die höchstrangigen Verantwortlichen, Dokumentation, Traumatherapie, Dialogveranstaltungen, Museumsbauten und Errichtung von Gedenkstätten. Dass eine solche Aufarbeitung nicht im politikfreien Raum stattfindet, wurde in allen Veranstaltungen deutlich. Politik hat bisweilen das Interesse, ein bestimmtes Narrativ durchzusetzen, dass vor allem den Regierenden zupass kommt. In Kambodscha wird das vor allem daran deutlich, dass sich alle Aufarbeitung ausschließlich auf die Zeit von 1975 bis 1979 beschränkt. In dieser Zeit hatten die Roten Khmer die Kontrolle über Phnom Penh. Allerdings waren sie schon seit Ende der 60er Jahre in Kambodscha militärisch aktiv, und auch noch nach ihrer Vertreibung aus der Hauptstadt hielten sie Kambodscha in einem Bürgerkrieg gefangen. Doch weitergehende Aufarbeitung würde unangenehme Fragen unter anderem nach dem amerikanischen Flächenbombardement, den Rollen Chinas, Vietnams und der damaligen Sowjetunion nach sich ziehen oder den Blick auf die Rolle des damaligen Königs werfen, der dazu aufgerufen hatte, sich den Roten Khmer anzuschließen. Ähnlich war es in Deutschland und Europa, wo die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen unter den Bedingungen des Kalten Krieges stattfand und sich damit oft ein politisches Interesse verband.

Obwohl die Aufarbeitung der Vergangenheit immer auch mit finanziellem Aufwand verbunden ist (ein Umstand, der gerade von der ärmeren kambodschanischen Bevölkerung als kritisch angesehen wird), wurde doch klar, dass es ohne eine umfassende Aufarbeitung kein Entkommen aus den politischen und psychologischen Fängen der Vergangenheit geben kann.

Die Veranstaltungswoche wurde begleitet von einer Fotoausstellung, die vom deutsch-britischen Genozidforscher Timothy Williams konzipiert worden war und sich mit der Frage beschäftigt, warum ganz normale Menschen zu Verbrechern gegen die Menschlichkeit wurden.

Weitere Informationen:

Ali Al-Nasaini, Heinrich-Böll-Stiftung
ali.al-nasani@kh.boell.org

Marcos Smith, Ziviler Friedensdienst/GIZ
marc.smith@giz.de

Links und Literatur:

Eindrücke von der Konferenz auf der Webseite der hbs Kambodscha

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