26-06-2019

Misereor | Was wirkt? Evaluierung von sieben Friedensprojekten in Ruanda und Burundi

Lassen sich aus der Vielfalt von Friedensprojekten einige wenige Ansätze identifizieren, die als besonders wirksam für die Unterstützung von gesellschaftlichen Friedensprozessen gelten können? Das war eine der Fragen für Misereor nach mehr als 20 Jahren Friedensförderung in Ruanda und Burundi – in der Hoffnung, die Arbeit der Projektbeurteilung und -begleitung zu erleichtern. Sie war Gegenstand einer Querschnittsevaluierung von sieben Friedensprojekten in diesen beiden Ländern.

Tatsächlich bleibt es bei der Vielfalt von Ansätzen: Zu komplex sind die Situationen, auch innerhalb der beiden Länder, zu unterschiedlich die Akteure. Sie erfordern angepasste, kontextspezifische Ansätze, die die jeweiligen Akteure und Betroffenen in den Blick nehmen und relevante Sektoren berücksichtigen. So repräsentieren die sieben evaluierten Projekte eine Kombination von Ansätzen: Versöhnungsarbeit/soziale Kohäsion, Aufarbeitung begangener und erlittener Gewalt und wiederherstellende Gerechtigkeit, Traumaarbeit, Jugendarbeit sowie gute Regierungsführung und Bürgerbeteiligung. Alle Projekte finden in einem lokalen Rahmen, in Basisgemeinden oder lokalen Unterstützergruppen, statt; es sind sowohl kirchliche als auch zivilgesellschaftliche Organisationen beteiligt.

Die Evaluator*innen entwickelten Fragen, die an alle Friedensprojekte gestellt werden können: Wie halten es Individuum und Gesellschaft mit der Gewaltlosigkeit? Wie sind die Rahmenbedingungen, um das Prinzip der Gewaltlosigkeit umzusetzen? Existieren Vorstellungen von „Transzendenz“/ Spiritualität, die Gewaltlosigkeit unterstützen?

Diese Fragen fanden Eingang in elf Kriterien, die die Evaluator*innen speziell zur Beurteilung von Friedensprojekten entwickelt haben. Sie fächern damit zwei der ansonsten in der Entwicklungszusammenarbeit üblichen fünf Evaluierungskriterien des OECD Development Assistance Committee (der sogenannten DAC Kriterien) auf und fokussieren auf „Effektivität“ und „Effizienz“. In der Evaluation der sieben Friedensprojekte fragten sie auf der individuellen Ebene der beteiligten Akteure nach friedensrelevanten Kompetenzen, Einstellungen und Verhalten. Auf der Projektebene fragten sie nach der Entwicklung und Anwendung spezifischer Methoden und Instrumente der Friedensförderung, nach Analyseinstrumenten und ihrer regelmäßigen Anwendung sowie nach PME-Instrumenten und –Anwendung. Im dritten Frageblock fragten sie nach der Verbindung der Projekte zu weiteren Akteuren (andere Friedensinitiativen, staatliche Ebene, Öffentlichkeit etc.) und nach weiteren Dimensionen von Kontext, Sektoren und Friedensarbeit, die nicht direkter Gegenstand des jeweiligen Projekts sind.

Die sieben evaluierten Projekte erfüllten diese Elemente in unterschiedlicher Form und Gewichtung, überzeugen nach diesen Kriterien jedoch nur zum Teil. Bemerkenswertes Ergebnis: Wenn man die DAC Kriterien hinzunimmt, wurden alle Projekte als „relevant“ und „wirksam“ eingestuft, während es bei den Kriterien „Effektivität“ und „Effizienz“ drastisch gehapert hat.

Die Evaluierung zeigt, dass die Projektarbeit dort einen positiven Niederschlag hat, wo sie – zumindest zu einem großen Teil – wirksam sein soll. Bedeutet das, dass „Effektivität“- und „Effizienz“- Kriterien, die uns in den Organisationen wichtig sind, für die erfolgreiche Arbeit auf der lokalen Ebene gar nicht so eine große Bedeutung haben, so lange der Projektansatz „stimmt“? Oder werden Fragen der Organisation erst auf einer anderen Wirkungsebene relevant, die über den unmittelbaren Einsatzbereich hinausgeht?

In der Bewertung der Arbeit mit anderen Organisationen und auf anderen Ebenen, die eine größere Wirkbreite entfalten sollte, lassen fast alle Projekte zu wünschen übrig. D.h., die Konzentration auf die lokale Ebene steht im Vordergrund; in dem Moment, wo eine größere Reichweite angestrebt ist, wird es schwierig. Dies hängt natürlich nicht nur von methodischen und organisatorischen Kompetenzen, von „Effizienz“ und „Effektivität“ ab, sondern auch von politischen Kontextbedingungen, die ein „Coming out“ mit Friedensarbeit und einen größeren Aktionsradius oft nur sehr bedingt zulassen – so wie in Ruanda und Burundi.

Was ist zu tun? Tatsächlich noch mehr Beratung, wie die Evaluierung empfiehlt? Oder müssten wir uns weiterführenden Fragen stellen, die das Verhältnis von lokaler und weiterführender Arbeit näher in den Blick nehmen – zumal unter schwierigen politischen Bedingungen, von denen die Akteure auch selbst Teil sein können?

Misereor – ebenso wie Brot für die Welt – werden in den nächsten 2- 3 Jahren eine „Förderbereichsevaluierung Frieden“ durchführen. Dies wird die Möglichkeiten erweitern, die von beiden Organisationen geförderte Arbeit darauf hin zu untersuchen, „was wirkt“ und ob oder in welcher Form und Umfang die Langzeitziele „Frieden und Entwicklung“ erreicht werden.

Weiterführende Informationen:

Cora Laes-Fettback, Misereor
Cora.Laes-Fettback@misereor.de

Fabian Scholtes, Misereor
Fabian.Scholtes@misereor.de

Sylvia Servaes, Misereor/FriEnt
Sylvia.Servaes@misereor.de

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