28-03-2017

Misereor | Traumasensible Entwicklungszusammenarbeit

Die Arbeit zum Thema Trauma stellt besondere Herausforderungen an die Projektpartner vor Ort aber auch an die Mitarbeitenden von Misereor. Diese Herausforderungen kennenzulernen und mit ihnen sensibel und professionell umzugehen, ist Ziel einer Reihe von Veranstaltungen zum Thema Trauma, die Misereor gemeinsam mit der Traumatherapeutin und Beraterin für psychosoziale Traumaarbeit, Dr. Simone Lindorfer, begonnen hat. Einige der Fragen, mit denen sich Misereor unter dem Stichwort „Trauma“ in den kommenden Monaten verstärkt beschäftigen wird, sind: Wie wird aus einem Projekt ein traumasensibleres Projekt? Wie erkennen wir Traumadynamiken bei Projektpartnern? Wie können wir ProjektmitarbeiterInnen vor Ort traumasensibel begleiten und die Traumasensibilität der Projektpartner stärken? Wie können wir uns selbst vor traumatischer Ohnmacht, die wir in Projekten und Kontexten des globalen Südens erleben, schützen?

Angesichts des brutalen Krieges der von Syrien ausgehend die gesamte Region des Nahen Ostens in Atem hält und angesichts der Schicksale von Menschen, die kriegsbedingt ihre Heimat verlassen müssen, sind die psychosozialen Folgen von Gewalterfahrungen auch hierzulande wieder deutlich stärker ins Bewusstsein vieler Akteure der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) gerückt. Die Zahl an Projekten, die sich explizit mit dem Thema befassen, ist auch bei Misereor aufgrund der Ausweitung des Engagements von Misereor im Nahen Osten deutlich gestiegen. Krieg, Gewalt und Flucht sind darüber hinaus aber weltweit in vielen Ländern, in denen Misereor Projektvorhaben von Partnern unterstützt, beklagenswerter Alltag. Handlungsmöglichkeiten in solchen Ländern sind begrenzt und Errungenschaften der EZ werden durch Gewalt binnen kurzer Zeit immer wieder zunichte gemacht. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Ausgangsbedingungen für (erneute) Entwicklungs-, Friedens- und Versöhnungsarbeit als Folge der Gewalt, die individuelle Menschen, Gruppen und ganze Gesellschaften erfahren, drastisch verschlechtern. Die psychosozialen Auswirkungen dieser Gewalterfahrung beeinflussen sowohl die Projektverantwortlichen als auch deren Zielgruppen und stellen somit eine enorme Herausforderung für die EZ dar. Besonders schwer zu überwinden sind die Folgen wiederholt auftretender oder langfristiger traumatischer Ereignisse, zumal wenn sie, wie bei Vergewaltigung, Kriegserleben, Geiselhaft, Folter oder politischer Inhaftierung, durch Menschen induziert sind. Deswegen ist es eminent wichtig, psychosoziale Unterstützungsbedarfe in von (anhaltender) Konfliktgewalt geprägten Ländern bei Projektvorhaben zu berücksichtigen.

In verschiedenen von Krieg und Gewalt gekennzeichneten Kontexten unterstützt Misereor Projekte, die Traumabewältigung und psychosoziale Beratung explizit zum Ziel haben. Es werden Beratungsangebote für Betroffene zur Verfügung gestellt und qualifizierte BeraterInnen und TherapeutInnen ausgebildet. Es wird aber zunehmend deutlich, dass ein traumasensibles Vorgehen relevant für alle Sektoren der EZ ist. Dies verstärkt in den Blick zu nehmen und umzusetzen, ist Ziel der oben genannten Veranstaltungsreihe bei Misereor. Denn das Durchleben von traumatischen Ereignissen, die zum Erleben von völliger Ohnmacht und Kontrollverlust führen, hat Auswirkungen nicht nur auf das psychische Erleben der Menschen sondern auf die Fähigkeit zur Interaktion, zur Versöhnung, auf die Fähigkeit, an eine Zukunft zu glauben und diese zu planen, also wesentliche Voraussetzungen für jede gelingende Projektarbeit.

Weitere Informationen:

Dorothee Klüppel, Misereor
dorothee.klueppel@misereor.de

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