28-05-2019

BMZ | Fachgespräch zum Thema psychosoziale Unterstützung in Berlin

Im März 2019 veröffentlichte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) einen Bericht zum Thema „Rebuilding Lives: Addressing Needs, Scaling Up and Increasing Long-term Structural MHPSS Interventions in Protracted and Post-Conflict Settings”, der sich einfügt in nationale und internationale Bemühungen zur Stärkung von psychischer Gesundheit und psychosozialer Unterstützung (Mental Health and Psychosocial Support, MHPSS) in der Entwicklungszusammenarbeit.

Psychosoziale Belastungen im Kontext von Flucht und Konflikt

Weltweit sind Millionen von Menschen von den Auswirkungen bewaffneter Konflikte, Flucht und Gewalt betroffen. Diese Erfahrungen haben verheerende Auswirkungen auf das psychische und soziale Befinden. Sie erhöhen das Risiko für die Entwicklung von psychischen Belastungen wie Angstzuständen, Depressionen und anderen stressbedingten Symptomen und Erkrankungen. Vor allem vulnerable Gruppen sind starken emotionalen und sozialen Belastungen ausgesetzt und benötigen qualitativ hochwertige und langfristig angelegte Maßnahmen zur Stärkung der psychischen Gesundheit und des psychosozialen Wohlbefindens, die über die kurzfristigen Maßnahmen der humanitären Hilfe hinausgehen. Dies ist nicht zuletzt auch Grundlage eines friedlichen gesellschaftlichen Wiederaufbaus.

Deutsches und internationales Engagement

Um diese Bedarfe zu adressieren, haben das BMZ und UNICEF am 4. und 5. Juli 2018 zum internationalen Expert*innentreffen zum Thema „Rebuilding Lives” geladen. Unter Leitung der Flüchtlingsbeauftragten des BMZ, Dr. Elke Löbel, und des Leiters der Kinderschutzabteilung von UNICEF, Cornelius Williams, kamen über 50 Expert*innen zusammen, darunter Geber, Regierungsvertreter*innen, UN-Organisationen, Forscher*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen. Ziel des Treffens war es, Konsequenzen von Flucht, Konflikt und Gewalt auf das psychische Wohlbefinden aufzuzeigen und gemeinsam Empfehlungen für ein langfristiges Engagement zu entwickeln.  

Die Veranstaltung legte einen Schwerpunkt auf langfristiges Engagement. Im Mittelpunkt der zwei Tage standen die Themen Scaling-Up und die Verankerung von Maßnahmen zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung in lokalen Versorgungsstrukturen. Thematisch im Fokus lag dabei die Versorgung vulnerabler Gruppen, darunter Kinder und Jugendliche, Flüchtlinge und Binnenvertriebene, Menschen mit Behinderungen sowie Überlebende von sexualisierter Gewalt.

Empfehlungen für die Entwicklungszusammenarbeit

Im Anschluss an das Expert*innentreffen fand ein Konsultationsprozess zu den abzuleitenden Empfehlungen für die Entwicklungszusammenarbeit statt: Zusätzlich zu einer offenen online-Konsultation wurden im Oktober 2018 die Erfahrungen und Empfehlungen der deutschen Zivilgesellschaft diskutiert. Der seit März 2019 vorliegende Abschlussbericht des Expert*innentreffens ist Ergebnis dieses partizipativen Prozesses und umfasst Beiträge von rund 50 verschiedenen Organisationen und Institutionen.

Die Empfehlungen dienen als Advocacy-Tool zur Verbesserung der Finanzierung, Planung und Durchführung von Projekten und zur Umsetzung von qualitativ hochwertigen und nachhaltigen MHPSS-Maßnahmen in Kontexten von Konflikt und Fragilität. Sie sind damit wegweisend für das weitere Engagement des BMZ und bilden den Rahmen für die strategische Zusammenarbeit mit UNICEF. Die thematischen Empfehlungen, die sich an UN-Organisationen, Geber, Regierungen und die Wissenschaft richten, dienen als Grundlage für das nächste Treffen der MHPSS-Geberrunde am 7. und 8. Oktober 2019 in Amsterdam, organisiert vom niederländischen Außenministerium. So wird das aktuelle Momentum aufrechterhalten und die Diskussion um die Stärkung von MHPSS in Kontexten von anhaltender Gewalt und Vertreibung weitergeführt.

Der Veranstaltungsbericht kann hier eingesehen und Druckexemplare des Berichts über svf_veranstaltung(at)giz.de bestellt werden.

Weiterführende Informationen: 

sv-flucht(at)giz.de

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