30-09-2019

Misereor | Frieden 2020 gemeinsames Jahresthema der katholischen Hilfswerke

Die sechs katholischen MARMICK-Hilfswerke Misereor, Adveniat, Renovabis, Missio (Aachen und München) und Kindermissionswerk stellen im Kirchenjahr 2020 ihre Aktionen erstmalig unter ein gemeinsames Jahresthema. Unter dem Motto „Frieden leben. Partner für Eine Welt.“ wird Friedensförderung thematischer Schwerpunkt aller Aktionen. Die MISEREOR-Fastenaktion 2020 zum Jahresthema Frieden nimmt die Länder Syrien und Libanon in den Blick. Warum fiel die Wahl auf diese Länder?

Eine syrische Frau, die 2015 mit ihrer Familie in den Libanon geflohen war, sagte mir im Juni 2019 in Balbeek: „Meine Heimat ist verloren. Meine Familie ist tot oder geflohen, unsere Nachbarn sind auch nicht mehr da. Unser Haus ist zerstört, es gibt keine Arbeit. Wir haben keine Hoffnung mehr für Syrien.“ Das Land kommt nicht zur Ruhe und die gesellschaftliche Spaltung ist tief. Abertausende sind dem jahrelangen Bürgerkrieg zum Opfer gefallen, Millionen mussten ihre Heimat verlassen. Viele sind auch nach Deutschland und Europa gekommen, doch die meisten Geflohenen halten sich in den Nachbarländern Türkei, Libanon, Jordanien und Irak auf, in denen die Lebensbedingungen immer schwieriger werden. Wie kann man in diesem Kontext von Frieden sprechen? Wie kann man trotz aller Widrigkeiten einen Beitrag zu Dialog leisten?

In einem von extremer Gewalt sowie regionalen und internationalen Interessen geprägten Kontext wie in Syrien und dem Libanon ist es derzeit extrem schwierig (bzw. hochgefährlich), als Zivilgesellschaft an soziopolitischen, strukturellen Veränderungen zu arbeiten. Partnerorganisationen MISEREORs und andere zivilgesellschaftliche Initiativen leisten allerdings einen unschätzbaren Beitrag zur intra-personalen Komponente von Frieden (inner peace):

Menschen, die nach traumatischen Gewalterfahrungen, Existenzängsten und Verlusten geflohen sind, können sich nur dann wieder der Zukunft zuwenden, wenn sie die Möglichkeit haben, das Vergangene zu verarbeiten und Kraft zu schöpfen, um einen Neuanfang zu wagen. Dies gelingt nur, wenn Grundbedürfnisse gedeckt und Alltagssorgen, wie beispielsweise gesundheitliche Beschwerden und die Sorge um die Schulbildung der Kinder, eingedämmt werden. Wirtschaftliche Existenzängste prägen jedoch auch weiterhin das Leben der aus Syrien Geflohenen im Libanon, da sie kaum Erwerbsmöglichkeiten haben. Umso wichtiger, dass sich zivilgesellschaftliche Organisationen – wo der Staat dazu nicht willens oder in der Lage ist - darum kümmern, den Menschen Gesundheitsversorgung und ihren Kindern ein Mindestmaß an Schulbildung zur Verfügung stellen, damit diese nicht als „verlorene Generation“ enden und mangels Möglichkeiten in die Zirkel von Kriminalität und Fanatismus geraten.

Mindestens ebenso zentral ist die psychosoziale Begleitung: Nach Jahren des akuten Stresses, zunehmender Ausgrenzung und Diskriminierung sowie fortwährender Belastung aufgrund einer ungewissen Zukunft eröffnet diese Betreuung den Menschen zumindest kleine Oasen der Ruhe und Selbstfürsorge, um innere Ressourcen wiederherzustellen. So wird es ihnen ermöglicht, Wege zu entwickeln, um mit den vergangenen und aktuellen Gewalterfahrungen umzugehen und den Alltag zu bewältigen. Gleichzeitig stellen die Projekte Orte der Begegnung zwischen Menschen verschiedener Herkunft, Religion oder Konfession her, durch die erschüttertes Vertrauen stückweise widerhergestellt werden kann – ein erster Schritt zu Dialog und gegenseitigem Verständnis sowie eine Grundlage für ein zukünftiges, friedliches Zusammenleben in Vielfalt. In diesem Sinne leisten die Partner MISEREORs vor Ort einen Beitrag, um „friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu fördern“, wie es sich die internationale Gemeinschaft in Ziel 16 der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen vorgenommen hat. Die MISEREOR-Fastenaktion 2020 stellt diese Arbeit in den Mittelpunkt.

Weitere Informationen: 

Thomas Kuller, MISEREOR
thomas.kuller@misereor.de 

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