30-09-2019

Konsortium ZFD | Planen, monitoren, evaluieren – zusammen und nachhaltig

Partizipative PME und Friedensförderung

In der Friedensförderung, und damit auch im Zivilen Friedensdienst (ZFD), spielen neben dem Kontext  auch zwischenmenschliche Beziehungen eine zentrale Rolle. Diese können einen Konflikt sowohl verstärken, als auch konfliktreduzierend wirken. Partizipative PME bedeutet, die Einbeziehung von verschiedenen vom Konflikt betroffenen Personen in die Planung, das Monitoring und die Evaluierung von Projekten – so, dass die Bedürfnisse, Interessen und Handlungsoptionen der Betroffenen im Zentrum eines gesellschaftlichen Transformationsansatzes stehen. Um das positive Potential menschlichen Handelns in der Friedensarbeit zu stärken, ist es wichtig Dynamiken des Konflikts zu beachten und möglichen negativen Einflüssen auf den Konflikt oder auf vom Konflikt betroffene Frauen und Männer entgegenzuwirken. Das kürzlich erschienene Handbuch „Managing Outcomes“ der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V.(AGEH) , eines der Mitglieder des Konsortiums Ziviler Friedensdienst, gibt einen Leitfaden für PME an die Hand. 

Mehrwert und Zielgruppen des Handbuchs ‚Managing Outcomes‘

Das Handbuch „Managing Outcomes“ ist auf der Grundlage der „Outcome Mapping“ Methode entwickelt worden. Managing Outcomes, wie auch Outcome Mapping, betrachtet Wirkungen als Verhaltensänderungen (in sehr breitem Sinne). Der ZFD, oder die Friedensarbeit im Allgemein, stellt die Verhaltensänderungen von Frauen und Männer, die auf vielfältige Weise direkt oder indirekt vom Konflikt berührt werden, in den Mittelpunkt ihrer Transformationsarbeit. Wirkungen können also sichtbar werden, indem Frauen und Männer dabei unterstützt werden ihre Potentiale zu nutzen, um anders – positiver – auf eine Situation einwirken können. Mit diesem Ansatz verschiebt sich die klassische Fokussierung auf Wirkungen im Allgemeinen hin auf das menschliche Handeln als Mittelpunkt der Wirkungserzielung. Die AGEH hat dieses Handbuch auf Grundlage ihrer jahrelangen Erfahrungen in der Begleitung von PME Prozessen durch PME Beraterinnen und Berater in Partnerländern in Afrika, Asien und Lateinamerika entwickelt. Der im Handbuch beschriebene Ansatz ist daher besonders geeignet für ZFD Projekte, und gibt viele konkrete Beispiele, Leitfragen und Handlungsmöglichkeiten für die Durchführung von ZFD Projekten durch Partnerorganisationen vor Ort. Das Handbuch nimmt auch auf die knappen Ressourcen kleinerer Projekte Rücksicht –wie sie in den ZFD-Partnerorganisationen oft üblich sind – und knüpft damit an deren Realitäten an. Es erlaubt die Planung und Auswertung von Verhaltensänderungen und daraus resultierenden Wirkungen bei genau den Akteur*innen, die in Konflikten eine Rolle spielen. Die Vertreter*innen der Zielgruppen, auf die sich ein Projekt konzentriert, können so direkt an PME Prozessen beteiligt werden. 

Neben ZFD-Fachkräften- und Partnerorganisationen, kann das Handbuch auch für andere deutsche oder internationale EZ-Organisationen eine wertvolle Ressource sein. Gleichzeitig können Organisationen des Globalen Südens ihre Projektarbeit damit verbessern. 

Partizipative PME – Weiterentwicklung

Mit der Veröffentlichung des Handbuchs steht die Verbesserung des Ansatzes nicht still. Es werden auch weiterhin Erfahrungen gesammelt, die dazu beitragen den Ansatz noch anwendungsfähiger und lokal kompatibler zu machen. Partizipative PME wird davon bereichert, andere Methoden und Tools zu integrieren, um damit für jeden Kontext einen angemessenen, konfliktsensiblen Mix zu kreieren. Im partizipativen PME kommt es entscheidend darauf an, wie soziale/sozialkonstruierte Faktoren, wie beispielsweise Alter, Ethnizität, oder Beeinträchtigungen, die eigene sowie die Fremdwahrnehmung beeinflussen. Eine Berücksichtigung von geschlechterspezifischer Diversität in partizipativer PME, stellt auch das Handbuch vor Herausforderungen. Das Handbuch thematisiert geschlechterspezifischer Diversität in den verschiedenen Phasen des Projekts durch entsprechenden Leitfragen und ist in gendersensibler Sprache geschrieben. Damit sind Hilfestellungen geboten, um geschlechterspezifische Diversität in verschiedenen Kontexten zu berücksichtigen, ohne dass ein spezifisches Analyseinstrument vorgeschlagen wird. Damit soll das Handbuch auch für Organisationen, die weniger Erfahrung oder Kapazität haben, um geschlechterspezifische Diversität in Planungs-, Monitorings, und Evaluierungsprozessen mitzudenken, zugänglich bleiben. 

Die weitere Arbeit am „Managing Outcomes“ Ansatzes wird spezifische Instrumente für die Genderanalyse entwickeln. Besonders in der Friedensförderung ist es wichtig sich die Frage zu stellen, wie wir mit existierenden Machtasymmetrien umgehen wollen, um zu einer nachhaltigen Transformation von Konflikten beitragen zu können. Ohne einen mutigen und offenen Dialog über Geschlechtergerechtigkeit werden wir in vielen Kontexten weder die Ursachen für Gewalt und Konflikt noch die Entwicklung von nachhaltigen Gesellschaften angehen können.

Weitere Informationen: 

Christian Kuijstermans, Berater auf Zeit für Wirkungsorientierung im ZFD / AGEH für das Konsortium Ziviler Friedensdienst
christian.kuijstermans@ageh.de

Links und Literatur:

Handbuch: Managing Outcomes Handbuch

Das Handbuch ist auf Englisch, Spanisch und Französisch verfügbar.

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